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Lommbock (2017) Review

© Wild Bunch Germany

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Mittlerweile ist es schlappe 16 Jahre her, dass Christian Zübert uns mit seiner Kifferkomödie „Lammbock – Alles in Handarbeit“ (2001) rund um die beiden Amateur-Dealer Kai (Moritz Bleibtreu) und Stefan (Lucas Gregorowicz) erfreut und damit vielleicht DEN deutschen Kultfilm dieser Zeit überhaupt hingelegt hat. Nicht von der Hand zu weisen ist dabei der Einfluss von Quentin Tarantino und Kevin Smith auf den Film. Dennoch gelang es Zübert auch durch die Verlagerung in eine doch eher provinzielle Gegend, die Chemie seiner beiden Hauptdarsteller und ein gewitztes Drehbuch mehr als nur ein uninspiriertes Rip-Off hinzulegen, sondern eben einen Film, der im Gedächtnis bleibt und den man sich immer wieder anschauen kann. Nun erscheint also mit „Lommbock“ die Fortsetzung – interessanterweise nahezu zeitgleich mit der Fortsetzung eines anderen Kultfims: „T2 Trainspotting“ – und man muss sich sicherlich schon im Vorhinein die Frage stellen, ob ein zweiter Teil überhaupt notwendig, geschweige denn eine gute Idee ist.

Ungefähr 15 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils kehrt Stefan nach Würzburg zurück, um seine Geburtsurkunde vom Rathaus abzuholen, da er plant, seine Lebensgefährtin Yasemin (Melanie Winiger) zu heiraten. Im Gegensatz zu dem, was das Ende von „Lammbock“ suggeriert, hat Stefan sein Jura-Studium doch nicht an den Nagel gehängt, sondern als Rechtsanwalt Karriere gemacht. Seine eigene Strandbar eröffnet er jetzt trotzdem, jedoch auf einem Wolkenkratzer in Dubai mit der finanziellen Unterstützung seines Schwiegervaters in spe und nicht auf eigene Faust auf einer Südseeinsel. Am Flughafen wird er natürlich von Kai mit einer Pizza Gourmet herzlich begrüßt und schnell erfahren wir, dass sich bei Kai generell nicht so viel geändert hat. Er lebt zwar mittlerweile mit seiner Freundin Sabine (Mavie Hörbiger) zusammen, für deren Sohn Jonathan (Louis Hofmann) er den Vater spielt und aus der Pizzeria ist ein Asia-Lieferdienst geworden, aber trotzdem ist er noch der kiffende Hänger, der sich gerne selbst durch stilvolles Rumgelaber profiliert. Jedenfalls verläuft der kurze Aufenthalt dann doch etwas anders als geplant und Kai und Stefan geraten abermals in die eine oder andere brenzlige Situation.

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Für „Lommbock“ konnte Christian Zübert wieder einen Großteil des alten Casts gewinnen: Neben den beiden Hauptfiguren lungern auch weiterhin der am Tourette-Syndrom leidende Frank (Wotan Wilke Möhring) und sein Kumpel Schöngeist (Antoine Monot) vor dem Gebäude des Lieferservices rum. Alexandra Neldel als Stefans Ex-Freundin Jenny und Elmar Wepper als sein Vater sind auch wieder von der Partie. Dies trägt dazu bei, dass „Lommbock“ den Ton des ersten Teils weitestgehend trifft. Insbesondere bei Gregorowicz und Bleibtreu stimmt die Chemie und es gelingt ihnen, genau die Stimmung zu treffen, wenn sich zwei gute Freunde nach langer Zeit wiedersehen und gemeinsam rumhängen.

Was das Markenzeichen des ersten Teils angeht – die ausufernden Dialoge, Weisheiten und Theorien, die sofort zitierbar sind – so muss man bei „Lommbock“ festhalten, dass dieser da allerdings nicht mit dem Vorgänger mithalten kann. Sicherlich ist es schwer, einen aktuellen Film anhand seiner einprägsamen Szenen mit einem Film zu vergleichen, der bereits seit 16 Jahren mit einem Vorschlaghammer gegen die Synapsen hämmert, dennoch stellt man eben schon beim Schauen Vergleiche an und konstatiert, dass gewisse Szenen beim ersten Teil etwas besser funktioniert haben. Natürlich kann man bei Kultfilmen generell die Frage stellen, ob man sie der Nostalgie wegen verklärt und heutzutage gewisse Dinge nur deswegen funktionieren, weil man die jeweiligen Filme schon so oft gesehen hat. Geht man von diesem Gedanken aus, ist es nahezu unmöglich, mit einer derartig späten Fortsetzung auch nur ansatzweise an einen Vorgängerfilm heranzukommen, da dieser niemals den „Zeitvorsprung“ aufholen kann.

Allerdings muss „Lommbock“ auch überhaupt nicht besser als sein Vorgänger sein, vielmehr ist es seine Aufgabe, der Geschichte von Kai und Stefan ein weiteres Kapitel hinzuzufügen, Anspielungen auf den ersten Teil zu machen und diesen noch einmal retrospektiv zu betrachten. Dies gelingt „Lommbock“ mit Leichtigkeit und ist für Fans von „Lammbock“ allemal eine Empfehlung wert. War diese Fortsetzung nötig? Nein, sicherlich nicht. Aber erfreuen kann man sich an ihr ja trotzdem.

Autor: Torsten Stenske

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