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La La Land (2016/2017) Review

© STUDIOCANAL

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Nachdem uns Damien Chazelle mit seinem Langspielfilmdebüt „Whiplash“ (2014) die Faszination rund um Jazz und das Schlagzeugspiel auf bombastische Art und Weise näher gebracht hat, geht er in „La La Land“ nun einen Schritt weiter und serviert uns gleich ein waschechtes Musical, welches darüber hinaus stark an Vertreter des Classical Hollywood angelehnt ist. Natürlich ist das Musical vielleicht dasjenige Genre, bei dem es am ehesten eine Geschmacksfrage ist, ob man es mag oder nicht, aber gerade bei den ganzen Vorschuss-Lorbeeren und den Preisen, die der Film gerade abgreift, sollte selbst der gemeine Musical-Muffel mal einen Blick riskieren.

In „La La Land“ geht es um Mia (Emma Stone) und Sebastian (Ryan Gosling), die sich zu Beginn des Films begegnen und sich in ähnlichen Abschnitten ihres Lebens befinden. Was beide vereint, ist dabei, dass sie einen Traum bzw. Ziele in ihrem Leben haben, die momentan unrealistisch respektive unerreichbar scheinen. Mia will eine Schauspiel-Karriere in Hollywood starten, rennt dafür von Casting zu Casting und bekommt eine Absage nach der anderen. Ihre Brötchen verdient sie nebenbei – wie könnte es anders sein – als Kellnerin in einem Café, welches sich darüber hinaus auch noch auf dem Gelände eines Filmstudios befindet. Eines Tages lernt sie Sebastian kennen, der sich mehr oder weniger erfolglos als Pianist von Job zu Job hangelt. Das können dabei Gigs mit einer 80er-Jahre-Coverband sein oder auch Auftritte als Klavierspieler in einem Restaurant, der die Gäste mit unaufgeregter Musik beschallen soll. Sein großer Traum ist es allerdings, in Los Angeles einen Jazz-Club im alten Stil und nach seinen Vorstellungen aufzumachen, alles was fehlt, ist genügend Geld. Mia und Sebastian treffen sich zu Beginn des Filmes immer wieder zufällig und sind zunächst überhaupt nicht auf einer Wellenlänge, was sich aber im Laufe des Films selbstverständlich ändert.

Was Damien Chazelle dann mit „La La Land“ auf die Leinwand zaubert, ist wahrlich eine recht einzigartige Mischung. Wie man schon im Trailer sah, lehnt er sich sowohl in den Bildern als auch bezüglich der Musik stark an Filme bzw. Musicals aus dem Classical Hollywood an. Auch wenn man zwischen den Musikszenen die Dialoge von Mia und Sebastian verfolgt, fühlt man sich sehr stark an die flotten Sprüche und den schnellen Humor zwischen beiden Geschlechtern aus Screwball-Comedies erinnert. Das Besondere an „La La Land“ ist, dass der Film den Look und die Themen, den Charme und Musik in die Gegenwart verlagert und somit zu mehr als einer bloßen Hommage macht. Auch wenn in vielen Szenen bewusst auf die Klassiker angespielt wird.

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Damien Chazelle weiß dabei einfach, wie man Musik, ihre Stimmung und ihre Interpreten gekonnt in Szene setzt, so dass sie bewegt, fasziniert und schlicht Spaß macht. Das ist gerade in den Szenen zu sehen, in denen Musik in einer Quasi-Live-Situation performt wird, also wenn beispielsweise Sebastian ein Solostück auf seinem Klavier spielt. Doch auch die Tanzszenen sind fantastisch choreographiert und wissen durch die Leichtigkeit und den Esprit, mit dem die Schauspieler diese darbieten, den Zuschauer zu begeistern. Über die Musik hinaus punktet „La La Land“ in erster Linie durch seine beiden Hauptdarsteller, die wirklich überragend spielen und zusammen die sprichwörtliche Chemie entwickeln, die es für so einen Film braucht. Gerade Ryan Gosling blüht förmlich auf, wenn er mal mehr als nur den einen Gesichtsausdruck zeigen kann, den wir aus seinen Kollaborationen mit Nicolas Winding Refn allzu gut kennen. Aber auch Emma Stone legt nochmal eine Schippe auf ihr gewohnt exzellentes Spiel drauf und dürfte sich berechtigte Hoffnungen auf einen Goldjungen im Februar machen. Der Rest des Casts spielt ebenfalls wirklich ansehnlich, prinzipiell ist „La La Land“ aber die Stone-Gosling-Show und das ist auch gut so.

Insgesamt ist „La La Land“ wahrscheinlich der erste richtig große Film, der in diesem Jahr erscheint und somit Pflicht für jeden, der sich selbst als Cineast bezeichnet. Wer in der Award-Season was mitzureden haben will, kommt ohnehin nicht um „La La Land“ herum, denn der Film wird sicherlich auch bei der Academy einen Stein im Brett haben. Der Film punktet nicht nur durch die klasse Musik von Justin Hurwitz, sondern auch durch klasse Schauspieler, witzige Dialoge und wirklich bewegende Momente zwischen Stone und Gosling. Außerdem ist Chazelle hier wieder ein perfektes Ende gelungen und das Quasi-Titel-Lied „City of Stars“ ist ein richtiges Brett! Unbedingt ansehen.

Autor: Torsten Stenske

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