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Justice League (2017) Review

Die Welt trauert immer noch um Superman, der am Ende von „Batman v Superman: Dawn of Justice“ (2015) sein eigenes Leben geopfert hat, um die Menschheit zu retten. Währenddessen jedoch bereiten sich Batman (Ben Affleck) und Wonder Woman (Gal Gadot) auf den bevorstehenden Angriff des Weltenzerstörers Steppenwolf (Ciarán Hinds) vor, wofür sie ein Team aus den sogenannten „Meta-Menschen“ zusammenstellen. Mit Ausnahme von Barry Allen/The Flash (Ezra Miller) haben die Auserwählten aber überhaupt keine Lust auf gemeinsame Heldentaten. Doch als Steppenwolf das erste Mal in Erscheinung tritt, sind alle Zweifel wie weggeblasen.

Die gute Nachricht direkt vorneweg: „Batman und Robin“ (1997) ist und bleibt der mit Abstand schlechteste Comicilm mit Batmans Beteiligung. „Justice League“ ist auch nicht der schlechteste Film aus dem DC Extended Universe (DC:EU), diesen unrühmlichen Titel trägt zweifelsohne weiterhin „Suicide Squad“ (2016). „Justice League“ ist ein unterhaltsamer Film, dem es aber überall am notwendigen Tiefgang fehlt. Trotz der großen Wirren, die es um den Film gab (soll die Handlung in zwei Filmen erzählt werden oder doch nur in einem?; Zack Snyders tragischer Abschied vom Projekt; Joss Whedon übernimmt das Zepter und veranlasst umfangreiche Nachdrehs; der Rohschnitt ist angeblich unbrauchbar; Henry Cavills Moustachegate) ist er dabei zunächst durchaus sehenswert. Der große Vorteil, den DC im Gegensatz zu Marvel hat, ist die langjährige exklusive Partnerschaft mit Warner Bros. Das Filmstudio besitzt die Filmrechte an allen wichtigen DC-Charakteren: Wenn also die Justice League vereint werden soll, kann das A-Team an den Start geschickt werden, während man bei Marvel die Rechte an vielen Charakteren nicht mehr hat. Der Vorteil kann sich aber auch schnell als Nachteil erweisen, wenn der Zuschauer mit einer gewissen Erwartungshaltung an den Film geht, weil er Batman, Superman und The Flash bereits aus Filmen und Serien kennt und die neuen Charaktere mit den vorherigen Interpretationen vergleicht. Wenn Marvel also aus Gründen der Teamdynamik aus dem gedankenverlorenen Alkoholiker Iron Man einen zynischen Sprücheklopfer macht, funktioniert das einfacher als bei Batman, mit dem der Kinogänger vermutlich nicht erst seit der Nolan’schen Trilogie ein festes Bild verknüpft.

Spätestens mit der Verpflichtung von Joss Whedon als Ersatz für Zack Snyder muss sich die Liga der Gerechten den Vergleich mit „The Avengers“ (2012) gefallen lassen. Und diesen Vergleich gewinnen die Rächer leider haushoch. Als der Ensemblefilm von Whedon 2012 erschien, waren alle darin mitspielenden Superhelden bereits durch eigene Solofilme etabliert und außerdem mit einer allumfassenden Story verknüpft. Bereits bevor der erste Solo-Film „Iron Man“ (2008) in die Kinos kam, war die Marschroute bereits klar, das gigantische Projekt findet erst 2018 mit „Avengers: Infinity War“ seinen fulminanten Abschluss. Das Projekt DC:EU hingegen war ein kreativer Schaffensprozess, das seine konkreten Formen erst mitten in der Produktion der einzelnen Filme annahm. So lernen wir auch jetzt, vier Jahre nach „Man of Steel“ (2013), immer noch wichtige Charaktere kennen, während uns die Justice League zeitgleich bereits präsentiert wird. Wir treffen also Aquaman und wissen nicht genau, warum er dem Projekt so misstrauisch gegenübersteht oder wieso The Flash blitzartig zusagt, ein Mitglied der Liga zu werden. Eine wirkliche Bindung zu den krampfhaft sympathisch geschriebenen Charakteren lässt sich nicht aufbauen, weswegen einem ihr Schicksal gleichgültig ist. Dieses Problem lässt sich auch auf die Handlung übertragen. Eine Entfaltung der Story oder gar Charakterentwicklung passiert demnach nur offscreen oder in den Köpfen der Zuschauer. Wirklich unlogisch wird der Film dadurch nicht, da er (eventuell, hoffentlich (?!)) mit Zeitsprüngen arbeitet, aber rastlos erzählt ist. Die Geschichte hätte gut und gerne über zwei oder auch drei Filme ausgedehnt werden können und wäre so um ein vielfaches leichtfüßiger und ansprechender gewesen.

Die Justice League ist endlich da, wird aber leider den Erwartungen nicht gerecht, die man an sie hat. Es bauen sich keinerlei Spannungsmomente auf, keine Höhepunkte sind erkennbar und die finale Schlacht mit Steppenwolf, einem miserablen Antagonisten mit Mutterkomplexen, ist nicht sonderlich spannend, sondern nur schwer zu verdauen. Einzelne Schicksale werden lieblos erzählt und hinterlassen kleinen bleibenden Eindruck. Superman stirbt, er wird (in einem fast identischen Prozess wie Doomsday) wieder zum Leben erweckt und es ist so, wie es immer gewesen ist. Viel Potential wurde bereits mit „Batman v Superman“ verschwendet, „Justice League“ führt diese Tradition eisern und rational fort. Das Paradoxon des Films ist tatsächlich, dass man von ihm nicht enttäuscht wird, aber dennoch das Kino enttäuscht verlässt.

Autor: Mamon Hassani

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