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James Bond 007: Im Geheimdienst ihrer Majestät (1969) Review

The James Bond Blu-ray Collection © 2015 Danjaq, LLC and Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. TM Danjaq, LLC. All Rights Reserved.

The James Bond Blu-ray Collection
© 2015 Danjaq, LLC and Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. TM Danjaq, LLC. All Rights Reserved.

Bond: George Lazenby
Girl: Teresa „Tracy“ di Vincenzo (Diana Rigg)
Villain: Ernst Stavro Blofeld (Telly Savalas)
Masterplan: Mit Hilfe einer Reihe überraschend attraktiver (und fortpflanzungs- geneigter) junger Damen die Welt mit Krankheitserregern bedrohen, um endlich den Adelstitel „Comte de Bleuchamp“ anerkannt zu bekommen. Jep. So ist es.
Auto: Aston Martin DBS
Locations: Vereinigtes Königreich, Schweiz und Portugal
Gadget: Zumeist das männliche Geschlechtsteil, wenn überhaupt: Ein Safeknacker.
Opening Credits: Szenen vorheriger Bond-Filme im Sanduhren-Look
Song: „On Her Majesty’s Secret Service“ – mal ganz instrumental
Legendärster Moment: Wenn Bond schon nicht auf Skiern zu besiegen ist, dann doch durch Mutter Natur: Eine riesige Lawine, ausgelöst durch Blofeld, setzt Bond (fürs Erste) außer Gefecht. Die Verfolgungsjagd zuvor ist auch ansehnlich und bemerkenswert gefilmt, wenn auch nicht geschnitten.

Zugegeben, wenn zwischen Generationen von James-Bond-Fans die Grundsatzdiskussion um den besten Bond-Film oder den besten Bond-Darsteller entflammt, muss auch ein Kind der 1990er-Jahre einsehen, dass die ersten Sean-Connery-Filme für eine eigene, universelle, naiv-romantische Bond-Welt stehen, deren Charme nicht so einfach als altmodische, altbackene und schlecht gealterte Agenten-Comedy abgetan werden kann. Zu Bond gehört eben nicht nur ein blutender Daniel Craig alias „The Killermachine“, sondern eben auch die Coolness, in einer Hand eine ohnmächtige Frau zu halten, während die andere einen schrulligen Widersacher vermöbelt. Schließlich, so werden wohl alle Fans übereinstimmen, ist das alles immer besser als „Stirb an einem anderen Tag“.

Aber Vorurteile kommen nicht von irgendwo und es mag etwas unfair erscheinen, dies beispielhaft am ersten und letzten Auftritt George Lazenbys als 007 in „Im Auftrag ihrer Majestät“ festzumachen. Doch führt kein Weg daran vorbei, so bieder wirkt einer der längsten Bond-Filme aller Zeiten: Dem australischen Fotomodell, der Legende nach bei einem Friseur entdeckt, fällt kein zweiter Gesichtsausdruck ein, seine physische Präsenz und Authentizität im Kampf gehen bei den vermeintlich leichten Aufgaben – laufen, stehen, gucken, sitzen, lieben, küssen – flöten und auch sein Umgang mit den willigen Frauen wirkt gehemmter als der mit den männlichen Kumpanen. Es ist also kein Wunder, dass Broccoli und Saltzmann mit einem riesigen Scheck Sean Connery nach dem mäßigen Abschneiden an den Kinokassen zurück köderte. Lazenbys Opener „Das wäre dem anderen nicht passiert“ erhält so eine zynische Dimension.

Doch Lazenby alleine macht diesen Bond nicht so ungehemmt albern und erschreckend langweilig, auch wenn er symptomatisch für die schlechte Gärung steht: Sexismus ist sowieso und überhaupt in den späten Bonds der 1960er-Jahre allgegenwärtig, doch wie sehr die Rolle der Frau als Dienstleistung in diesem Film betrachtet wird, wie die Konstitution der Ehe hier thematisiert wird, ist kaum mehr als Zeitgeist zu verteidigen. Bond, der sich nicht daran stört, dass er nach der Rettung einer wildfremden Frau erst einmal zwei weitere, wildfremde Männer verhauen muss, soll – und das bestimmt die erste Stunde dieses elend langen Films – die Tochter eines Verbrechers heiraten, damit diese wieder auf den Weg der Tugend findet und sich nicht an so weiblichen Dingen wie Selbstmord versucht. Das ausgerechnet diese am Ende für Bond ihr Leben lassen muss und Bond damit nur die Lizenz zum verwitweten Vögeln erteilt, unterstreicht den frauenfeindlichen Charakter dieses Films, der sich insgesamt schwer tut, eine interessante Geschichte zu erzählen, der überhaupt nicht davon profitiert, dass ein Sean Connery durch einen Laien ersetzt wurde und der im Ergebnis so vermottet ist, dass er als bessere Parodie taugt. Nur „Stirb an einem anderen Tag“ ist schlechter. Prost Mahlzeit also.

Autor: Lucas Curstädt

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