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Iron Man 3 (2013) Review

Es ist soweit! Mit „Iron Man 3“ wird nach „Marvel’s The Avengers“ (2012) das zweite Kapitel des „Marvel Cinematic Universe“ eingeläutet, welches mit schauspielerischen Gastauftritten und dramaturgischen Querverweisen vermutlich auch weiterhin nicht geizen wird, um schließlich 2015 in den zweiten Teil der „Avengers“-Reihe zu münden und damit ein versiert gestaltetes Franchise weiter auszubauen. „Iron Man 3“ legt die qualitative Messlatte für die demnächst folgenden Filme „Thor: The Dark Kingdom“ (deutscher Kinostart: 31.10.2013) sowie „Captain America: The Winter Soldier“ (deutscher Kinostart: 1.4.2014) extrem hoch und beweist einmal mehr die auch im Ensemblefilm herausgestellte Zugkraft des Eisenmanns.

Tony Stark (Robert Downey Jr.) wird seit den Ereignissen in New York (vgl. das Ende von „The Avengers“) von Rast-, Ruhe- und Schlaflosigkeit geplagt, was nicht nur ihm, sondern auch seiner Freundin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) zu schaffen macht. Die Belastung für das Paar steigert sich zusätzlich: Nicht nur, dass der ebenfalls als Erfinder tätige Aldrich Killian (Guy Pearce) ein Auge auf Pepper geworfen zu haben scheint, zusätzlich taucht in Gestalt des Mandarin (Ben Kingsley) ein terroristisch agierender Gegner auf, welchen Tony im Zuge der Ereignisse verbal provoziert. Nachdem der Mandarin daraufhin sein Haus in Schutt und Asche legt, sieht Tony sich gezwungen, unterzutauchen und beginnt im Verborgenen, Nachforschungen anzustellen. Doch sein Gegner schläft nicht und jagt ihn mit einer bislang ungekannten Gnadenlosigkeit, gegen die er auch in Gestalt seines Alter Ego machtlos ist…

Der dritte Aufguss der „Iron Man“-Reihe erschöpft sich dankenswerterweise nicht in einer inhaltlichen Wiederholung der ersten zwei Teile, sondern schafft es tatsächlich, dem Franchise neue Ansätze abzugewinnen. „Iron Man 3“ besitzt eine gewisse dramaturgische Finesse, die den Film zwar nun nicht gerade als Mindgame-Movie klassifiziert, an welche sich jedoch bislang kein Marvel-Film herantraute. Zum einen wird von der üblichen Schwerpunktverteilung innerhalb des klassischen Superhelden-Dreiakters (1. Alles ist gut, 2. Nichts ist mehr gut, 3. Held sorgt dafür, dass alles wieder gut wird) zugunsten eines elaborierteren zweiten Aktes Abstand genommen. Zum anderen ist es regelrecht erfrischend, dass Iron Man im Finale nicht nur gegen eine überdimensionierte Version seiner selbst kämpfen muss, worunter im ersten Teil Jeff Bridges und im zweiten Teil Mickey Rourke zu leiden hatten.

Auch hier zeigt sich, dass Marvel aus dem Erfolg von „The Avengers“ gelernt hat und es schafft, sich an den entsprechenden Stellen auf die eigentliche Essenz von Superheldenfilmen zu fokussieren. Auch wenn am Ende nicht die gesamte New Yorker Innenstadt, sondern lediglich der Hafen von Miami zerkleinert wird, lässt Regisseur Shane Black dennoch ein krachendes und trotz vermutlich vieler CGI-Effekte brillant aussehendes Actiongewitter auf den Zuschauer los, welches mehrere durchaus als episch zu bezeichnende Szenen und Einstellungen sein eigen nennen darf. Auch wenn einige der Aktionen in Verbindung mit dem Grundszenario von vorne bis hinten „over the top“ inszeniert werden, passt dies jedoch gut zum selbstironischen Grundton des Films, welcher den Humor als das nicht zu vernachlässigende Markenzeichen der „Iron Man“-Filme innerhalb des „Marvel Cinematic Universe“ erneut betont und auch den dritten Teil in vielen Situationen zu einem launigen Gag-Feuerwerk macht.

Dass „Iron Man 3“ nicht zum reinen Ästhetik-Fetischismus verkommt, liegt jedoch nicht zuletzt auch am schlagkräftigen Drehbuch, welches sich wieder auf die Persönlichkeit des Tony Stark konzentriert, nachdem dieser Kniff in „The Avengers“ zugunsten des Ensemble-Gedankens in den Hintergrund getreten war. Die inneren Konflikte des Protagonisten kommen diesmal sehr markant zum Vorschein; es wird deutlich, dass Tony sich insbesondere nach den Erlebnissen in New York immer mehr hinter der Figur des Iron Man versteckt. Darunter leidet sein eigenes Selbst sowie das damit verbundene Bewusstsein, was in mehreren Stellen des Films auf durchaus einfallsreiche Weise aufgezeigt wird. Tony schafft es nicht, sich dem Erlebten zu stellen, er hat ohne seinen Schutzpanzer Angst und verschanzt sich daher in seiner Rüstung. Erst als ihm im Angesicht äußerster Gefahr klar ist, auf was es im Leben ankommt, kann er die Kraft aufbringen, zu tun, was zu tun ist – und zwar als er selbst. Dies ist zwar filmhistorisch wahrlich nichts Neues, wird hier aber äußerst charmant umgesetzt. Trotz des Filmtitels macht der Film damit verbunden insbesondere gegen Ende auf originelle Art und Weise deutlich, dass es nicht der Anzug ist, der die Fähigkeiten ausmacht, sondern die Person, die ihn lenkt. Durch dieses Sammelsurium an Hintergedanken gestaltet sich der Film etwas nachdenklicher als seine Vorgänger und bietet somit eine effektvolle Balance zwischen Inhalt und Look. Auch die politischen Untertöne sind dieses Mal deutlich weniger einschlägig und zementieren die „Iron Man“-Filme bezüglich des Subtexts als die progressivsten des Marvel-Universums.

Die Darsteller sind durch die Bank auf den Punkt besetzt. Robert Downey Jr. als Tony Stark spielt brillant wie immer und kann auch trotz oder gerade wegen seiner etwas ernsthafteren Szenen den Film mühelos stemmen. Gwyneth Paltrow nimmt nach ihrer Fünf-Minuten-Rolle in „The Avengers“ dieses Mal eine deutlich zentralere Stellung im Geschehen ein und bekommt somit endlich den Anteil am Franchise, der ihr gebührt, was ihrer Figur enorm gut tut. Guy Pearce hätte man mehr Screen-Time gewünscht, er stellt den charismatischen Schleimbeutel mit einer herrlichen Hingabe dar, Ben Kingsley hat insbesondere einen großen Auftritt, der stellvertretend für seine komplette Performance stehen darf. Don Cheadle als Colonel James Rhodes spielt bekannt routiniert, ebenso Rebecca Hall als Tonys ehemalige Bettgespielin Maya Hansen. Die positivste Überraschung des Films ist jedoch vermutlich Ty Simpkins als Teenager Harley, welcher Tony versehentlich über den Weg läuft und eine für das Geschehen nicht unerhebliche Rolle spielt. Von Marvel als Identifikationsfigur für die jüngeren Teile des Publikums angedacht, entpuppt sich der jugendliche Sidekick glücklicherweise nicht als nervende Belastung für Charaktere und Zuschauer, sondern als ein angenehmer Begleiter, welcher sich sogar schlagfertige Rededuelle mit Robert Downey Jr. liefern darf.

Regisseur Shane Black zeigt nach „Kiss Kiss, Bang Bang“ (2005) ein zweites Mal, dass er gut mit dem (mittlerweile ehemaligen) Enfant Terrible Robert Downey Jr. zusammenarbeiten kann und liefert mit „Iron Man 3“ ein großartiges Stück Actionkino ab, welches für dieses Jahr vermutlich schon jetzt als eines der Highlights gelten darf. Dramaturgie, Stilistik, Humor – hier greift alles zusammen, schon allein hinsichtlich des letzten Punkts ist es lohnenswert, auf den Einstiegssong des Films zu achten. Es bleibt zu hoffen, dass sich Marvel mit Robert Downey Jr. über etwaige zukünftige Filme vertraglich einig wird, denn dieser Mann hat mit Tony Stark ohne Zweifel die Rolle seines Lebens gefunden.

…ach, und es lohnt sich natürlich, wie bei jedem Marvel-Film, am Ende sitzen zu bleiben und eine Post-Credit-Szene geboten zu bekommen. Diese ist zwar inhaltlich nicht ausschlaggebend, fungiert jedoch als eine gut funktionierende und augenzwinkernde Pointe!

Autor: Jakob Larisch

2 Responses to “Iron Man 3 (2013) Review”

  1. 1
    Clarissa Says:

    Ganz super!!! :-)

  2. 2
    Sonja Says:

    Super Review – kann dir in jedem Punkt zustimmen! =)

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