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Honig im Kopf (2014) Review

In der deutschen Kinolandschaft polarisiert sicherlich kaum jemand wie Til Schweiger. An der Kinokasse mit Filmen wie „Keinohrhasen“, „Kokowääh“ und „Schutzengel“ vermutlich der momentan erfolgreichste deutsche Produzent, Regisseur und Schauspieler, ist er gleichzeitig bei Kritikern sehr umstritten, die seine Filme doch meistens zerreißen. Vom Publikum geliebt und von Kritikern gehasst zu werden, ist sicherlich kein Phänomen, dem sich nur Til Schweiger stellen muss, denn auch viele seiner amerikanischen Kollegen kennen diese Situation nur zu gut. Auch meine Wenigkeit hat mit Til Schweiger so seine Problemchen. Dabei ist er sicherlich ein akzeptabler Schauspieler, der seinen Erfolg in Hollywood nicht zu Unrecht hatte. Problematisch ist da eher seine Selbstdarstellung und der eigenen Anspruch, der doch eine Diskrepanz zu seinen Fähigkeiten und seinen filmischen Machwerken aufzeigt. Es zeugt eben nicht gerade von Kritikfähigkeit, nur noch Pressevorführungen für Journalisten abzuhalten, die von Hand ausgelesen werden und dementsprechend wohl nicht übermäßig kritisch schreiben werden. Alle anderen Journalisten bringt man dann wiederum gegen sich auf, ganz normale Prozesse in dem Fall. Doch die Frage ist, warum Til Schweiger denn so bedacht auf positive Kritiken ist? Hält er seine Filme tatsächlich für Meisterwerke? Glaubt er, dass schlechte Kritiken sich an der Kinokasse negativ auswirken? Fakt ist, dass auch bei schlechten Kritiken die Leute ins Kino rennen und dass Til Schweigers Filme sicherlich keine Meisterwerke sind, aber wohl auch nicht die Übergurken, zu denen sie teilweise (auch von mir) gemacht werden. Ich für meinen Teil kann sagen, dass es eine Mischung zwischen Antipathie, Enttäuschung und Verachtung des Genres ist, die zu meiner schlechten Meinung seiner Filme führt. Wenn ich eine 08/15-Romantic-Comedy nach Schema-F oder Schema-Til drehe, dann sag ich das auch und stilisiere das nicht zur Rettung des deutschen Films hoch. Ich muss auch nicht zwingend meine Kinder überall mitspielen lassen und wenn, dann kann ich das auch sagen und muss nicht so tun, als wären sie beim Casting einfach die besten gewesen. Wo hat Emma Schweiger bisher überall mitgespielt, weil sie so talentiert ist? Richtig: „Keinohrhasen“, „Männerherzen“, „Zweiohrküken“, „Kokowääh“, „Kokowääh 2“ und eben jetzt „Honig im Kopf“. Und das ist ja auch eine gute Überleitung zu meinem Versuch, „Honig im Kopf“ eine Rezension zu geben, die so objektiv wie möglich ist und meine Vorurteile außen vor lässt.

Mit „Honig im Kopf“ widmet sich Til Schweiger einer Thematik, die eine durchaus tiefgründige Abhandlung mit Herz verdient hat und als Grundlage für eine Tragikkomödie einiges hergibt. Dementsprechend groß waren auch meine Befürchtungen, dass das in die Hose geht und peinlich werden könnte. Diese Befürchtungen haben sich nicht gänzlich, aber teilweise bewahrheitet. Genretypisch ist auch bei „Honig im Kopf“ das größte Problem, den Spagat zwischen Komödie und Tragödie gut hinzubekommen. Dabei punktet der Film vor allem in den tragischen Momenten, die selbst mich mitunter sehr erweichen konnten. Schweiger inszeniert die bewegenden Stellen sehr gut und findet gerade hier die passende musikalische Untermalung, wenn er mal nicht in einem Slow-Motion-Shot einem aktuellen Charthit von Indie-Band XY ein Musikvideo hinzaubert. Diese nahezu belanglosen Sequenzen sind hier natürlich auch zu finden, stören jetzt aber auch nicht unbedingt, Venedig kann ja auch sehr schön sein.

Was Schweiger auch sehr gut gelungen ist, ist die Beziehung zwischen Tilda (Emma Schweiger) und ihrem Großvater Amandus (Dieter Hallervorden) einzufangen. Den liebenden Opa und die besorgte Enkelin kauft man den beiden sehr gut ab und Schweiger scheint auch ein gewichtiges Augenmerk darauf gelegt zu haben, nimmt er selbst wahrlich nur eine Nebenrolle ein und spielt sich nicht in den Vordergrund. Schauspielerisch ist „Honig im Kopf“ absolut solide, auch von der Regie her kann man Schweiger jetzt nicht große Vorwürfe machen, der kritischste Faktor sind abermals das Drehbuch und die Dialoge. Wie bereits gesagt, sind gerade die ergreifenden, ernsthaften Szenen die große Stärke von „Honig im Kopf“, im gleichen Maße versagt der Film aber bei den komödiantischen Elementen. Die Witze sind teilweise plump, teilweise sehr fäkalienhaltig, teilweise schlechte Slapstick und teilweise irgendwelche Witze, die man sich damals in der Grundschule erzählt hat. Ein wenig mehr Kreativität wäre zu wünschen gewesen. Es mag vielleicht auch an Hallervorden liegen, dessen Humor viel besser in eine klassische Komödie oder seine berühmten Sketche passen und nicht für den Drahtseilakt einer Tragikomödie geeignet sind. Einige Szenen sind einfach zu sehr over-the-top und nicht glaubwürdig.

Generell wirkt „Honig im Kopf“ wie ein vorläufiges Skript, das dann ohne Korrektur so übernommen wurde, frei nach dem Motto „und dann muss das und das passieren, eine plausible Erklärung dafür überlegen wir uns später“. Die plausible Erklärung bleibt dann aus und so hangeln wir uns dann an deus-ex-machina-Momenten über die Filmhandlung, was schade ist, da man diese Stellen mit ein wenig Zeit locker hätte ausmerzen können und ein rundes Drehbuch möglich gewesen wäre. Ansonsten stellt man sich bei einigen Szenen einfach nur die Frage: warum? Warum unterhalten sich Papa Niko und Tochter Tilda darüber, dass Opa Amandus vielleicht ins Heim muss, während sie auf der Toilette sitzt? Warum heißt der von Jan Josef Liefers gespielte Charakter Serge? Cameos sind nett, aber fahren Opa und Enkelin wirklich nur deswegen am Hotel Atlantic vorbei, damit man Udo Lindenberg zeigen kann, der nichts macht, außer im Bild zu sein? Warum sprechen die Charaktere teilweise englische Phrasen wie „Oh shit“, „Oh my god“, „Born and raised“ oder „Are you kidding me?“. Einige Szenen hätten man auch ganz streichen können, denn „Honig im Kopf“ ist mit seinen 139 Minuten und der überkonstruierten Story tatsächlich zu lang geraten.

Als Fazit bleibt übrig, dass ich sicherlich geringere Erwartungen hatte, als das Endergebnis war. Gerade von den ernsthaften Szenen war ich positiv überrascht, auch Emma Schweiger hat ihre Hauptrolle durchaus gut ausgefüllt und auch die Performance von Hallervorden war sehr gut, wenn auch nicht so stark wie in „Sein letztes Rennen“. Dennoch ist „Honig im Kopf“ als Film insgesamt nicht rund geworden und dann doch letztendlich ein Reinfall, da der Humor aufgesetzt und peinlich wirkt. Das schmälert dann natürlich wiederum die ernsthaften Stellen, wenn der Humor nicht die erwartete Auflockerung bieten kann. Um mich herum hatten die Leute allerdings auch bei diesen Szenen eine Menge Spaß, weswegen ich eine Empfehlung für Til-Schweiger-Fans aussprechen kann, selbst aber hoffe, dass mich im Kino niemand gesehen hat, der mich kennt. 4/10

Autor: Torsten Stenske

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