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Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück (2014) Review

© EuroVideo Medien GmbH

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Hector (Simon Pegg) führt mit seiner Freundin Clara (Rosamund Pike) eine allzu perfekte Beziehung. Doch der erfolgreiche Psychiater stellt sein komplett durchgeplantes Leben irgendwann in Frage: Ist das eigentlich Glück? Oder funktioniert Hector nur noch, ohne tatsächlich zu leben? Kurzum fasst er dann den Entschluss, ganz allein eine Reise anzutreten, die ihn von Asien über Afrika bis nach Amerika führen soll. Erklärtes Ziel dieser Reise: Herausfinden, was Glück bedeutet, um seinen Patienten wieder eine tatsächliche Stütze zu werden.

„Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück“ basiert auf François Lelords gleichnamigen Bestseller und als Zuschauer kann man nur hoffen, dass die Vorlage gehaltvoller ist als Peter Chelsoms Adaption. Denn „Hectors Reise“ erweist sich als Ansammlung von Floskeln, Platitüden, Phrasen. Sowohl die immer wieder eingestreuten neuen Erkenntnisse von Hector als auch die unterschiedlichen Plot-Elemente sind so arm an Innovation und Emotion, dass man als Zuschauer den Figuren eigentlich keine nennenswerte Empathie entgegenbringt. Natürlich wird das Glück auf dem Dach der Welt gesucht, in einem Dorf in Afrika und bei einer Verflossenen. Und natürlich sind auch die Personen, denen Hector begegnet, arm an Profil und Überraschungen: Eine Frau entpuppt sich als Prostituierte, ein Kolumbianer als Drogenbaron. Jede Station der Handlung und jeder Protagonist erfüllt sämtliche Klischees. Zugekleistert wird dies dann mit den dämlichen, pseudo-philosophischen Kalenderblattweisheiten, die Hector auf seiner Reise sammelt. Was der Trailer also bereits befürchten ließ, ist nun im Endeffekt auch genau so eingetreten: „Hectors Reise“ traut sich nichts, tut niemandem weh und ist daher auch komplett langweilig, seelenlos und oberflächlich. Einzig und allein die netten visuellen Spielereien wie z.B. die eingestreuten Illustrationen seitens Hectors oder die mittels Modellen visualisierte holprige Reise in einem Flugzeug verleihen dem Film so etwas wie Charme und Charakter. Auch den Darstellern muss man Zugeständnisse machen: So eindimensional ihre Rollen auch sind, man merkt ihnen ein gewisses Maß an Freude bei ihrem Spiel an, was der Sympathie der Figuren doch noch zugutekommt. Und ja, gelacht habe ich ebenfalls relativ häufig, noch öfter jedoch habe ich mich über die banale Story und die noch profaneren „Weisheiten“ geärgert, die mir dieses „Feelgood“-Movie unter die Nase zu reiben versucht.

Ein wahres Glück wäre es daher gewesen, wenn uns dieser Film erspart geblieben wäre, so müssen wir allerdings Chelsoms Klischee-Manifest mit Würde ertragen und uns im besten Fall an einigen spaßigen Momenten erfreuen, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass „Hectors Reise“ bereits an seiner Prämisse scheitert: Der Film will wahrhaftig und echt sein, ist dies aber zu keiner Zeit. Tim und Struppi würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie sehen könnten, dass uns ein erwachsener Mann um die 40, der zudem studierter Psychiater ist, hier als emotional komplett unreifer Mann präsentiert wird, der am Ende dank einer Epiphanie dann doch noch zu Reife und Weisheit gelangt und – weil’s eben gerade passt – seine Freundin gleich mit.

Fazit: Wer Veronica Ferres als Esoterikerin sowie Christopher Plummer als Glücksforscher im rosa Hoodie nicht verpassen möchte, dem sei der Film wärmstens empfohlen. Alle anderen, die sich weder für Gehirnströme im Polarlicht-Rausch, noch für Sprüche à la „Glück ist, wenn man dafür geliebt wird, wie man eben ist“ begeistern können (Thanks, Captain Obvious!), die lassen besser die Finger davon. Ein Konzept, das als leise Indie-Produktion vielleicht funktioniert hätte, aber nun in der gewählten Form komplett in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Schließen möchte ich daher nun mit den weisen Worten einer jungen Hexe aus dem Hause Gryffindor: „Ich geh mal kurz brechen.“ 3/10

Autor: Markus Schu

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