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Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017) Review

© Disney / Marvel Studios 2017

© Disney / Marvel Studios 2017

Als vor einigen Jahren im Veröffentlichungs-Kalender der Marvel Studios der seltsam anmutende Titel „Guardians of the Galaxy“ auftauchte, verfiel vermutlich nur ein kleiner Prozentsatz des Publikums in große Begeisterung. Zuvor hatte Marvel im hauseigenen Studio nur mit dem Ensemble um die Avengers gearbeitet: Das waren Figuren, die – wenn sie auch nicht die globale Strahlkraft eines Batman oder Superman besaßen – zumindest popkulturell über ihre Comicgeschichten hinaus bekannt waren, mit denen auch Unbedarfte grundsätzlich etwas anfangen konnten. Ganz im Gegensatz dazu standen nun die Guardians, eine obskure Truppe, ein Mix aus Außerirdischen und Menschen, deren Comicvorlage in der Weltraumhysterie der ausgehenden 1960er-Jahre schwelgte. Umso überraschender kam der ausnehmende Erfolg, welcher „Guardians of the Galaxy“ vor drei Jahren beschert war – der (im Vergleich zum Rest des MCU) recht anarchische Ton und die allgemeine weirdness rissen das eingesessene Publikum aus der Routine und bis heute bleibt „Guardians of the Galaxy“ das eigenständigste Element im gesamten Marvel-Kosmos. So etwas zu wiederholen, ist schwierig.

Tatsächlich glückt die Wiederholung auch nicht, problematisch ist das aber nicht, solange keine Revolution erwartet wird. Präsentierte der erste Teil notgedrungen eine Origin-Story, um sein Ensemble einzuführen und aufeinandertreffen zu lassen, sieht sich „Vol. 2″ gezwungen, die bestehende Figurenkonstellation zu vertiefen. Da der menschliche Star-Lord (Chris Pratt) deutlicher Fixpunkt der Gruppe ist, wird seine Vorgeschichte durch das plötzliche Auftreten seines Vaters als hauptsächliches Story-Vehikel verwendet. Währenddessen teilen verschiedene Ereignisse die Figuren immer wieder untereinander auf, wodurch die Beziehungen einzelner Mitglieder zueinander weiter ausgearbeitet werden sollen. So offenbart sich die Geschichte recht offensichtlich als Mittel zum Weiterschreiben der Charakterprofile. Das funktioniert manchmal gut, manchmal wirken die struggles der Figuren und die Momente, in denen sich diese aufzeigen, jedoch auch forciert. Das Hin- und Herschalten zwischen Wahnwitz und ernsten Anklängen gelingt nicht immer – wenn sie jedoch greifen, dann vermögen die tragischen Momente auch zu berühren, gerade der Schluss des Filmes ist in dieser Hinsicht sehr gelungen.

© Disney / Marvel Studios 2017

© Disney / Marvel Studios 2017

Ebenfalls hervorragend ist das Production Design, der gesamte Look & Feel des Filmes von Planetengestaltung, Set-Architektur bis zu Charaktermodellen. Hier verzweigt sich der Film ziemlich frei im popkulturellen Vermächtnis, das sich seit den 1970er-Jahren angesammelt hat. Manche Bauten und Figuren erinnern an die französischen, von Mœbius illustrierten Science-Fiction-Comics, eine Schiffsbesatzung wiederum wirkt wie ein Clan aus den „Mad Max“-Filmen. Dazu gesellen sich Videospiel-Referenzen, 80er-Kitsch und selbstverständlich erneut ein mit dieser Ästhetik konform gehender Soundtrack in Form des zweiten Mixtapes von Star-Lord. Dass die „Star Wars“-Vergleiche häufig aufkommen, ist sinnig, allerdings arbeitet „Guardians of the Galaxy Vol. 2″ anders mit diesem Erbe: Statt eine Hommage an den Krieg der Sterne ist er vielmehr eine Hommage an die unzähligen, billigen „Star Wars“-Rip-Offs, die nach dessen Riesenerfolg (und im Fahrwasser der Videowelle) den Markt in den 1980ern überschwemmten. Wegen dieses unbekümmert nerdigen Styles und der witzigen Schreibe von James Gunn ist es wenig verwunderlich, dass die Guardians auch dieses Mal alle Sympathien auf ihrer Seite wissen. Die weirdness kommt dabei nicht so überraschend wie 2014, ist jedoch in manchen Momenten (frei nach Spinal Tap) derart auf 11 gedreht, dass sie hier erfrischend und dort erschöpfend wahrgenommen werden dürfte.

Wollte man „Guardians of the Galaxy Vol. 2″ Böses, so könnte man der Annahme verfallen, hier würde lediglich ein Aufguss des ersten Teiles geboten. Allerdings ist die Mischung, obwohl in der narrativ häufig so gleichförmigen Marvel-Kontinuität verhaftet, nach wie vor vergleichsweise singulär. Ein Blick auf das vorige Kinojahr („Suicide Squad“) erinnert ebenfalls daran, wie gnadenlos schief das Konzept – schlecht ausgeführt – funktionieren kann. So wird sich „Guardians“ das „more of the same“-Argument wohl gefallen lassen müssen. Gleichwohl beherrscht James Gunn dieses „more of the same“ derart gut, dass sein „Vol. 2″ dennoch zu einem Highlight der noch jungen Blockbuster-Saison gehört.

Autor: Roman Widera

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