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WSM-Disney-Themenwochen: „Tron“, „Tron: Legacy“ und die (Digital) Frontier

© Disney

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Der Bombast-Elektro-Soundtrack von Daft Punk donnert auf mich ein. The Grid. Ich hoffe auf Inspiration für diese Zeilen. A digital frontier. Der Themenpodcast ist fertig und steht bereits in den Startlöchern. I tried to picture clusters of information as they moved through the computer. Nur dieser Begleittext steht noch an. What did they look like? Ich werde versuchen, euch die gröbsten Infos mit auf den Weg zu geben. Ships? Ich will euch das Phänomen Tron erklären und der Faszination, die von dieser Welt ausgeht, Ausdruck verleihen. Motorcycles? Tiefer und tiefer versinke ich selbst im Raster. Were the circuits like freeways? Steven Lisbergers Originalfilm ist Kult, Pionierarbeit, wegweisend. I kept dreaming of a world I thought I’d never see. Und was ist mit Joseph Kosinskis Sequel Tron: Legacy? And then one day… Lukas und ich haben am Himmel angeklopft, um all das heraus zu finden. We got in.

Spricht man über „Disney“, dann fallen einem natürlich zuallererst die Animationsfilme der Disney-Studios aus der Reihe „Meisterwerke“ ein. Mit dem diesjährigen Oscar-Gewinner „Baymax – Riesiges Robowabohu“ umfasst diese Reihe mittlerweile 54 Filme. Dann denkt man wahrscheinlich an die ganzen Filme der „PIXAR“-Studios, die nunmehr zur „The Walt Disney Company“ gehören. Und schlussendlich bleibt man bei Disneys Realfilmen hängen. Was gab’s da noch mal? Ah ja, die „Fluch der Karibik“-Reihe mit Johnny Depp und Nicolas Cages „Vermächtnis…“-Filme. Zusätzlich noch einen Haufen Flops („John Carter – Zwischen zwei Welten“, „The Lone Ranger“, „A World Beyond“). Und was ist mit „Tron“? Stimmt, da war was. Der basiert doch auf einem Videospiel, oder? Nope. Think again. Es grenzt geradezu an ein Wunder, dass Steven Lisberger „Tron“ überhaupt realisieren durfte und dann auch noch unter der Schirmherrschaft der Disney Company. Wie kam’s denn dazu? Nun ja, dem Mäuse-Konzern ging’s Anfang der 80er-Jahre nicht sonderlich gut, an Realfilmen dominierten relativ inspirationslose Sequels zur „Herbie“-Reihe. Und dann kam dieser Lisberger mit seiner waghalsigen Idee, eine Geschichte zu erzählen, die im Cyberspace spielte. Mit 3D-Computeranimation. Dieser Mann wollte was? Richtig gelesen. Lisberger, der zuvor mit seinem kleinen Animationsstudio von sich Hören machte, hatte eine Vision und Disney schenkte ihm Gehör. Überzeugungsarbeit musste geleistet werden, das versteht sich von selbst. Aber der aufkeimende Arcade-Automaten-Boom in Spielhallen ließ Disney zumindest an das Projekt glauben. Das Studio ließ sich auf den Deal ein, stellte dem Visionär ein stattliches Budget von 17 Millionen US-Dollar zur Verfügung und landete einen Volltreffer – in künstlerischer Hinsicht. Denn am Boxoffice avancierte der Virtual-Reality-Film lediglich zum Achtungserfolg (er spielte in Nordamerika nur 33 Millionen US-Dollar ein). 1982 sollte eben das Jahr von Steven Spielbergs „E.T. – der Außerirdische“ werden, der im Juni einen Monat vor „Tron“ in den deutschen Kinos anlief und weltweit an den Kinokassen einen sagenhaften Triumphzug hinlegte. „E.T.“ konnte sich sogar zum bis dato erfolgreichsten Film aller Zeiten krönen, bevor er elf Jahre später von „Jurassic Park“ (wieder unter der Ägide von Maestro Spielberg) abgelöst wurde. „Tron“ teilte somit dasselbe Schicksal wie John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ und Ridley Scotts „Blade Runner“, die ebenfalls 1982 erschienen und an den Kinokassen ähnlich wie Lisbergers Film nicht wirklich überzeugen konnten – die Welt war vielleicht noch nicht bereit für diese Werke. Mittlerweile ist sie es aber glücklicherweise und die heutige Reputation der angesprochenen Filme spricht für sich.

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Zurück zu „Tron“: Dessen Produktions-Geschichte (oder man möchte fast sagen: dessen Produktions-Odyssee) ist fast noch spannender als der eigentliche Film. Innovative Techniken wie das Backlighting-Verfahren, 3D-Animation und, und, und kamen bei diesem Kultfilm zum Einsatz und verliehen ihm seinen außergewöhnlichen Look, den es so nie wieder in dieser Art und Weise geben sollte. Das Unterfangen war waghalsig, der Aufwand enorm – Produktionsauslagerung nach Taiwan inbegriffen. Und die Kombination von Realfilm-Sequenzen mit „Zeichentrick“. Zeichentrick? Ja, auch das – in gewisser Weise. „Tron“ ist ein geradezu absurdes Konglomerat aus der gesamten Technik, die Lisberger und seinem Team 1980/81 zur Verfügung stand, brillant zusammengemixt, um den unverwechselbaren „Tron“-Look zu erschaffen. Doch zu dieser Zeit wusste das Publikum eben (noch) nichts anzufangen mit einem geradezu märchenhaft-magischen Sci-Fi-Film, der eine virtuelle Welt kreierte, Fragestellungen des digitalen Zeitalters prophetisch vorwegnahm und audiovisuell etwas noch nie Dargebotenes präsentierte. Eine klassische Heldengeschichte, die vielleicht narrativ nicht immer zu 100% überzeugt, aber aufgrund ihrer Themen und fast schon philosophischen Fragestellungen ein Pionierwerk ist, dessen filmhistorische Relevanz erst Jahre später in ihrer Gänze erschlossen werden konnte. Außerdem gilt „Tron“ als Hauptinspirationsquelle für John „PIXAR“ Lasseter. Nachdem er gesehen hatte, was technisch alles möglich ist, reifte in ihm die Idee, den ersten abendfüllenden und komplett am Computer generierten Animationsfilm zu kreieren. „Toy Story“ folgte ca. 13 Jahre später, der Siegeszug der Computeranimation und insbesondere der von PIXAR hat bereits jetzt Filmgeschichte geschrieben (dazu mehr im „PIXAR-Themenpodcast“ von Nico und mir).

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2010/2011 erblickte dann das Sequel „Tron: Legacy“ von Joseph Kosinski das Licht der Welt. Ein Designrausch, der viele Themen weiterdachte, viele neue Fragen aufstellte und sich vielleicht selbst etwas in seiner eigenen durchaus ambitionierten Narration verfing. Doch es lohnt sich, Kosinskis audiovisuelles Feuerwerk näher zu analysieren, herauszufiltern, wo der Film dramaturgisch scheitert, wo er erzählerisch innovative Ansätze vorzuweisen hat und nachzuforschen, ob die Symbiose von CGI, realen Sets, Epik-Elektro-Score, futuristischem Kostümdesign und weiteren filmischen (Produktions-)Mitteln des 21. Jahrhunderts einen nennenswerten Beitrag zum Science-Fiction-Genre geliefert hat. Spoiler: Ja, das hat „Tron: Legacy“ auf jeden Fall. Doch Lukas und ich möchten in unserem Podcast ins Detail gehen, die Filme miteinander vergleichen und schauen, wo der Weg bisher schon hinführte („Tron: Der Aufstand“, die Animationsserie) und in Zukunft noch hinführen könnte („Tron: Ascension“, das kürzlich abgesagte Sequel). Neugierig? Na hoffentlich! Der Podcast folgt in Kürze. Stay tuned! In diesem Sinne (vorerst): End of Line

Autor: Markus Schu

Trailer zu „Tron – Das Original“

Trailer zu „Tron: Legacy“

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