Hinterlasse einen Kommentar

Gangster Squad (2013) Review

Wie hat es der ehemalige Werbefilmer Ruben Fleischer, den die meisten sowieso nur als Regisseur von „Zombieland“ kennen, eigentlich geschafft, für seinen neuen Film „Gangster Squad“ einen solchen All-Star-Cast zusammenzutrommeln? Sean Penn, Ryan Gosling, Josh Brolin, Nick Nolte, Emma Stone, Giovanni Ribisi, Anthony Mackie, Michael Peña und Robert Patrick (ja, der T-1000 aus „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“!) – klangvolle Namen sind das und die durch die Bank gute Besetzung trägt auch maßgeblich zum hohen Unterhaltungswert des Films bei.

John O’Mara (Josh Brolin) ist ein Vorzeige-Cop, wie er im Buche steht: ehrlich, unbestechlich, bedingungslos loyal und entschlossen, in jedem Moment das Richtige zu tun. Sein von Sean Penn gespielter Gegenspieler Mickey Cohen (ach, wie hab ich mich bei Penns Performance amüsiert: „Bang, bang!“, ganz große Klasse!) ist dann halt eben das genaue Gegenteil: die Blaupause für einen machthungrigen und skrupellosen Gangster, denn die Fronten müssen schließlich klar geklärt werden. Auf Geheiß des Polizei-Chefs (Nick Nolte) stellt O’Mara dann einen unbestechlichen Spezialtrupp zusammen, der dafür sorgen soll, dass Cohens schmierige Geschäfte ein für alle Mal unterbunden werden und er so aus der Stadt gejagt wird. Natürlich alles unter der Hand und nicht offiziell, versteht sich. Das ganze spielt (wie es sich für einen amerikanischen Gangsterfilm, dessen Handlung weder in Boston oder Chicago, noch in Las Vegas oder New York City angesiedelt ist, eben gehört) in und um L.A. und basiert natürlich auf einer wahren Geschichte. Alle Politiker und Polizisten scheinen verdorben und korrupt zu sein, bis auf das edle Team von O’Mara, das allerdings genau so brutal agiert wie die Gangster, die es bekämpft. Es ist etwas schade, dass der Film eine solch simple Schwarz-Weiß-Malerei propagiert und nur in einem kleinen Dialog eine moralische Krise eines der Gangster-Squad-Mitglieder andeutet, aber was macht das schon? Wer psychologischen Tiefgang und moralische Ambivalenz erwartet, der sollte sowieso lieber zum großartigen „L.A. Confidential“ greifen. Fleischers Film will nicht mehr sein als ein reinrassiger Gangster-Film, der lediglich die zentralen Aspekte des Genres bedient und demnach vor allem mit viel Geballer und cooler Optik aufwartet. Und um den Spaß am Film zu garantieren, müssen die Fronten eben klar geklärt und die Sprüche besonders flott sein. Und das Konzept geht über weite Strecken auch famos auf.

Im Kern ist „Gangster Squad“ einfach nur die denkbar roheste, simpelste, brutalste und oberflächlichste Räuber-und-Gendarm-Story, die man sich überhaupt vorstellen kann. Um es etwas positiver zu formulieren: vielleicht auch die denkbar klassischste. Es wird nicht viel Zeit verplempert, um die Handlung in Gang zu bringen, im Prinzip geht die Action schon nach zwei Minuten los und Charakterentwicklung ist quasi nicht vorhanden. Die coolen Sprüche aus der Feder von Will Beall sind zwar teilweise etwas übercool und artifiziell und die Synchro von Gosling klingt doch ein ums andere Mal ziemlich schläfrig, aber all das tut dem Spaß überhaupt keinen Abbruch. Spaß? Ja, richtig gelesen. Der ultrabrutale Film ist zwar ziemlich stumpf und ohne Tiefgang, aber das macht überhaupt nichts. Denn die Hochglanz-Inszenierung, die zumeist zündenden Gags und einige nette optische Spielereien (z.B. Freeze Frames und Zeitlupen-Effekte, wie der ziemlich geil anzusehende Shootout im Finale) überstrahlen ganz einfach die abgedroschene und vorhersehbare Handlung, in welcher es kaum Zeit für tatsächlich emotionale Zwischentöne gibt. Die sind zwar durchaus vorhanden, aber rar gesät und nur bedingt relevant. Demnach gibt’s bei „Gangster Squad“ eben nur eine Richtlinie: der Film soll Spaß machen und daher muss es einfach alle paar Minuten knallen! Und das dann bitte besonders stylisch, drastisch und zumeist auch ziemlich sinnfrei.

Ruben Fleischer ist mit seiner neusten Regiearbeit ein überaus sehenswerter Gangsterfilm gelungen, der eben gerade durch seinen hohen Actionanteil zu überzeugen weiß. Die Charaktere sind zwar sehr eindimensional gezeichnet und die Dramaturgie bleibt über den kompletten Film hin sehr schlicht, doch mit seiner übertriebenen Coolness (es gibt z.B. eine Plansequenz, die nur dazu dient, zu zeigen, wie gut die Squad-Mitglieder aufeinander abgestimmt sind und den Kampf gegen das „Böse“ aufnehmen, indem sie sich zuvor noch gegenseitig ganz lässig ihre Schusswaffen zuwerfen) schafft es der Streifen einfach, über weite Strecken perfekt zu unterhalten. Emma Stone wird als Gangsterbraut und gleichzeitiges Love-Interest von Gosling zwar im Grunde nur zum schmückenden Beiwerk degradiert, gegen Ende jedoch dient ihr Charakter noch dazu, dem Film eine moralische Wertung und Botschaft mit auf den Weg zu geben, was aber auch nicht mehr viel daran ändert, dass „Gangster Squad“ moralisch eigentlich ziemlich fragwürdig bleibt. Mireille Enos gelingt es als Ehefrau von O’Mara noch am ehesten weibliche Akzente zu setzen, doch leider wird Frauen in der harten Männerwelt von „Gangster Squad“ sowieso nicht viel Platz eingeräumt, denn das Zielpublikum ist eben das männliche. Und obwohl Frauen und Moral in Fleischers Film definitiv zu kurz kommen, kann man dem Werk dafür kaum böse sein. „Gangster Squad“ ist ein launiger Film für hartgesottene Actionfans, der nur eines will: gut unterhalten. Und bei allem Unfug sei ihm eben genau dies attestiert, denn er unterhält zumeist wunderbar. Wer sich also mit Stil vor Inhalt begnügt und sich von einem hohen Bodycount und teilweise drastischer Gewaltdarstellung nicht abschrecken lässt, der kann mit Fleischers Film nicht viel falsch machen. Die Bilder dominieren den Film und das geht in diesem Fall auch voll und ganz in Ordnung. „Gangster Squad“ ist ein reinrassiger Schießfilm, nicht mehr und nicht weniger. Ein Schießfilm? Ganz genau und den genießt man am besten so: Hirn aus, Film ab. Ba-Bang!

Autor: Markus Schu

Leave a Reply