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Fack ju Göhte 3 (2017) Review

© Constantin Film

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Nun kommt also der Abschluss der glorreichen „Fack ju Göhte“-Trilogie „endlich“ in die Kinos. Zum dritten Mal können wir folglich den Ex-Bankräuber, Vollzeit-Frauenheld und nun auch Lehrer Zeki Müller (Elyas M’Barek) dabei beobachten, wie er versucht, seine Problemklasse aus der Goethe-Gesamtschule irgendwie zum Abi zu hieven. Nachdem bereits Teil 1 und Teil 2 die jeweils erfolgreichsten Filme des Jahres in Deutschland waren, ist auch bei „Fack ju Göhte 3“ davon auszugehen, dass es ein absoluter Kassenschlager wird. In einem Interview mit dem Morgenmagazin hat Elyas M’Barek kürzlich verlauten lassen, dass der dritte Teil der beste der Reihe sei. Natürlich bleibt ihm nichts anderes übrig, als genau dies zu sagen, aber trotzdem schauen wir mal, ob er Recht hat.

In „Fack ju Göhte 3“ steht nach einer Inspektion die Goethe-Gesamtschule vor dem Aus. Neben dem katastrophalen Zustand des Schulgebäudes und der fehlenden Lehrmittel wird auch der Leistungszustand der Schüler (wenig überraschend) bemängelt und generell wollen kaum noch Eltern ihre Schüler auf diese Schule schicken. Also beauftragt Direktorin Gudrun Gerster (Katja Riemann) Zeki Müller dazu, die Schule zu retten und die zu erreichenden Auflagen bis Ende des Jahres zu erfüllen, sonst macht sie öffentlich, dass Zeki gar kein echter Lehrer ist. Seine nun vielleicht schwierigste Aufgabe besteht darin, seine Klasse auf einen Leistungstest vorzubereiten, den diese bestehen muss, um überhaupt für das Abitur zugelassen zu werden. Was folgt, ist eine relativ strukturlose Ansammlung von einzelnen Szenen, die die Fortschritte und Rückschläge von Zeki zeigen, auch wenn alles insgesamt nicht wirklich viel Sinn ergibt. Dass der erste Teil vor vier Jahren ins Kino kam und die Darsteller merklich gealtert sind, aber die Schüler in der Filmhandlung jetzt gerade mal eine Klassenstufe weiter sind, ist dabei nicht mal ein valider Kritikpunkt. Die Gehirnakrobaten rund um Chantal (Jella Haase), „Danger“ (Max von der Groeben) und Zeynep (Gizem Emre) haben nämlich vermutlich wirklich vier Jahre für die zehnte Klasse gebraucht.

Ja, und da sind wir auch beim Dreh- und Angelpunkt von „Fack ju Göhte 3“: Prinzipiell besteht der ganze Humor des Films aus Witzen und Szenen darüber, wie dumm Zekis Klasse ist. Dabei sind diese Gags weder sonderlich originell, noch überraschend witzig, eher schlagen die Witze ins Gegenteil um und regen zum Fremdschämen an. Weitere Gags basieren auf den Konsum von Drogen, der Genervtheit des Lehrstabs, Pubertät und Sex, die man aber alle schon irgendwo so oder so ähnlich gesehen hat. Bereits bei den vorherigen Teilen war es allerdings so, dass die Witze in etwa so lustig sind wie die absichtlichen Rechtschreibfehler im Titel. Richtig problematisch wird es dann aber, wenn „Fack ju Göhte 3“ versucht, sich wirklich mit ernsthaften Problemen auseinanderzusetzen. Das hat schon in Teil 2 nicht funktioniert, als Autismus durch die Figur des „Ploppi“ (Lucas Reiber) ins Spiel gebracht wurde und es funktioniert in Teil 3 noch weniger, wenn Mobbing, Suizidsehnsucht, zerrüttete Elternhäuser und Perspektivlosigkeit nach der Schulzeit sowohl humoristisch als auch mit einer gewissen ernsthaften Botschaft aufgearbeitet werden sollen. „Stets bemüht“ wäre in dem Zeugnis Bora Dagtekins im Fach „Drehbuch“ für diesen Versuch noch ein sehr mildes Urteil.

© Constantin Film

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Den Darstellern kann man keinen Vorwurf machen, denn die machen alle ihre Arbeit solide bis gut. Doch die Karikaturen haben sich mittlerweile schon stark abgenutzt und so etwas wie eine Charakterentwicklung ist insgesamt gesehen nur marginal erkennbar. Immerhin hat Karoline Herfurth mittlerweile den Absprung geschafft: Nachdem sie aus dem zweiten Teil schon nahezu rausgeschrieben wurde, ist sie in Teil 3 gar nicht mehr zu sehen. An ihre Stelle ist die spätestens aus „Toni Erdmann“ (2016) bekannte Sandra Hüller als Kollegin von Zeki getreten, die als Figur aber nicht den Gegenpol zu ihm bildet, sondern fast sein weibliches Pendant darstellt. Das bringt sie auch gut rüber, jedoch fehlt wie bereits im zweiten Teil wirkliches Reibungspotenzial zwischen den beiden Hauptfiguren.

Insgesamt erschließt sich mir wie auch bei den beiden Teilen zuvor nicht, was die Faszination an der Reihe ausmacht. Sicherlich sind die gezeigten Schüler so auch teilweise in den Klassenzimmern Deutschlands zu finden, es spricht überhaupt nichts dagegen, über deren Bildungsniveau eine Komödie zu drehen und da erwarte ich auch nicht zwingend eine sozialkritische Auseinandersetzung mit der Problematik. Wenn aber schon die Figuren dumm sind, dann muss wenigstens das Drehbuch einigermaßen clever sein, um zu unterhalten und das ist hier leider nicht gegeben. In Bezug auf Elyas M’Bareks Statement bleibe ich ratlos zurück, denn „Fack ju Göhte 3“ könnte durchaus der beste Teil der Reihe sein, aber genauso gut auch der schlechteste. Er ist wie seine Vorgänger ein Film von und mit dummen Menschen für dumme Menschen.

Autor: Torsten Stenske

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