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The Expendables 2 (2012) Review

They’re back! Nachdem die „Expendables“ 2010 sehr erfolgreich sämtliche Leinwände der Welt in Schutt und Asche zerlegten, war eine Fortsetzung des Testosteronkinos nur eine Frage der Zeit, schließlich gab es noch einige Actionstars, die im ersten Teil ihren Auftritt nicht spendiert bekamen. Dass sich der illustre Cast der cineastischen Krawallbrüder erweitert und auch bereits bekannten Gesichtern mehr Raum gewährt wird, sorgt nun in der Tat für einen deutlichen Spaßzuwachs. Da der Sinn dieses Filmes eigentlich nur im Spaß liegt, könnte man sogar fast von einem Sinnzuwachs sprechen. Aber das wäre bei „The Expendables 2“ dann vielleicht doch etwas übertrieben.

Nachdem Barney Ross (Sylvester Stallone) und seine Mitstreiter Christmas (Jason Statham), Gunnar (Dolph Lundgren), Caesar (Terry Crews), Toll (Randy Couture), Billy (Liam Hemsworth) und Yin (Jet Li) einen Auftrag in Nepal erfolgreich über die Bühne gebracht haben, taucht unvermittelt CIA-Mann Church (Bruce Willis) wieder auf und verlangt von Ross die Erfüllung einer speziellen Aufgabe als Gegenleistung für dessen „Untreue“ nach den Geschehnissen des ersten Teils. Zusammen mit der Chinesin Maggie (Yu Nan) machen sich die Expendables auf nach Albanien, wo sie jedoch von einem Schurken, der passenderweise Jean Vilain (Jean-Claude Van Damme) heißt (engl. villain = Bösewicht), in eine Falle gelockt werden. Doch sie wären nicht die härteste Söldnertruppe der Welt, wenn sie sich nicht irgendwie ihren Weg wieder freiprügeln oder -schießen würden. Und sollte Not am Mann sein, kann man sich sich immer auf die Hilfe von Barneys Kollegen Trench (Arnold Schwarzenegger) und des einsamen Wolfes Booker (Chuck Norris) verlassen…

Bereits die erste Viertelstunde zeigt, dass „The Expendables 2“durchaus geneigt ist, seinen Vorgänger in allen Belangen zu übertreffen. Die Rettungsaktion in Nepal ist ein Augenschmaus für jeden Action-Fan alter Schule und zeigt, dass die alten Herren des Krach-Bumm-Kinos ihr Handwerk nach wie vor beherrschen. Es wird geprügelt, geballert und explodiert, was das Zeug hält und das Ergebnis der eher offensiv ausgelegten Strategie der Stallone-Crew wird durchaus schonungslos gezeigt. Blutfontänen, explodierende Köpfe und durch das Maschinengewehrfeuer zerfetzte Körper werden mehr als einmal ins Bild gerückt und belegen, dass die FSK-18-Freigabe nicht von irgendwoher kommt. Der eine oder andere mag eventuell nicht ganz von der Hand zu weisende moralische Bedenken haben, wenn reihenweise Nepalesen vom Kugelhagel der Söldnertruppe niedergemäht werden, jedoch lässt der Film glücklicherweise zumindest in derartigen Sequenzen jegliche Ernsthaftigkeit vermissen und schafft es, durch eine durchgehende ironische Überhöhung einem gewaltverherrlichenden Charakter entgegenzuwirken. Schießereien werden konsequent wahnsinnig überdreht inszeniert, die Aktionen der menschlichen Kampfmaschinen sind den ganzen Film über schlichtweg perfekt choreografiert und werden mit reihenweise sarkastischen Kommentaren geschmückt, dass dieser Film gar nicht den Anspruch erhebt, auf irgendeine Weise eine seriöse Botschaft transportieren zu wollen. Hier geht es einfach nur um gezielte Übertreibung im Dienste spektakulärer visueller Attraktionen. Und das Spiel funktioniert. Wenn Dolph Lundgren ein Tor mit einem Rammbock zerstört, auf dem in großen Buchstaben „Knock Knock“ steht, ist bereits nach fünf Minuten klar, dass hier in der Tat erst einmal gar nichts ernst gemeint ist.

Doch man braucht als Zuschauer auch ab und an mal Zeit zum Durchatmen. Für diese teils fast melancholischen Momente ist in erster Linie Liam Hemsworth zuständig, der als das jüngste Mitglied der Truppe von Gewissensproblemen angesichts seiner Freundin und ihres eigentlich noch langen vor ihnen liegenden Lebens geplagt wird und sich entscheidet, den Dienst zu quittieren. Dazu kommt es jedoch nicht mehr, denn sein Charakter Billy darf nach gut einem Viertel des Films das Zeitliche segnen, was wiederum Jean-Claude Van Damme zugute kommt, der sich damit und durch seine folgenden Aktionen als Oberschurke par excellence profilieren kann. Nebenbei bringt Billys Tod den Rest der Handlung erst so richtig ins Rollen, als sich Barney Ross entschließt, ihn zu rächen und die Marschroute „suchen, finden, töten“ ausgibt. Mehr braucht es nicht, um im Folgenden ein Actionspektakel sondergleichen abzuziehen, bei dem auch Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis aktiv werden dürfen und sich ihre mehr als Cameo angelegten Rollen aus dem ersten Teil eine nicht von der Hand zu weisende physische Geltung verschaffen.

Die ironische Brechung des filmischen Gewaltgehalts resultiert nicht zuletzt aus der sehr selbstreflexiven Ader, die der Film an den Tag legt und die im Vergleich zum ersten Teil abermals ausgebaut wird. Dies ist vor allem dem magischen Dreieck Stallone-Schwarzenegger-Willis zu verdanken. Neben humorvollen Seitenhieben auf das Alter der Protagonisten mischen sich Anspielungen auf ihre Paraderollen als Rambo, Terminator und John McClane mit direkten Filmzitaten: Wenn Schwarzenegger ein „Ich komme wieder!“ von sich gibt, auf das Bruce Willis entnervt antwortet: „Wie oft willst du eigentlich noch wiederkommen? Diesmal komme ich wieder!“, was von Schwarzenegger mit einem leisen „Yippie-Ka-Yeah!“ quittiert wird, so ist dies nicht das einzige Beispiel. Und dann gibt es ja noch den „Special Guest Star“ Chuck Norris, der das von ihm prägend mitgestaltete Klischee der unbesiegbaren Ein-Mann-Armee bis zum Äußersten ausreizt und einen Grad an Selbstironie an den Tag legt, den man vom schweigsamen Cusack („Code of Silence“) oder von Colonel James Braddock („Missing in Action“) wohl kaum erwartet hätte. Dass sein (insgesamt etwa bloß zehnminütiger) Auftritt von der Musik zu „Zwei glorreiche Halunken“ untermalt wird und er es sich nicht nehmen lässt, allen Ernstes einen Chuck-Norris-Fact zu erzählen, zeigt, dass scheinbar sogar ein Hauptdarsteller einiger reaktionär-konservativer und teils rassistisch angehauchter Filme in der Lage ist, sich nicht hundertprozentig ernstzunehmen. Stichwort: Der im Vorgängerfilm in Ansätzen durchaus vorhandene kritische Subtext wird unter anderem durch die Integration des Bruce-Willis-Charakters Church in den Kreis der schießwütigen Söldnertruppe deutlich heruntergeschraubt. Dass der Film dennoch nicht in stereotype Bösewicht-Darstellungen abgleitet und sich keinem übertriebenem patriotischem Pathos hingibt, liegt unter anderem daran, dass Vilain als Chefschurke nicht die gleiche Nationalität besitzt wie seine serienmäßig aus dem Verkehr gezogenen osteuropäischen Untergebenen, dass auch Chuck Norris wohl inzwischen bemerkt hat, dass nicht alle Osteuropäer Schweine sind und vor allem an einer charmanten Szene, die mit teils mehr, teils weniger versteckten Hinweisen auf die Nationalität der einzelnen Darsteller arbeitet.

Zwar ist der Film natürlich keine Charakterstudie, jedoch gibt es an den Leistungen der Darsteller im Rahmen ihrer Möglichkeiten absolut nichts auszusetzen. Herauszuheben sind der schauspielerisch am stärksten agierende Jason Statham, der auch mal seine emotionale Seite hervorheben darf, was Sylvester Stallone nach kurzer Zeit auf die Nerven geht, sowie Yu Nan als Maggie, die sich in das Bizeps-Ensemble nahtlos einfügt und gegen Ende auch zeigen kann, dass sie in der Lage ist, fünf Mann im Alleingang auszuschalten. Sylvester Stallone und Bruce Willis spielen ihre Rollen konsequent routiniert herunter, Arnold Schwarzenegger merkt man zumindest in den Dialogszenen eine leichte Mühe an, sich wieder vor einer Kamera zurechtzufinden, die er jedoch in den Actionsequenzen locker wettmacht. Jet Li hat zwar einen fulminanten Auftritt, der durchaus in die Rubrik „episches Gekloppe“ fällt, jedoch verabschiedet er sich leider nach zwanzig Minuten aus dem Film. Die Sticheleien zwischen Crews und Couture sorgen konsequent für Vergnügen seitens der Zuschauerschaft, auch sie spielen ihre Rollen wie immer, ebenso der schwedische Kantenmann Dolph Lundgren, der in einer Szene beweist, dass sein Charakter Gunnar sogar so etwas wie Mitgefühl besitzt. Jean-Claude Van Damme kommt leider etwas kurz und hat außer in der Schlusssequenz, in der auch er zeigt, dass er seit „Bloodsport“ nichts verlernt hat, leider kaum Möglichkeiten, sich zu profilieren. Das gleiche Problem trifft wegen der Kürze des Auftritts auf Liam Hemsworth zu. Chuck Norris ist eben Chuck Norris, da sein Auftritt eher als Cameo zu werten ist und er eigentlich immer stoisch in die Gegend starrt, egal, ob er sich mit Sylvester Stallone unterhält oder eine Horde Albaner über den Haufen schießt, gibt es zumindest diesbezüglich zu ihm nicht viel zu sagen.

„The Expendables 2“ zeigt, dass es auch für einen herausragenden Actionfilm gar nicht nötig ist, ganze Großstädte zu zerlegen, sondern dass es manchmal reicht, zwanzig Minuten lang einen Flughafen auseinanderzunehmen. Ohne den Rest des All-Star-Casts zu schmälern, darf man die Szenen, in denen Stallone, Willis und Schwarzenegger Seite an Seite kämpfen, ohne Übertreibung als filmhistorisch legendär bezeichnen. Ein grandios knallendes, handfestes und dabei dennoch äußerst humorvolles Action-Feuerwerk, das hundert Minuten lang die Leinwand erzittern lässt, um den Zuschauer ein ums andere Mal in den Sitz zu fegen. Und bei einem Film, der den Abspann mit einem Song namens „I just want to celebrate“ unterlegt, ist die Fahrtrichtung ohnehin klar: Krachende Unterhaltung der unmittelbarsten Art!

Autor: Jakob Larisch

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