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Entschuldige, ich liebe dich! (2014/2015) DVD-Kritik

© capelight pictures

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Nach „Drei Meter über dem Himmel“ und „Ich steh auf dich“ erscheint nun mit „Entschuldige, ich liebe dich!“ eine neue Bestsellerverfilmung von Federico Moccia. Regisseur Joaquín Llamas nahm sich der rührenden spanischen Liebesgeschichte um ein ungleiches Paar an und inszeniert häufig am Rande eines filmischen Gefühlskollaps, bevor er seinen Kopf mit einigen positiven Aspekten insgesamt doch aus der Schlinge ziehen kann.

Es ist unbestreitbar charmant, wenn sich die beiden Protagonisten Niki (Paloma Bloyd) und Alex (Daniele Liotti) zum ersten Mal, natürlich zufällig, begegnen. Schon da knallt es bereits heftig zwischen den beiden unglücklichen Singles, wenn auch zunächst nur aufgrund eines Verkehrsunfalls. Aber sei es drum, der Roller der frechen Niki ist hin und der irritierte Werbefachmann Alex wird kurzerhand zum Chauffeur für die junge Schülerin. Was so zunächst als eine Art Zweckgemeinschaft beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer Bettgeschichte mit der Option zur ewigen Liebe. Ob es so kommt, wird natürlich nicht verraten. Was man jedoch verraten kann, ist die Tatsache, dass die beiden Hauptdarsteller Bloyd und Liotti dem Film durch ihr möglichst natürliches Spiel nicht nur einen charmanten Grundton verpassen, sondern viele Szenen erst sehenswert machen. Die Chemie stimmt hier einfach und diese Verbindung kann sich zum Glück auch bis zum großen Finale halten. Wenn man jetzt noch weiß, dass zwischen den Liebenden 20 Jahre Lebenserfahrung liegen, dann könnte man dem Werk fast noch eine gelungene Stellungnahme zu einem immer noch und immer wieder aktuellen gesellschaftlichen Thema unterstellen, aber wir wollen nicht übertreiben. Charmant ist der Streifen, smart ist er beinahe nie.

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Und schon nährt man sich mit großen Schritten den Schwachstellen des Films, die nicht zu übersehen sind. Selbst wenn man über die passende, aber belanglose audiovisuelle Gestaltung hinwegsehen kann, verdirbt einem die inhaltliche und dramaturgische Oberflächlichkeit schon bald die Lust an der Geschichte. „Entschuldige, ich liebe dich!“ macht nicht mehr falsch als andere Date-Movies und funktioniert als ein solcher auch hervorragend. Die positiven Ansätze lassen diese Unzulänglichkeiten aber natürlich besonders hell erstrahlen. Allein der angesprochene Autounfall, der plötzlich zum Blind Date wird, besitzt eine Infantilität, die Gänsehaut bereiten muss. Die zahllosen Nebenhandlungen und Nebenfiguren werden, wenn überhaupt, so schnell abgehandelt, dass man besser nicht die Toilette aufsucht und der bei solchen Filmen typische Voice-Over-Erzähler ist an Abgedroschenheit kaum zu überbieten. Die Positionen und Diskussionen aller beteiligten Personen bezüglich dieser ungleichen Liebe wirken unausgereift und klischeebeladen und der Spannungsbogen der Story kennt kein Anfang oder Ende und dreht sich einmal zu oft im Kreis. Selbst viele ähnliche TV-Produktionen aus dem europäischen Umland umschiffen diese Klippen erfolgreicher.

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Es ist gut, dass „Entschuldige, ich liebe dich!“ bereits durch seinen Titel ein vorsichtiges Pardon mitschickt, denn man muss dem Film vieles verzeihen können. Die einfallslose Inszenierung, die spröden Dialoge und die konstruierten Plot Points sind eigentlich unverzeihliche Schwächen. Diese Mängel teilt sich der Streifen jedoch mit vielen verwandten Produktionen. Ein solider Liebesfilm ist Regisseur Llamas dennoch gelungen. Die tollen Hauptdarsteller Liotti und Bloyd sowie die interessante Thematik lassen aber immer erahnen, dass hier mehr drin gewesen wäre. Wen verpasste Chancen nicht so sehr stören, der kann mit „Entschuldige, ich liebe dich!“ aber durchaus für einen Abend glücklich werden.

Autor: Max Fischer

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