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Down With Love – Zum Teufel mit der Liebe! (2003) Blu-ray-Kritik

© justbridge entertainment

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Bevor Regisseur Peyton Reed für die Marvel-Filme „Ant-Man“ (2015) und „Ant-Man and the Wasp“ (2018) verpflichtet wurde, machte er vor allem mit romantischen Komödien wie „Trennung mit Hindernissen“ (2006) und „Der Ja-Sager“ (2008) von sich reden. Aus dieser Kategorie stammt auch sein zweiter Kinofilm „Down with Love – Zum Teufel mit der Liebe!“ (2003), der nun das erste Mal in Deutschland auf Blu-ray erschienen ist. Im Gegensatz zu Reeds anderen Komödien siedelt „Down with Love“ die Beziehungsprobleme des Leinwandpaares – gespielt von Ewan McGregor und Renée Zellweger – aber nicht in der Gegenwart, sondern in den frühen 1960er-Jahren an. Im Stil der späten Screwball-Komödien mit Rock Hudson und der erst kürzlich verstorbenen Doris Day zeigt „Down with Love“ ein klassisches „battle of the sexes“, in dem Frauen um Gleichberechtigung und Männer mit veränderten Rollenbildern kämpfen müssen. Leider schafft es der Film jedoch nicht, an den Charme seiner Vorbilder heranzukommen. Noch dazu präsentiert er eine äußerst fragwürdige Auffassung von Feminismus.

Im konservativen New York der frühen 1960er-Jahre fordert die ambitionierte Autorin Barbara Novak (Zellweger, „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“, „Fall 39“) in ihrem Buch „Down with Love“ alle Frauen dazu auf, Liebeziehungen zu Männern eine Absage zu erteilen und sich stattdessen ganz der Karriere zu widmen. Der berühmt-berüchtigte Journalist und Frauenheld Catcher Block (McGregor, „Star Wars – Das Erwachen der Macht“, „Christopher Robin“) spricht Barbaras Buch zunächst jegliche Erfolgsaussichten ab, muss dann aber schockiert feststellen, dass das Werk binnen kurzer Zeit zum internationalen Beststeller avanciert und sich immer mehr seiner zahllosen Affären unter Berufung auf „Down with Love“ von ihm abwenden. Um seinen guten Ruf wiederherzustellen, heckt Catcher einen gerissenen Plan aus: Getarnt als tugendhafter Astronaut Zip Martin mit liebenswertem Südstaatenakzent will er das Herz von Barbara gewinnen und der Öffentlichkeit beweisen, dass in Wahrheit jede Frau von Liebe und Heirat träumt. Die Umsetzung seines Vorhabens gestaltet sich jedoch um einiges schwieriger als gedacht, denn Barbara zeigt sich fest entschlossen, ihren Überzeugungen treu zu bleiben.

Ästhetisch überzeugt „Down with Love“ zunächst mit gekonnt eingesetzten Referenzen zu seinen filmgeschichtlichen Vorbildern. Neben den betont künstlichen Studiokulissen und der knallbunten Technicolor-Optik erinnern auch die zahlreichen Überblendungen und Splitscreens an Filme wie „Bettgeflüster“ (1959), „Ein Pyjama für Zwei“ (1961) und „Schick mir keine Blumen“ (1964). Ein cleverer Coup ist auch die Besetzung von Barbaras Verleger mit Schauspieler Tony Randall, der Doris Day und Rock Hudson in allen drei der eben erwähnten Komödien als Nebendarsteller zur Seite stand. Dass „Down with Love“ trotz aller Referenzen nicht den Charme seiner Vorbilder entfalten kann, liegt vor allem daran, dass er deren Humor nicht trifft.

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Die späten Screwball-Komödien mit Day und Hudson entstanden zu einer Zeit, in welcher der Hays Code (eine von 1930 bis 1967 geltende Selbstverpflichtung der Filmstudios) die explizite Darstellung von Sexualität verbot. Dies schränkte einerseits die künstlerische Freiheit ein, förderte andererseits jedoch auch die Kreativität der Filmemacher*innen, die Mittel und Wege finden mussten, Sexualität besonders subtil darzustellen. Der originelle und charmante Witz der Komödien mit Day und Hudson entwickelte sich oft gerade aus dieser Subtilität. Die Anzüglichkeit der Dialoge und die sexuelle Spannung zwischen den Figuren war nur zwischen den Zeilen lesbar und gerade deshalb reizvoll. „Down with Love“ stellt Sexualität zwar ebenfalls mithilfe von Anspielungen dar, versteht sie aber im Gegensatz zu seinen Vorbildern nicht im Sinne von sexueller Anziehungskraft, sondern nur im Sinne des Geschlechtsakts selbst. Wo „Bettgeflüster“ den Splitscreen noch nutzte, um die Vorstellung zu erzeugen, Doris Day und Rock Hudson säßen bei einem Telefongespräch füßelnd in derselben Badewanne, nutzt „Down with Love“ das filmische Mittel einfach gleich dafür, verschiedene Varianten von Oralsex anzudeuten. Über 50 Jahre nach Ende der Hays-Code-Ära ist das natürlich möglich, aber leider wenig einfallsreich und irgendwie auch ein bisschen billig.

Passend hierzu propagiert Barbara in ihrem Buch natürlich auch nur „down with love“, aber nicht „down with sex“ – im Gegenteil: Ihrer Ansicht nach haben wahrhaft emanzipierte Frauen sogar oft und viel Sex, nur eben ohne emotionale Involviertheit, „just like men“. Frauen, die sexuell nicht oder wenig aktiv sind oder ihre emotionalen Bedürfnisse nicht unterdrücken wollen, können in „Down with Love“ offenbar keine Feministinnen sein. Doch auch in anderer Hinsicht ist Barbaras Vorstellung von Feminismus äußerst fragwürdig, denn sie behauptet – und die zahlreichen Erfolgsgeschichten ihrer Leserinnen bestätigen sie hierin – dass Frauen durch größeres Selbstbewusstsein problemlos Gleichberechtigung am Arbeitsplatz erlangen können. Damit impliziert sie sogleich, dass alle Frauen, die diesbezüglich noch Probleme haben, bisher einfach noch nicht selbstsicher genug aufgetreten sind. Für die Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen sind in „Down with Love“ also letztlich nicht strukturelle Mängel, sondern vielmehr die Frauen selbst verantwortlich.

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Die unerwartete Wendung am Ende von „Down with Love“ vermittelt ebenfalls ein sehr zweifelhaftes Bild von feministischem Engagement. Der immerhin recht amüsant inszenierte Twist beweist zwar auch Barbaras Überlegenheit Catcher gegenüber, in letzter Konsequenz aber vor allem etwas anderes: dass Auflehnung gegen etablierte Rollenbilder und Unabhängigkeit für Frauen nur deshalb interessant sind, weil sie selbst dadurch interessanter für Männer werden. Catchers zu Beginn des Films aufgestellten These – „All women want the same: love and marriage” – erhält damit ihre finale Bestätigung. Das Bild, das „Down with Love“ von männlicher Attraktivität zeichnet, ist übrigens ebenso problematisch. Der schüchterne Peter (David Hyde Pierce, „Hellboy“) hat erst dann wirklich Erfolg bei seiner Angebeteten Vikki (Sarah Paulson, „Carol“, „Glass“), als er sich verhält wie sein rücksichtsloser Freund Catcher. Nachdem Vikki ihm in einem heftigen Streit einen klaren Korb gegeben hat, zwingt Peter ihr einfach einen Kuss auf, der von Vikki schließlich leidenschaftlich erwidert wird. Am Ende wünschen sich Frauen eben doch keine einfühlsamen und respektvollen Männer, sondern solche, die sich einfach nehmen, was sie wollen. In dieser Szene wie im ganzen Film steckt die gefährliche – weil immer noch nicht überkommene – Vorstellung, dass „nein“ eben doch nicht „nein“, sondern zumindest „vielleicht“ und wahrscheinlich sogar „ja“ bedeutet.

Bis zum Schluss kann sich „Down with Love“ nicht entscheiden, ob er die Screwball-Komödien mit Day und Hudson nun parodieren oder vielmehr eine Hommage an sie sein will. Letztendlich schafft der Film beides nicht. Als würdige Hommage taugt er schon deshalb nicht, weil ihm die Leichtigkeit und die originelle Komik seiner Vorbilder fehlen, und für eine gelungene Parodie wäre eine weitaus kritischere und bissigere Auseinandersetzung mit konservativen Geschlechterrollen erforderlich gewesen. Am Ende lohnt sich „Down with Love“ deshalb höchstens wegen der beeindruckenden 1960er-Jahre-Kostüme und des durchweg engagiert aufspielenden Castes, aus dem neben McGregor und Zellweger vor allem Sarah Paulson heraussticht.

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Die Edition: Die Blu-ray enthält einen Audiokommentar von Regisseur Peyton Reed, mehrere entfallene Szenen und verschiedene kurze Featurettes. Einen Blick wert sind vor allem die unterhaltsamen Bloopers und die Kostümanproben.

Autorin: Johanna Böther

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