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Dogman (2018) Review

© Alamode Film

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Marcello führt ein Hundeleben. Als Teil eines losen Rudels von Straßenkötern haust er in einem kleinen verfallenen Städtchen an der italienischen Küste. Alles könnte so gut sein, wäre da nicht das stets hungrige Alphatier Simone, das einzelgängerisch und bedrohlich durch die heruntergekommenen Gassen streift…

Marcello (Marcello Fonte) führt ein Hundeleben. Als Betreiber des Hundesalons „Dogman“ fristet er in einem kleinen verfallenen Städtchen an der italienischen Küste ein bescheidenes Dasein, umgeben von einem eingefleischten Kreis aus Nachbarn und Freunden. Alles könnte so gut sein, wäre da nicht Simone (Edoardo Pesce), ein einzelgängerischer Schläger mit Kokainproblem und unberechenbaren Gewaltausbrüchen, der auf seinem Motorrad durch die heruntergekommenen Gassen heizt. Marcello, dessen Herz so gutmütig und groß ist, dass er sich damit schon mal selbst in Schwierigkeiten bringt, dealt, wenn er nicht gerade mithilfe seiner Tochter stoisch dreinblickende Pudel für einen Wettbewerb frisiert, Koks an Simone, um ihn für sich gefällig zu stimmen und bei Laune zu halten. Der wiederum zieht Marcello etappenweise tiefer zu sich in die Kriminalität, wenn er ihn beispielsweise als Fluchtfahrer bei einem Einbruch in seine Pläne einbezieht. Von der Beute sieht Marcello allerdings wenig, für ihn bleiben nicht mehr als ein paar Fetzen am Knochen übrig. Diese lässt er seiner Tochter Alida (Alida Baldari Calabria) zugutekommen, die der größte Sonnenschein in seinem Leben ist.

Die Nutzfreundschaft mit Simone, das wird immer deutlicher, ist für diesen gewinnbringender als für Marcello. Der ist dem Willen Simones hilflos ausgeliefert und handelt meist unter Druck, doch wenn sich ihm die Möglichkeit bietet, sich gegen ihn zu stellen und sich (und seine Freunde) von dessen Tyrannei zu befreien, beweist er ihm gegenüber Loyalität und nimmt sogar die Konsequenzen seines kriminellen Handelns auf sich. Er ist ein feiner Kerl, der niemandem etwas Böses will, der sich in Gefahr begibt um tiefgefrorene Chihuahuas wiederzubeleben, der seine tierischen Kunden wie seine liebsten Freunde behandelt, und der so lange tyrannisiert wird, bis er bricht und anfängt, sich zu wehren. Doch diese von existenzieller Angst angetriebene Gratwanderung zwischen all jenen, denen er es recht machen möchte, hat ihren Preis, und am Ende ist sein Sozialleben allen wagemutigen Verzweiflungstaten zum Trotz unumkehrbar ruiniert.

© Alamode Film

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Matteo Garrone erzählt eine Geschichte über die Welt eines einfachen Mannes, der so lange versucht, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, bis er sich in eine Sackgasse manövriert und über sich hinauswachsen muss. Er könnte damit zum Helden werden, doch hat er auf dem Weg schon die verloren, die seinen Triumph mit ihm feiern würden und so bleibt er ein tragischer unscheinbarer Verstoßener. Etwas mehr Informationen über die Hintergrundgeschichte des Protagonisten hätten nicht geschadet, an einigen Stellen bleiben dem Zuschauer Fragen offen, die das Bild Marcellos weiter abgerundet hätten . Doch auch so entsteht eine liebens- wie bemitleidenswerte Figur, die sowohl tiefe Einsicht als auch ein paar Rätsel aufwirft.

Diesen Mann und seinen Weg fotografiert Nicolai Brüel einfühlsam in ruhigen, unaufgeregten Bildern und porträtiert damit eindringlich ein Leben inmitten einer an den Rand gedrängten Gesellschaft. Es entsteht eine subtile Endzeitstimmung in den langen Einstellungen, welche die poetisch anmutende Tristesse der Kleinstadt am Meer zeigen, in der es doch auch unerwartet herzlich zugehen kann. „Dogman“ ist ein Film, der zart und hart zugleich ist, der noch lange nachwirkt und gespickt ist mit ikonischen Momenten. Besonders zu erwähnen ist auch die glänzende Besetzung, an erster Stelle natürlich Marcello Fonte, der seiner Figur des „Dogman“ den besonderen anrührenden Charme verleiht.

Autor: Thassilo Vahlenkamp

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