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Die WSM-Top-Ten des Kinojahres 2014: Platz 2 und Platz 1

Platz 2

Markus S.: Interstellar

Nolan kann also nicht nur düster. Nolan kann also auch emotional. Meisterwerke darf, soll, ja muss man doch eigentlich immer mit anderen Meisterwerken in Verbindung setzen, oder wie seht ihr das? Dann sei euch Folgendes an dieser Stelle gesagt: So wie der Hauptcharakter im größten Werk der deutschen Literaturgeschichte, so geht auch der Held in Nolans „Interstellar“ der einzig relevanten Frage auf den Grund. Und zwar der, was die Welt im Innersten zusammen hält. Das mag man in diesem Falle für kitschig halten, ich hingegen empfand es als grandios. Philosophische Science-Fiction, wie sie besser nicht sein kann. Gehe nicht gelassen in den neuen Nolan!

© Universal Home Entertainment

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Jakob: Boyhood

Schon allein für die dem Film zugrunde liegende Idee ist Regisseur Richard Linklater Tribut zu zollen, der das Leben seiner Hauptdarsteller und damit auch seiner Protagonisten über zwölf Jahre hinweg begleitete und auf diese Weise eine faszinierende Unmittelbarkeit der Konfrontation mit kulturellen Phänomenen, gesellschaftlichen Innovationen sowie politischen Themenstellungen schuf. Ein ganz neuer Ansatz des Coming-of-Age-Films, der auf erfrischende Weise die Wichtigkeit persönlicher Individualität in Zeiten eines zunehmenden gesellschaftlich-ökonomischen Drucks aufzeigt, ohne dabei in US-typisches Selbstverwirklichungspathos abzudriften. „Boyhood“ ist großes Kino, ein liebevolles und berührendes Porträt des Erwachsenwerdens und ein Appell an alle, die diese Phase bereits hinter sich haben, denjenigen, die sich in dieser Phase befinden, mit Rat und Tat sowie gleichzeitig einer Gewährleistung zunehmender lebenspraktischer Unabhängigkeit zur Seite zu stehen.

Michael: Guardians of the Galaxy

In den 1980er-Jahren konnte man im Kino spannend erzählte Abenteuer erleben. In den 1990er-Jahren kamen die Eskapaden und coolen Sprüche hinzu. Anfang der 2000er waren ausufernde CGI-Schlachten das erfolgversprechende Rezept. Mittlerweile sind wir an einem Punkt in der Filmgeschichte angelangt, an dem wir über all das lachen können. „Guardians of the Galaxy“ vollführt jedoch das Kunststück, jedes dieser Elemente in sich zu vereinen. Ich spreche hier nicht von einem perfekten Werk, aber von einem in jeder Hinsicht fantastisch gemachten Unterhaltungsfilm. Wie sich die Guardians finden, um anschließend aufzubrechen und das Universum zu retten, das führt zu Lachkrämpfen, berührt das Herz und beeindruckt das Auge.

Markus H.: The Grand Budapest Hotel

An Wes Andersons neuestem Werk fehlt eigentlich nichts, denn es ist unterhaltsam, tiefsinnig, voller skurriler Charaktere, künstlerisch gefilmt und gespickt mit Stars. Nach „Moonrise Kingdom“ ein weiterer großer Wurf von Anderson, der mich endgültig zu einem Fan gemacht hat.

© Ascot Elite Home Entertainment

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David: Dallas Buyers Club

Den Whiskey im Glas, die Kippe im Mund und ein Stier zwischen den Beinen. Ron Woodroof – ein moderner Cowboy. Zumindest bis er HIV-positiv diagnostiziert wird. Während der Erzählung wird nicht nur die Hauptfigur verändert, auch wir werden zu besseren Menschen gemacht. Und das geschieht in einer derart brillanten Form, ohne Vorschlaghammer oder Moralkeule, dass jede Szene mit Ron und Rayon für sich allein genommen preisverdächtig ist. Es ist ein Film über Fehler und Eingeständnisse, aber auch über Reue und Wiedergutmachung.

Laszlo: The LEGO Movie

EVERYTHING IS AWESOME! Der (Familien)blockbuster des Jahres, der zeigt, dass man nicht unbedingt aus dem Hause Marvel kommen muss, um großes Spektakel für ein Massenpublikum zu liefern (Batman zu haben, hilft aber natürlich). Der Film funktioniert auf so vielen Ebenen: Eine packende Story mit gutem Voiceacting, ein visuelles Spektakel mit besten Effekten, ironischer Kommentar und kluge Kritik an Medien und Gesellschaft und zuletzt ein rührender Appell an Liebe und Familie! Müssen auch erwachsene Blockbuster-Hater gesehen haben!

 

Platz 1

© Koch Media

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Markus S.: The Raid 2

Es muss so sein. „The Raid 2“ von Gareth Huw Evans ist mein Film des Jahres. Bedenkt man, wie viele unzählige Martial Arts Streifen ich mir gerade im Alter von 14 – 19 Jahren reingepfiffen habe, dann ist diese Entscheidung auch nur konsequent. Ich bin also sowieso schon ein Fan von stylisch durchchoreographierten Prügelorgien, aber das, was Hauptdarsteller Iko Uwais und sein Regisseur mit „The Raid 2“ erschaffen haben, ist nun mal nichts anderes als ein phänomenales Meisterwerk. Ein epochales Ereignis und irgendwo auch ein vorübergehender Schlussstrich im Actiongenre oder sagen wir eher eine Zwischenbilanz: Action – und ich weiß, dass das krass klingt, aber es ist nun mal die Wahrheit – kann nicht besser inszeniert werden. Nur noch anders, aber nicht besser. Ein kinetischer Höllenritt durch die Unterwelt von Jakarta, ein wahnwitziges Epos, das sämtliche Register zieht. Evans und Uwais haben uns in diesem Jahr gezeigt, was im Actiongenre alles drin steckt und hieven ihr Werk dadurch direkt ins Genre-Pantheon. Instant Classic.

Jakob: Her

“I’ve just come to realize that we’re only here briefly. And while I’m here, I wanna allow myself joy. So fuck it.“ Besser als Amy Adams im Film kann man Spike Jonzes aktuelles Werk kaum zusammenfassen. „Her“ zeigt, was in unserer zunehmend hektischer und individualistischer werdenden Welt für Glück relevant ist und was Maschinen bzw. technische Geräte niemals in der Lage sein werden, zu leisten: Emotionen. Gefühle. Ja, die Technik bringt Vorteile, ohne Frage. Aber die digitalen Versprechungen müssen diesen Punkt auslassen, sie können ihn nicht erfüllen. Eigentlich sollte so etwas von Natur aus klar sein, doch das Vertrauen, das gesamtgesellschaftlich in die Technik gesetzt wird, scheint trotz aller gewachsenen Skepsis in vielen Belangen immer noch fast grenzenlos. Spike Jonze erteilt diesem Vertrauen auf fast schon sanfte Weise eine Absage und demonstriert den Wert eines mit echten Menschen geteilten Lebens. „Her“ ist magisch und zugleich bodenständig, ist träumerisch und zugleich realistisch. Ein Meisterwerk.

Michael: The Wolf of Wall Street

Martin Scorsese schafft erneut ein spätes Meisterwerk. In „The Wolf of Wall Street“ erzählt er nicht von detaillierten Zusammenhängen bei fehlgeschlagenen Börsengeschäften, sondern von den Auswirkungen eines nicht näher regulierten, freien Marktes auf die menschliche, scheinbar grenzenlose Gier. Die Regiearbeit ist ungemein vital und verpackt die Thematik ohne Heben des moralischen Zeigefingers. Die Exzesse des Wolfes an der Wall Street werden in allen Facetten ausgespielt und entwickeln einen Sog, der nach seinen 180 Minuten Laufzeit wie ein Faustschlag wirkt. Das ist Scorsese in seiner besten Form. In der Hauptrolle brilliert Leonardo DiCaprio, der sowohl mimisch wie physisch eine Tour de Force abliefert.

© Disney

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Markus S.: Guardians of the Galaxy

Man nehme einen Science-Fiction-Film, unterlege ihn mit Hits aus den 70ern und 80ern und würze ihn mit sowohl liebenswerten als auch skurrilen Figuren, wie beispielsweise einem Waschbär mit Raketenwerfer. Dies ist nicht nur das Rezept für meinen Lieblingsfilm des Jahres, sondern den besten Film, den Marvel bisher zustande gebracht hat.

David: Interstellar

Monumental, bewegend, universell. Selten habe ich Bilder mit solcher Aussagekraft im heutigen Kino bewundern dürfen. Dabei steht die Thematik noch viel weiter im Vordergrund: Menschsein. Altruismus, Egoismus, Gier, Liebe – ohne plakativ zu wirken, strickt Christopher Nolan ein engmaschiges Netz aus menschlichen Perspektiven inmitten eines menschenfeindlichen Umfelds. Das Weltall, Wurmlöcher – der physikalische Unterbau wirkt kalt und distanziert. Das grandiose Schauspiel dafür umso wärmer und vertrauter. Gerne sieht man bei dieser großen Idee über Logiklöcher und Storyschwächen hinweg.

© Universal Home Entertainment

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Laszlo: Boyhood

DER Film des Jahres wäre wahrscheinlich auch in jedem anderen Jahr Film des Jahres geworden, ein ganz großes Ding! Über ein Jahrzehnt allein für die Dreharbeiten zeigt Richard Linklater das Altern und Erwachsenwerden seiner Protagonisten, während die Schauspieler tatsächlich altern. So interessant und beeindruckend dieses „Gimmick“ auch ist, es ist NICHT das Hauptmerkmal des Films. Es sind die pointierten Dialoge, die sehr gute Schauspielleistung und Linklaters grandiose Arbeit mit Drehbuch und Montage. Oscarkandidat Nr. 1 und mein persönliches Jahreshighlight!

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