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Die WSM-Flops des Kinojahres 2014: Platz 2 und Platz 1

Platz 2

© Constantin Film

© Constantin Film

Markus S.: Pompeii

Ich hatte mich wirklich auf Paul W. S. Andersons neuen Film gefreut. „Wird bestimmt saudumm, aber optisch geil“, hatte ich mir nichtsahnend gedacht, als ich mit Kollege Jakob das Lichtspielhaus betrat. Doch weit gefehlt. Als erklärte „Resident Evil“-Fanboys mussten wir nicht nur den Niedergang der Küstenstadt, sondern auch den der durchaus vorhandenen filmischen Fertigkeiten des B-Movie-Experten mit ansehen. Ja, die Vulkanausbruch-Effekte sind super, aber die Charaktere bleiben hölzern und die Combat-Szenen sind weder gut gemacht, noch irgendwie mitreißend. Die Love-Story interessiert eh keine Sau und daher bleibt festzuhalten: „Pompeii“ wäre gerne „Gladiator“ + Liebesgeschichte + Katastrophenfilm – und scheitert in allen Punkten.

Jakob: Hannas Reise

Ein klassisches Beispiel, was passiert, wenn ein Film zu viel will. Eine Auseinandersetzung mit den Nachwirkungen des Holocaust in unsere heutige Zeit hinein ist zunächst nicht die schlechteste aller Ideen. Das Ganze jedoch mit einer Story um die Selbstfindung eines schnöseligen und oberflächlichen Berliner BWL-Elite-Girls zu verbinden, bricht dem Film das Genick. Entweder arbeitet man den Holocaust auf, dann ist ein Trip à la „Ich bin dann mal weg“ ein Beiwerk, welches der Drastik der Nazi-Verbrechen nicht gerecht wird. Oder aber man inszeniert eine emotionale Pilgerreise hin zu einem besseren Selbst, dann wäre jedoch der Holocaust ein zu gewichtiges Thema, um das Ganze gerade daran abzuhandeln. So jedoch wird nichts richtig ausgespielt, Hannas Wandlung geschieht quasi von jetzt auf gleich, während der geschichtliche Hintergrund dabei fast zum Beiwerk verkommt. Dass der Film zusätzlich die Überwindung der eigenen Familiengeschichte thematisiert, lässt ihn endgültig wie den prototypischen Klischeebaukasten des heutigen deutschen, auf Vergangenheitsbewältigung schielenden Kinos erscheinen. Richtig ist, dass zu viele Jugendliche im heutigen Deutschland zu wenig über die Zeit des Dritten Reiches wissen. Falsch ist, zu glauben, dass eine Reise nach Israel dies ändert und sie zu besseren Menschen macht.

 Markus H.: Dumm und Dümmehr

Der Name ist Programm. Jim Carrey und Jeff Daniels waren vielleicht mal witzig als völlige Vollpfosten, aber zwei Männer jenseits der 50, die sich wie Kleinkinder benehmen, sind einfach nur peinlich.

Michael: Winter’s Tale

„Winter’s Tale“ greift viele Themen auf: Vom Finden der eigenen Bestimmung hin zum dauerhaften Widerstreit von Gut und Böse und im Kern das Abhandeln der ewigen Liebe. Der Film wird jedoch kaum einem der ganzen Aspekte wirklich gerecht. Einzig die Lovestory im ersten Teil des Films weiß durch eine gute Chemie zwischen Colin Farrell und Jessica Brown Findlay zu überzeugen. Doch sobald der Film das Reden beendet und visuell wird, ist die Schmerzgrenze bezüglich Kitsch und unfreiwilliger Komik beim Betrachter nicht nur schnell erreicht, sondern auch weit überschritten. Naives Filmemachen wäre für diesen Film eine noch freundliche Umschreibung.

 David: Godzilla

Auch die visuelle Stärke der Halo-Jump-Szene, dessen Bilder wie ein abstraktes Gemälde wirkten, kann diesen Film nicht darüber hinweghelfen, dass selbst Roland Emmerich 1998 eine dichtere Story auf die Leinwand brachte. Bryan Cranstons Figur hat vorausschauend ihr Schicksal gewählt, als sie am Ende des ersten Akts bereits die Story gebührend verlässt. Ein Schlussstrich, den auch die Zuschauer an dieser Stelle hätten ziehen sollen.

Laszlo: Monuments Men

George Clooney. Matt Damon. Bill Murray. Cate Blanchett. John Goodman. Jean Dujardin. Zwei Stunden Langeweile. Was passt nicht in die Reihe? Eine bessere Besetzung hatte dieses Jahr nur „The Grand Budapest Hotel“, vielleicht noch „X-Men: Days of Future Past“, und beide Filme haben gezeigt, dass sie damit auch etwas anfangen können. „Monuments Men“ unter der Regie von George Clooney konnte das nicht. So bleibt nur ein mittelmäßiges Drehbuch, das lustlos umgesetzt wurde, ein paar Lacher und eine Antwort auf die Frage nach der Geschichte der Kunst im 2. Weltkrieg, die sich vermutlich zu Recht bis jetzt noch nicht allzu viele Zuschauer gestellt hatten.

© Concorde Home Entertainment

© Concorde Home Entertainment

Mamon: Nymph()maniac

Lars von Trier provoziert gerne. Und als Kinozuschauer lasse ich mich gerne provozieren. Wenn von Trier in „Antichrist“ also zeigt, wie der Schädel eines Babys auf dem Asphalt nach dem Sturz aus dem Fenster zerschellt, um mir die Dimension dieser Tragödie bewusst zu machen, bin ich bereit, mich darauf einzulassen. Wenn mir der Filmemacher aber eine aufwühlende Szene präsentiert, ohne mir die Möglichkeit zu geben, mich auf eben jene einzustellen, dann erfüllt die Provokation leider nicht ihren Zweck. Da „Nymph()maniac“ leider zu viele solcher Szenen hatte, schafft es der Ekelstreifen auf die Flop 2 des Jahres 2014.

 

Platz 1

Markus S.: Godzilla

Nein, „Godzilla“ ist nicht der beschissenste Film des Jahres – das ist nämlich eigentlich „Paris um jeden Preis“, aber der hat es nicht einmal verdient, hier näher beleuchtet zu werden – aber gemessen an meinen immensen Erwartungen im Jahr 2014 ist er eben meine größte Enttäuschung. Der Plot gibt nichts her, die Figuren bleiben blass, das Gespür für Atmosphäre, was Gareth Edwards in „Monsters“ noch so beeindruckend unter Beweis gestellt hatte, geht „Godzilla“ fast gänzlich ab. Den selbstreflexiven Showdown habe ich allerdings trotzdem ziemlich gefeiert. Doch das ist unterm Strich einfach viel zu wenig. Dann lieber wieder Edwards‘ Debütfilm schauen. Oder zu Roland Emmerichs „Godzilla“ von 1998 greifen. Der ist nämlich ein totaler Spaßfilm und nicht so ein düsteres Pseudo-Katastrophendrama wie die 2014er-Version.

Jakob: Pompeii

Wenn einer epische Schlachtsequenzen ohne Sinn und Verstand in atemberaubenden 3D inszenieren kann, dann ist da Paul W.S. Anderson. Mit „Resident Evil: Afterlife“ (2010) und „Resident Evil: Retribution“ (2012) hat er bewiesen, dass es keiner so gut versteht wie er, in Zeitlupe extrem spektakulär choreografierte Schlacht- und Kampfsequenzen auf die Leinwand zu bannen, ohne dass das Minimalmaß an Narrativ dabei störend zur Last fiele. Mit „Pompeii“ jedoch verspielt Anderson einen Großteil dieses Kredits. Der Film ist schlicht und ergreifend langweilig, da er sein in Massen vorhandenes Potenzial für Szenen in der oben genannten Art und Weise vollkommen ungenutzt lässt. Wir haben Gladiatoren? Lassen wir sie lustlos aufeinander losgehen. Wir haben wilde Tiere? Ja, kann man mal zeigen. Wir haben Schauwerte in der dekadenten römischen Gesellschaft? Zwei Kameraschwenks reichen. Hier passiert schlichtweg gar nichts. Eine behäbige Story, trostlose Action und ein völlig unmotivierter 3D-Einsatz machen „Pompeii“ zu den eintönigsten 102 Minuten des Kinojahres.

© WVG Medien

© WVG Medien

 Markus H.: The Legend of Hercules

Dieser Film ist mein Favorit des Jahres…wenn es um unfreiwillig komische Situationen und Fremdschäm-Momente geht. Gegen diese Version der griechischen Legende ist der etwa gleichzeitig erschienene Film mit Dwayne „The Rock“ Johnson ein Meisterwerk.

Michael: 300 – Rise of an Empire

„300: Rise of an Empire“ ist statt ästhetischem Monumentalwerk nur edel anzusehender, selbstverliebter Trash. Die Macher hinter diesem Werk, das Prequel und Fortsetzung zu“300″ in einem ist, haben nicht verstanden, was das Original ausgezeichnet hat. Auch wenn damals schon die Handlung dünn war, so gab es neben der spektakulären Optik einen erzählerischen Rahmen, der den Film zusammengehalten hat und für ein äußerst stimmungsvolles Kino-Ereignis sorgte. „300: Rise of an Empire“ besteht mehr aus beschämenden und leeren Ergüssen in einem genau deshalb nicht funktionierenden Gesamtwerk.

 David: Le Passé – Das Vergangene

Es gibt vielleicht nur zwei Ursachen, warum ein Film langweilig sein kann: Erstens arbeitet er nicht in seinem Medium, also nicht in zusammenhängenden Bildern und Handlungen. Zweitens gibt es keine Geschichte, sondern man stochert in einem halbgaren Brei herum. Wenn eines von beidem fehlt, kann es entweder noch ein aufregendes Leinwandspektakel oder ein logisches Gedankenkonstrukt werden. Wenn beides fehlt, ist es eine Zumutung.

Laszlo: The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro

Dieser Film ist in erster Linie eins: überflüssig. Von der ursprünglichen Spider-Man-Trilogie mag man halten, was man will, aber sie war abgeschlossen und noch nicht besonders alt, als Sony den grandiosen Plan fasste, sie zu ignorieren und einfach eine neue begann. Und zwar eine schlechte. Zu viele oberflächliche Bösewichte, völlig unnötige Szenen, schlechtes Timing und ein paar gute visuelle Einfälle reichen einfach nicht, um einen auch nur durchschnittlichen Film zu ergeben, zumal der Markt für Comicverfilmungen und Superhelden derzeit durchaus mit einigen Konkurrenzprodukten aufwartet.

Mamon: X-Men – Zukunft ist Vergangenheit

Dieser Titel schafft es nur auf die Eins, weil kein anderer Film in diesem Jahr eine solche Erwartungshaltung bei mir ausgelöst hatte. Bryan Singer kehrt endlich zu seinem Baby zurück. Anfang des Jahrtausends läuteten nicht zuletzt die X-Men die Epoche der Comicverfilmungen ein. Singer verstand es, die Vorlage mit dem Medium Film in Einklang zu bringen, wofür er den Figuren und Handlungen einen realistischen Anstrich verlieh. Diese Gabe ist ihm scheinbar abhanden gekommen. Die X-Men heben ab, verlassen den Boden des Realismus und transformieren sich weg von einer Comicverfilmung hinzu einem Comic mit Live-Schauspielern. Dies mag dem einen gefallen, der andere sehnt sich nach den Ursprüngen.

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