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Die Wikinger (1958) Review

© capelight pictures

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Schlichte Filmtitel sind manchmal am sinnvollsten „Die Wikinger“ heißt der Film von Richard Fleischer aus dem Jahre 1958, simpel und einfach, auch der Originaltitel beschränkt sich mit „The Vikings“ auf das Nötigste. Letztlich ist damit auch die Essenz dieses Werkes gegeben, da reißerische Titel wie „Schlacht der Wikinger“, „Reise nach Walhalla“ oder „Mit dem Schwert in der Hand“ zwar allesamt eine Entsprechung im Rahmen der Handlung gefunden hätten, aber eben nicht die filmische Essenz abdecken: Denn es geht um Wikinger, ihr Verhalten untereinander und ihre Auseinandersetzungen mit ihren Feinden. Und dann geht es noch um Liebe, Familienzwiste, Rivalitäten, ausgestochene Augen, magnetische Metalle und Glaubensfragen. Das Übliche eben, für einen Film dieser Zeit.

Kirk Douglas und Tony Curtis spielen zwei verfeindete Wikinger, einer der Sohn des Königs (Ernest Borgnine), einer ein Sklave, die beide um die Liebe einer englischen Prinzessin (Janet Leigh) buhlen, die wiederum von den Nordmännern entführt wurde. Das Ganze wird eingebettet in einen Kontext, der sich sehr lose an historischen Begebenheiten orientiert, aber diese letztlich eher als Folie für die Entfaltung zwischenmenschlicher Konfliktlinien nutzt. Doch hebt sich „Die Wikinger“ hierbei maßgeblich von vielen anderen US-amerikanischen Produktionen der ausgehenden 1950er-Jahre ab, da der Großteil des Filmes on location in Norwegen (sowie in Frankreich und Kroatien) gedreht wurde. Dies war zur Zeit des Classical Hollywood eher die Ausnahme als die Regel, denn zumeist waren es Studios, in denen die Filme entstanden. Der Aufwand (die Dreharbeiten dauerten acht Monate) macht sich jedoch bezahlt, denn dass der Film spürbar in der freien Natur gedreht wurde, dass die Sonne scheint, dass echte Schiffe über echtes Wasser fahren und sich der Shwodown in einer echten Burg abspielt, dies alles gibt der Seherfahrung eine ganz eigene Unmittelbarkeit, auch wenn der Film trotz einer gewissen, die Ausstattung betreffenden historischen Akkuratesse oft auf der Klaviatur der (visuellen) Wikinger-Stereotypen spielt. Ein wenig verhält es sich wie mit der heutigen Debatte um CGI: Je mehr auf digitale Effekte verzichtet wird, desto haptischer wird der Film, letztes Jahr besonders gut erkennbar bei „Mission: Impossible – Fallout“. Eine teils etwas trockene Studioatmosphäre wird folglich eingetauscht gegen einen Wechsel in reale Landschaften, was den Film sprichwörtlich frischer macht.

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Die Intrigen, die hier geschmiedet werden, sind zwar alles in allem nicht neu und man hat ein wenig das Gefühl, dass hier und da etwas Shakespeare’sches Drama mit ins Drehbuch einfloss, doch ist „Die Wikinger“ insgesamt durchaus spannend, auch wenn er gemäß seiner Entstehungszeit selbstverständlich etwas langsamer erzählt wird. Die Ambivalenz der Hauptcharaktere ist dabei stellenweise bemerkenswert, ebenso wie die grundlegende Sympathieverlagerung hin zu den „Barbaren“. Der von Kirk Douglas gespielte Einar ist auf der einen Seite ein ziemlicher Grobian und erfüllt ein wenig das Klischee des unzivilisierten Wilden, bekommt jedoch durchaus auch ein, zwei nachdenkliche Momente. Sein von Tony Curtis gespielter Gegenspieler Eric wird gleichermaßen als ein zwiespältiger Charakter eingeführt, er jedoch entwickelt sich mit der Zeit aber, man muss es so sagen, zur moralischen Leitfigur, die von nichts als der Liebe getrieben wird.

Trotz einer letztlich sehr klassischen Rollenverteilung ist interessant, dass das Wikinger-Dasein als eine Art kleines Utopia fungiert: Leben in und im Einklang mit der Natur, viel Essen, viel Trinken, viel Feiern, kurz: eine gewisse Form der Freiheit. Im Gegensatz dazu steht die englische Aristokratie, korrupt, verkommen, nicht mit Natur assoziiert, da meist nur in Innenräumen zu sehen. Man würde wohl deutlich zu weit gehen, diesem Film einen obrigkeitskritischen Subtext zu unterstellen, da die auf Seite der Wikinger ebenfalls existierende aristokratische Struktur nicht hinterfragt wird, doch bleiben auf einer soziologischen Ebene einige Dinge wie gewisse Spitzen gegen die christliche Religion durchaus haften, deren Regeln und Normen immer wieder als einengend beschrieben werden.

Ein klassischer und dann nicht ganz so klassischer Film: „Die Wikinger“ ist ein Film seiner Zeit, der jedoch auf Ebene der Produktionsweise sich sehr positiv vom Geist der ausgehenden 1950er-Jahre abhebt, den Mut findet, die freie Natur zu seiner Kulisse zu machen und dadurch etwas unmittelbarer zu wirken vermag. Der Film sieht durchgehend schick aus und wartet mit einem aufwändigen Showdown auf, der durchaus intensiv daherkommt und nicht nach allzu kurzer Zeit wieder vorbei ist. Wer mal wieder nostalgisch in die Filmgeschichte eintauchen will, der ist mit „Die Wikinger“ bestens bedient.

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Die Edition: Dies dürfte der vermutlich älteste Film sein, den capelight pictures im Programm hat, zum zweiten Mal nach „Das Urteil von Nürnberg“ ein Film der klassischen Hollywood-Ära. „Die Wikinger“ erscheint im Rahmen der altbekannten und bewährten Mediabook-Reihe mit einem schicken matten Cover und dem obligatorischen Booklet (sowie parallel als Single-DVD). Als Bonus gibt es neben Trailern eine interessante halbstündige Dokumentation, in der Regisseur Richard Fleischer die Dreharbeiten Revue passieren lässt und einige Einblicke in die Produktionshistorie gewährt.

Autor: Jakob Larisch

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