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Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 1 (2014) Review

© STUDIOCANAL

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Viel ist gesagt und geschrieben worden über den Trend, Adaptionen einzelner Bücher in mehrere Filme aufzuteilen. Schon immer beschwerten sich Fans der Vorlagen, die Adaption habe wichtige Szenen ausgespart bzw. ihre kleinen Lieblingsmomente verändert oder gestrichen. Die Macher von „Harry Potter“ verfilmten den letzten Roman der Reihe daraufhin in 2 Teilen, stellten die Fans zufrieden und nahmen allein an der Kinokasse noch eine geschätzte Milliarde Dollar mehr ein. Kein Wunder also, dass auch „Twilight“ diesen Weg ging und zumindest finanziell erfolgreich war. Als daraufhin auch Peter Jacksons „Der Hobbit“ auf drei Filme mit insgesamt fast neun Stunden Laufzeit angesetzt wurde, hörte man bereits berechtigte Kritik und die Frage, ob man ein 380-seitiges Kinderbuch wirklich auf solch eine Länge strecken müsse (zumal es aus persönlicher Sicht des Autors geradezu einem Sakrileg gleichkommt, Tolkiens Welt und Geschichten zu verändern oder auch nur zu ergänzen). Nun ist also auch der dritte Teil der „Hunger Games“-Trilogie in zwei Filme aufgeteilt worden, von denen der Erste gerade die Leinwände erobert.

Nachdem sie ihre ersten Hungerspiele gerade so überlebt hatte und als Dank dafür vom skrupellosen Präsidenten Snow (Donald Sutherland) im nächsten Jahr direkt wieder zur Teilnahme an den Spielen gezwungen wurde, beendete unsere tapfere Lieblingsbogenschützin Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) diese Spiele und den zweiten Film damit, das Kraftfeld um die Arena zu zerstören und sich von Rebellen aus der Arena retten zu lassen. Was Katniss nicht weiß, ist, dass diese Rebellen ihre Basis im zerstört geglaubten District 13 haben und dort auf den Zeitpunkt warten, das militärisch überlegene Capitol angreifen zu können. Praktischerweise haben Katniss‘ Verhalten während der Spiele in vielen Gebieten Panems zu Aufständen und Rebellion geführt, so dass die Rebellen, geführt von der resoluten Präsidentin Coin (Julianne Moore) sich nun für den finalen Krieg rüsten und Katniss als Galionsfigur und Propagandainstrument einsetzen wollen. Was Katniss jedoch noch weiß, ist dass ihr Mitstreiter und Verehrer Peeta (Josh Hutcherson) in der Arena zurückgelassen wurde. Sie willigt ein, den Rebellen zu helfen, wenn diese im Gegenzug versuchen, Peeta und die anderen Tribute, die ihr in der Arena geholfen haben, zu retten.

Das Beste gleich vorweg: Der Film bleibt der Grundstimmung der bisherigen Filme und der Bücher treu. Keine kitschigen Liebesszenen, Happy Ends und lustige Sprüche, während man sich im Kampf um Leben und Tod befindet. Überhaupt wirkt der Film über weite Strecken fast wie ein Kriegsfilm, der trotz seines PG-13-Blockbuster-Status die Auswirkungen und Geschehnisse von Krieg und Zerstörung durchaus ungeschönt und realistisch darstellt. Getreu einem bekannten Internet-Meme gilt also weiterhin die Faustregel, dass sich jeder „Harry Potter“-Fan wünscht, nach Hogwarts zu kommen, jeder „Twilight“-Fan ein Vampir sein will, aber selbst die größten „Hunger Games“-Fans sich wünschen, niemals das Leben von Katniss zu haben und ihr lieber aus der Ferne zusehen.

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Und dies ist auch sehr unterhaltsam, vor allem durch die erneut überdurchschnittlich gute Schauspielerleistung, die der österreichisch-stämmige Regisseur Francis Lawrence nicht nur seiner nicht verwandten Namensvetterin Jennifer Lawrence, sondern seinem gesamten überaus talentierten Cast entlockt (neben den Genannten seien vor allem der inzwischen verstorbene Philip Seymour Hoffman in seinem vorletzten Film erwähnt). Auch begünstigt durch das langsamere Erzähltempo, dass sich der Film durch die oben erläuterte Aufteilung leisten kann, werden die Emotionen und Entwicklungen der Charaktere realistisch und unerwartet tiefgründig ausgespielt.

Trotzdem wirkt der Film wie ein unfertiger Zwischenteil. Das liegt vor allem daran, dass Katniss zum ersten Mal eher passiv ist; wie immer der Spielball höherer Mächte und größerer Pläne, aber bis jetzt hatte sie es immer geschafft, sich genau dagegen zur Wehr zu setzen. Jetzt den unaufhaltsamen Mockingjay zu spielen bereitet ihr sichtliches Unbehagen und sorgt auch für einige gelungene Momente an Gesellschafts- und Medienkritik, die zwar in der gesamten Film- und Buchreihe auftritt, aber sonst eher auf dem Niveau eines Achtklässlers ist, der gerade eine Vier in der Klassenarbeit über „1984“ gekriegt hat. Diese einzelnen Momente und die neue Umgebung für Katniss reichen aber nicht aus, um uns für zwei Stunden zu unterhalten. Zumal sie auch nur in einer Szene selber in den Krieg eingreift, der zwar mit spektakulären und wirklich gut inszenierten Massenszenen, aber eben nicht mit Invoviertheit der Protagonisten aufwarten kann. Hier muss man durchaus Kritik an den Drehbuchautoren üben, da diese zwar an die Vorlage gebunden waren, aber totzdem besseres Pacing und mehr „Action“ hätten zeigen können. Zumal sich die Schlacht um District 2, die am Ende des Films von Präsidentin Coin zwar angekündigt, aber dann doch nicht mehr gezeigt wird, als Finale sehr gut geeignet hätte.

All diese Kritik soll aber nicht über die allgemeine Qualität des Films hinwegtäuschen. Setdesign und Special Effects sehen unverschämt gut aus und behalten trotzdem den dreckigen realitätsnahen Look der ersten Teile bei, die Schauspielerleistung ist für große Blockbuster fast schon überragend und auch die allgemeine Handlung des Films ist vielleicht zu kleinteilig, aber spannend und mitreißend.

Was Fans des Buches, zu denen sich der Autor zählt, schon bekannt ist, darf an dieser Stelle noch einmal aufgeführt werden: Die zweite Hälfte des letzten Romans ist wirklich überragend, die Handlung überraschend und schockierend, die Charakterentwicklungen nachvollziehbar und einnehmend und am Ende versteckt sich tatsächlich noch eine Moral und Aussage, die es wert ist, sich damit zu beschäftigen. Wenn man dafür in Kauf nehmen muss, dass „Mockingjay: Teil 1“ ein wenig wie der Weg zum großen Finale und nicht wie ein eigener Film wirkt, wird das nach dem Abschluss der Saga niemanden mehr stören, so lange bleibt allerdings ein gewisser fader Beigeschmack und eine Erwartungshaltung an alle Beteiligten, es dafür im nächsten Jahr so richtig krachen zu lassen. Dass sie das können, haben sie auch mit diesem Film schon gezeigt! Katniss trifft wieder ins Schwarze, hat den Explosivpfeil aber diesmal noch im Köcher gelassen: 7/10

Autro: Laszlo Horvath

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