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Die Mumie (2017) Review

© Universal Pictures Home Entertainment

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Die beiden Soldaten Nick Morton (Tom Cruise) und Chris Vail (Jake Johnson) bessern sich im kriegsgebeuteten Irak durch illegale Aktivitäten ihr Salär auf. Als bei einem Luftschlag ein altes Grab offengelegt wird, wittern sie das große Geschäft. Doch schon bald ergreift eine/die Mumie (Sofia Boutella) Besitz von Chris, der daraufhin von Nick zur Strecke gebracht wird. Doch damit beginnt der Schrecken erst, denn die Mumie wütet kurz darauf in London weiter. Zum Glück kommt ihnen der mit solchen Extremfällen bewanderte Dr. Henry Jekyll (Russell Crowe) zur Hilfe.

Als „Die Mumie“ 1999 erschien, war die Welt des Kinos noch eine gänzlich andere. Schauspieler unterschrieben in der Regel für nur einen Film, der mit einem überschaubaren Budget eine Geschichte erzählte, die sich auch nur über diesen einen Film erstreckte. Man musste nicht den gesamten Abspann abwarten, um noch eine klitzekleine Szene mitzubekommen, die vielleicht wichtig sein könnte. Sequels waren abhängig von den Einspielergebnissen ihrer direkten Vorgänger und mussten nicht unbedingt die vorherige Geschichte wieder aufgreifen. Heute ist es jedoch fast schon so, als habe ein Film nur dann ein Existenzrecht, wenn er Teil eines größeren Konstrukts ist. Die Geschichte darf nicht zu Ende erzählt sein, sie muss immer weitergehen. Und so befinden wir uns im Jahr 2017 und erhalten mit „Die Mumie“ ein Reboot, das den Spaß für die gesamte Familie von damals in eine Merchandise-Maschinerie von heute verwandeln möchte. Als Auftakt des sogenannten „Dark Universe“ soll er dem Zuschauer Lust auf sehr viel mehr machen, scheitert allerdings an dieser Aufgabe.

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Doch woran liegt das? Man kann die Erklärung in der Standardantwort finden: „Nicht um jeden Film lässt sich ein Universum aufbauen.“ Die Idee, aus der „Mumie“ ein Franchise zu generieren, ist nicht ganz neu, der erste Versuch nannte sich „Scorpion King“ (2002) und bewies schon einmal, dass das Potential der Mumie mit den Hauptfilmen bereits ausgeschöpft war. Auch Tom Cruise als neues Zugpferd der Mumie ist eine Fehlbesetzung, was bei der Tatsache beginnt, dass er mit Ausnahme von Russell Crowe im Schnitt zehn bis fünfzehn Jahre älter als seine Kollegen aus dem Cast ist. Dazu passt die Rolle des schrulligen Entdeckers, der von einer Patsche in die nächste stolpert, perfekt auf Brendan Fraser; Mr. „Mission: Impossible“ Cruise jedoch verkörpert eine ganz andere Art des Actionhelden. Er ist der analysierende Superheld, der sich alle seine Schritte wohl überlegt und in waghalsigen und minutiös geplanten Missionen die Oberhand behält. Dieses Image hat er sich in den letzten Jahrzehnten mit all seinen Rollen aufgebaut („Mission: Impossible“, „Knight and Day“, „Jack Reacher“), ein Stilbruch ist daher schwer zu verkraften.

Auch seine Schauspielkollegen enttäuschen leider oder bleiben zumindest blass. Sogar Russell Crowe scheitert an der Darstellung der dualen Persönlichkeit Dr. Jekyll/Mr. Hyde. Nach der obligatorischen Verwandlung in Mr. Hyde ist kein wirklicher Charakterwechsel im Crowes Schauspiel erkennbar. Mr. Hyde, der literarische Vorgänger des „Unglaublichen Hulk“, wurde selbst in „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (2003) besser umgesetzt. In „Die Mumie“ (2017) wird die Verwandlung zudem visuell kaum unterstützt, weswegen der Effekt der Bedrohung durch die Verwandlung von Dr. Jekyll in Mr. Hyde ziemlich schnell verpufft. Zu all diesen Problemen gesellt sich ein äußerst dünner Plot, der mit vielen Erklärungen aufwarten muss, damit er verständlich ist und bleibt. So wird die Vorgeschichte der Mumie als Prinzessin Ahmanet durch eine Rückblende erzählt, die einen Off-Erzähler benötigt. Überhaupt ist die Mumie als Gegenspielerin äußerst blass, doch dieses Problem haben heutzutage fast alle Blockbuster, weswegen man dem Film das nicht auch noch vorwerfen muss.

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Für den Auftakt eines Universums ist der Film schließlich viel zu klein gehalten. Eine totale Verwüstung der Londoner Innenstadt mag an dieser Tatsache auch nichts mehr ändern. Die CGI-Effekte ermöglichen den Filmemachern zum einen zwar unglaubliche visuelle Kreationen, allerdings kommen sie in ihrer Masse wohl eher aus Kostengründen zum Tragen, da sie zudem relativ einfach umzusetzen sind, hier oft aber nicht wirklich zu überzeugen vermögen. Daher ist „Die Mumie“ ein leider enttäuschender Film, der das Ende des Dark Universe eingeläutet hat, noch bevor sich dieses überhaupt richtig entfalten konnte.

Autor: Mamon Hassani

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