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Die Bestimmung – Divergent (2014) Review

© Concorde Home Entertainment

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Ein junges Mädchen. Eine dystopische Zukunft. Faschisten, die es zu bekämpfen gilt. Und eine große Lovestory. Nein, die Rede ist nicht vom neusten Abenteuer Katniss Everdeens, sondern vom ersten Kino-Einsatz Beatrice „Tris“ Priors (Shailene Woodley). Genau wie Suzanne Collins „The Hunger Games“-Reihe wurde nämlich nun auch die „Divergent“-Serie von Veronica Roth für die Leinwand adaptiert. Und hier sind ebenfalls bereits drei (ggf. sogar vier!) weitere Verfilmungen in Planung. Der erste Film der Reihe mit dem Titel „Die Bestimmung – Divergent“ unter der Regie von Neil Burger („The Illusionist – Nichts ist wie es scheint“, „Ohne Limit“) kam Anfang 2014 in die Kinos und erscheint nun auf DVD, BluRay und als VOD. WirSindMovies lässt es sich natürlich nicht nehmen – wenn auch mit einiger Verspätung – das nächste erfolgversprechende Franchise nun mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Chicago in der Zukunft: abgeschottet, halb verfallen, halb hyper-modern. Dazu unterteilt in fünf unterschiedliche Fraktionen – die Ferox (die Furchtlosen), die Ken (die Gelehrten), die Altruan (die Selbstlosen), die Candor (die Freimütigen) und die Amite (die Freundlichen und Friedfertigen). Alle Jungen und Mädchen müssen sich in dieser Welt mit 16 Jahren einem Test unterziehen, der analysiert, zu welcher der angeführten Klassen sie am ehesten passen. Dennoch dürfen sie sich hinterher frei entscheiden, zu welcher Fraktion sie gehören möchten. Einziger Haken bei der Sache: Fraktion vor Blut! Das heißt, dass die Kinder von ihren Eltern getrennt werden, falls sie sich einer ihrem Elternhaus abweichenden Fraktion anschließen. Caleb (Ansel Elgort) und Tris entscheiden sich bei ihrer Wahl dann auch nicht für die Kaste ihrer Eltern, sondern wählen jeweils eine andere. Tris wird daraufhin zum Mitglied der Ferox, die quasi die Militär- und Polizeiabteilung Chicagos verkörpern. Doch was niemand außer ihr und Tori (Maggie Q), der Frau, die ihren Einstufungstest durchgeführt hat, weiß: Tatsächlich ist Tris eine Unbestimmte, sie vereint mehrere Fraktionseigenschaften in sich und gilt daher als Gefahr für das Gleichgewicht in der Gesellschaft – Unbestimmte werden daher sofort getötet, wenn sie als solche identifiziert werden. Bei den Ferox trifft sie dann auf neue Freunde und auch auf ihre große Liebe, doch zusätzlich stößt sie auf physisch und emotional harte Prüfungen und schon bald soll sie zudem einer gewaltigen Verschwörung auf die Schliche kommen. Ein weiterer Faktor verschärft das Ganze dann noch zusätzlich: Kann Tris die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllen und sich somit bei den Ferox nicht als würdig erweisen, dann landet sie als Fraktionslose auf der Straße und darf auch nicht mehr zu ihren Eltern zurück.

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Natürlich ist „Divergent“ bereits in seinen Grundzügen äußerst plakativ und vielleicht nicht immer glaubwürdig, als Aufhänger für einen Sci-Fi-Actioner mit Lovestory für ein Teenager-Publikum sei dies dem Film aber verziehen. Und auch wenn es mit Tris und ihrem Ausbilder/Love Interest Four (Theo James) im kompletten Film nur zwei dreidimensionale Figuren gibt, so tut auch dies dem Unterhaltungswert fast keinen Abbruch – ärgerlich ist es dennoch, gerade wenn man sieht, dass z.B. Schauspieler wie Jai Courtney und Miles Teller ganz plump als Antagonisten verheizt werden. Dass die beiden nur Idioten spielen dürfen, ist gerade auch deswegen so schade, weil dem Film differenziertere Charakterprofile ziemlich gut getan hätten. Im Endeffekt bekommt das Publikum so nämlich lediglich zwei Faschos serviert, die man halt schlicht und ergreifend nur als (gefährliche) Deppen abstempeln kann. Richtig zu gefallen weiß allerdings die audiovisuelle Gestaltung: Das Zukunftsdesign sieht super aus, der Soundtrack besteht aus hippen aktuellen Songs, der Score von Junkie XL weiß ebenfalls zu überzeugen. Kameramann Alwin H. Küchler („Sunshine“, „Wer ist Hanna?“) darf auch hier wieder sein ästhetisches Geschick unter Beweis stellen, zudem beeindrucken er und Regisseur Neil Burger den Zuschauer gerade in den Halluzinationssequenzen von Tris und Four immer wieder aufs Neue mit coolen Einfällen: stylish, flüssig, verwirrend und immer clever inszeniert.

Negativ ankreiden muss man Burger allerdings, dass er die emotionalen Höhepunkte nie so richtig ausspielt, die betreffenden Szenen sind zwar immer sehr solide, allerdings hat man das Gefühl, dass da eben auch mehr drin gewesen wäre. Wobei der Zuschauer ja ohnehin nur zu den zwei zentralen Charakteren eine wirkliche Bindung aufbaut. Theo James und vor allem der erneut fantastisch aufspielenden Shailene Woodley gelingt es nämlich mit charismatischen Performances, den Zuschauer stets bei der Stange zu halten und mitzureißen. Allerdings krankt die prinzipiell sehr spannend in Szene gesetzte Story gegen Ende am allzu simpel konzipierten Final-Konflikt: Hier hat man es sich dramaturgisch sehr einfach gemacht und auch die Tatsache, dass natürlich die Liebe zwischen Four und Tris schlussendlich allem trotz, ist zwar legitim, aber auch allzu banal.

Divergent 3

Vielleicht ist die ganze Welt, in der die Handlung spielt, im Endeffekt ein Stück weit zu plump und viel zu simpel konzipiert, als Nicht-Kenner der literarischen Vorlage kann ich allerdings nicht beurteilen, ob dieser Umstand bereits auf Roths Buch zurückzuführen ist oder aus der Straffung der Geschichte im Zuge des Medienwechsels resultiert. Man fragt sich eben gerade am Anfang: Warum lassen sich die Menschen dieses System überhaupt gefallen, wenn eine der wichtigsten Instanzen für Zusammenhalt – die Familie – mit Füßen getreten wird? Doch allen Negativ-Punkten zum Trotz überzeugt Burgers Film dennoch: Die tollen Schauwerte, die unterhaltsame Story, das Prinzip „Liebespaar gegen den Rest der Welt“ und die für eine FSK-12-Freigabe sehr ruppige Action heben den Film weit über den Durchschnitt hinaus. Auch wenn nicht alle Darsteller den nötigen Raum zur Entfaltung bekommen, so liefern doch alle einen gewohnt guten Job ab – sowohl die junge Garde, als auch die etwas Älteren wie Maggie Q, Ashley Judd und Kate Winslet. Gerade die Darsteller Ü30 wurden aber größtenteils komplett verheizt und fast ausschließlich zu Nebenfiguren degradiert, die nicht unbedingt solch großer Namen bedurft hätten.

Im direkten Vergleich wirkt die „The Hunger Games“-Reihe zwar insgesamt ein Stück glaubwürdiger und diese hat mit Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen auch die etwas kantigere und besser ausdifferenzierte (Survival-)Heldin zu bieten. Denn diese Figur bezieht ihre Sympathie vor allem daraus, dass sie nie so recht versteht, was um sie herum geschieht und dient somit dem Zuschauer im direkten Vergleich als minimal interessantere Identifikationsfigur. Doch auch Tris hat sich im Pantheon der Film-Heldinnen mit ihrem ersten Abenteuer einen Platz erarbeitet. Die Abenteuer von Katniss sind vielleicht in einigen Belangen einfach noch einen Tick cleverer, was gerade in der Thematisierung medialer Propaganda zutage tritt, aber auch von „Divergent“ dürfen wir definitiv noch viel erwarten. Das High Concept „Teenagerin bekämpft ein faschistisches Regime in einer dystopischen Zukunft (inklusive Love-Story)“ funktioniert also auch in dieser Variante. Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall gespannt, wie es dann im März 2015 mit „Insurgent“, dem zweiten Teil der Reihe, diesmal unter der Regie des Deutschen Robert Schwentke, mit Tris und Four weitergehen wird. Für den guten Auftakt der „Divergent“-Reihe gibt’s hiermit von mir eine wohlverdiente 7/10.

Autor: Markus Schu

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