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Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn (2011) Review

Ich gebe es ganz offen zu, ich bin nicht der größte Fan der Tim und Struppi- Reihe. Weder die zahlreichen Herge-Comics, noch die beliebte Zeichentrickserie konnten mich je hinter meinem warmen Ofen hervor locken. Der clevere Reporter Tim war mir stets eine Spur zu clever und die Geschichten wirkten immer zu lahm erzählt und inszeniert. Das Franchise war für mich also praktisch tot, bis ich eines Tages die Nachricht aufschnappte, Steven Spielberg hätte sich nach Jahrzehnten wieder dem Projekt angenommen und würde sogar auf dem Regiestuhl Platz nehmen. Totgesagte leben ja bekanntlich länger und der Animationsfilm Tim und Struppi hatte es doch tatsächlich wieder auf meinen Filmradar geschafft. Das lag aber nicht nur am Regisseur, sondern auch an der Technik, mit der der ganze Film realisiert werden sollte: Performance-Capture-Verfahren nennt es sich. Dabei werden die Gesichtszüge und Bewegungen von echten Menschen auf computeranimierte Figuren übertragen. Aber Regisseur hin und Technik her, am Ende brauch so ein Streifen auch eine Handlung, die ihn trägt…

Das ist mein Schiff!

In der Geschichte dreht sich alles um die titelgebende Einhorn, ein uraltes Piratenschiff, das Tonnen von Gold beherbergen soll, dann jedoch nach zahlreichen Kämpfen auf dem Meeresgrund versank: dummerweise mit dem Schatz. Natürlich kennt auch niemand den aktuellen Aufenthaltsort des Kutters, aber durch einen glücklichen Zufall gelangt Reporter Tim (Jamie Bell) in den Besitz einer kleineren Modellversion der Einhorn und entdeckt darin auch gleich einen Hinweis auf das Gold. Zusammen mit seinem treuen Gefährten Struppi und seinen trotteligen Ermittlerkumpanen Schultze (Simon Pegg)und Schulze (Nick Frost) macht er sich auch gleich auf die Suche nach der versunkenen Trophäe, bleibt dabei aber nicht unbeobachtet, denn auch der gierige Ivanovich (Daniel Craig) hat es auf das Schiff und seinen Inhalt abgesehen. Mehrmals muss sich Tim dabei seinem Widersacher stellen und entkommt meist nur knapp dem Tod. Gott sei Dank lernt er schon nach kurzer Zeit den kernigen Kapitän Haddock (Andy Serkis)kennen, der, von seinem Schiff vertrieben und in dauerndem Rauschzustand, auf Rache an Ivanovich’s Männern aus ist. Aber nicht nur hier ist Haddock für Tim eine große Hilfe, nein, auch über die Einhorn und seine Geheimnisse scheint er einiges zu wissen.

Machen wir es kurz. Die Handlung mit ihren wenigen Wendepunkte wird keinen vom Hocker hauen. Spielberg schafft es tatsächlich, sowohl alle Stärken, als auch alle Schwächen der Vorlage zu übernehmen. Tim ist ein langweiliger Protagonist und trägt die Geschichte gerade so von Szene zu Szene, während die anderen Nebenfiguren zwar durchaus etwas Pepp in die Story bringen, aber im Endeffekt zu wenig Leinwandzeit bekommen. Pluspunkte bekommt der Film für seine abwechslungsreichen Locations. Von hell erleuchteten Großstädten bis zu staubigen Wüstenabschnitte bekommt das Auge hier einiges geboten.

Dennoch muss man einfach sagen: Hätte man hier einige Schrauben etwas lockerer gedreht und nicht zwanghaft versucht, es Alt- wie Neufans recht zu machen, wäre hier ein weit besserer Film, gar ein Meisterwerk, möglich gewesen. Denn es ist gerade die Geschichte, die einen nicht mitfiebern lässt, zu belanglos wirken die zu lösenden Rätsel, zu schnell setzten sich alle Puzzleteile zu einem Bild zusammen. Warum traue ich meinem Publikum nicht einen Hauch mehr Anspruch zu und warum wage ich nicht, mehr auf die Figur des Reporters Tim einzugehen. Der Mann muss doch wenigstens eine Familie haben können?!? So bleibt NUR eine solide Handlung übrig, getragen von einer rothaarigen Dummy-Puppe.

Von fliegenden Schiffen und fallenden Flugzeugen

Was Spielberg dann aber gerade in der zweiten Hälfte des Abenteuers in technischer Hinsicht anstellt, sollte man wiederum auf jeden Fall gesehen haben. Obwohl dies erst sein erster Kontakt mit der neuen Animationstechnik war, scheint es, als würde er schon ewig damit arbeiten. Da reiht er eine fulminante Actionachterbahnfahrt an die nächste und gibt seinen Zuschauern kaum Zeit zum Luft holen, ohne dabei jedoch die Übersicht zu gefährden. Der Detailreichtum der Charaktere und ihrer Umgebung ist beeindruckend, alles scheint in Bewegung zu sein. Auch der Soundtrack weiß zu gefallen, obwohl das so bekannte Titellied nirgendwo auftaucht.

Fazit

Ich gebe es gerne wieder zu, ich bin immer noch kein großer Fan der Reihe, aber Besserung ist in Sicht, denn einen gewissen Charme und Kultstatus kann man den Figuren nicht absprechen und Altfans werden so oder so begeistert sein. Spielberg inszeniert hier ein sehr rasantes Abenteuer für fast die ganze Familie und hebt den Animationsfilm sogar auf ein neues technisches Level. Jedoch vernachlässigt er dafür sträflich die Handlung und räumt seinen Charakteren auch zu wenig Spielraum ein. Sollte es aber Peter Jackson im, mit Sicherheit kommenden, zweiten Teil gelingen, diese Makel glatt zu bügeln, steht dem ganz großen Wurf nichts mehr im Wege. Dann könnte diese groß angelegte Trilogie auch in die Fußstapfen einer Indianer Jones-Reihe treten. Ja, warum eigentlich nicht? Einen Kinobesuch ist aber auch dieser erste Teil auf jeden Fall wert!


Autor: Max Fischer

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