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Die 5. Welle (2016) Review

© Sony Pictures

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Es ist so eine Sache mit den Verfilmungen so genannter Young-Adult-Romane. Einerseits bieten sie – gerade was Dystopien und Science-Fiction angeht – sehr interessante Konzepte an, andererseits werden diese häufig wegen der Orientierung an einer spezifischen Zielgruppe nicht in letzter Konsequenz umgesetzt. Bei Kritiken führt dies häufig dazu, dass da ein „ganz in Ordnung“, „guter Ansatz, aber…“ herauskommt. Von Fans der Buchreihen kommt oftmals das Urteil, dass die Bücher besser seien. Dies liegt nach meiner kurzen Recherche meist nicht nur daran, dass die Figuren in den Büchern besser beschrieben werden oder sich mehr Details in die Handlung eingepflegt sehen. Sondern vielmehr auch daran, dass in den Büchern wenig Gefangene genommen werden und diese doch kompromissloser daherkommen als ihre filmischen Gegenstücke.

Jetzt kommt also „Die 5. Welle“ in die Kinos, der sich mit der Thematik einer Alien-Invasion beschäftigt. Bislang hat Autor Rick Yancey zwei Bücher geschrieben und das dritte und finale Buch soll im Mai diesen Jahres herauskommen. Also können wir uns darauf einstellen, dass noch drei weitere Filme herauskommen, sollte „Die 5. Welle“ erfolgreich sein und man dem Trend folgt, dritte Teile von Bücherreihen in zwei Filme aufzuteilen. Im Wesentlichen trifft hier schon das zu, was eingangs beschrieben wurde. Der Ansatz ist wirklich interessant: Eines Tages kommen Außerirdische zu Besuch, die natürlich nichts anderes im Sinn haben, als unseren Planeten zu erobern. Da sie diesen dabei so gut wie möglich erhalten wollen, gehen sie taktisch in fünf Wellen vor. Die ersten vier Wellen werden bereits im Trailer beschrieben, während die titelgebende fünfte Welle erst im Laufe des Filmes bekannt wird. Wir verfolgen dabei Cassie (Chloë Grace Moretz), ein junges Mädchen, welches sich nach den ersten vier Wellen durch die nahezu entvölkerte Welt schlägt. Der Clou dabei: Sie kann niemandem trauen, da die Aliens sich in der vierten Welle unter die Menschen gemischt und deren Gestalt angenommen haben.

© Sony Pictures

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So weit, so spannend. Das Konzept weiß zu überzeugen und gerade der Anfang, bei dem der Zuschauer in die Welt eingeführt wird sowie über eine längere Flashback-Sequenz erfährt, wie es Cassie vor der Alien-Invasion und während der ersten vier Wellen ergangen ist und wie es dazu kam, dass sie jetzt auf sich allein gestellt ist, wird sehr dicht erzählt und weiß sofort zu fesseln. Danach sind wir wieder in der Gegenwart, unmittelbar vor der fünften Welle und es geht relativ schnell bergab, weil eben der Teenie-Mist beginnt. Im zweiten Drittel fällt der Film schlichtweg auseinander und auch wenn das letzte Drittel wieder stärker ist, kann es „Die 5. Welle“ nicht vollends retten. Dabei habe ich nichts gegen einen Liebes-Plot, der natürlich auch die Saat für ein mögliches Dreieck setzen muss. Das Ganze wird aber derart lieblos erzählt und dem Zuschauer fällt es unglaublich schwer, überhaupt Empathie für die Figuren zu entwickeln, so dass es einen schlichtweg wütend macht. Dazu kommt die schwache Leistung von Chloë Grace Moretz, die hier die verschiedenen Facetten ihrer Figur mehr oder weniger hölzern rüberbringt.

Die beiden zentralen Messages, die der Film mir vermitteln will, sind ja ganz nett und gehen schon klar, diese werden aber eben so mit dem Holzhammer in mich reingeprügelt, dass ich es einfach nicht ernst nehmen kann. Das liegt natürlich auch mal wieder daran, dass ich nicht der Zielgruppe entspreche und ein Erwachsener einfach nur schmunzeln kann, wenn irgendwelche 16-Jährigen etwas darüber erzählen, was Liebe bedeutet. Trotzdem ist mir das auch mit ein paar Mal Augen-Zudrücken einfach zu plump gewesen. Dazu kommt noch, dass die beiden Twists, die es in der Handlung gibt, einfach zu vorhersehbar sind und man sie schon zwei Meilen gegen den Wind riecht.

Wie gesagt, der Film nimmt gegen Ende wieder Fahrt auf und weiß damit den Zuschauer etwas versöhnlicher zu stimmen. Denn was man auch sagen muss: Hinsichtlich der Brutalität des Gezeigten werden hier tatsächlich wenige Gefangene gemacht. Als Fazit bleibt im Großen und Ganzen, dass man sich „Die 5. Welle“ durchaus angucken kann und für die Spielzeit durchaus ganz gut unterhalten wird. Aufgrund des etwas plump integrierten Liebesplots und der vorhersehbaren Twists bleibt aber im Endeffekt zu viel Potenzial auf der Strecke liegen.

Autor: Torsten Stenske

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