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Der WSM-Jahresrückblick 2015 #8 – Das mieseste Drehbuch

© Disney

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Jakob: „A World Beyond“

Eigentlich wäre diese Kategorie an „Kartoffelsalat“ gegangen, aber da der Film nicht den Eindruck machte, ein Drehbuch gehabt zu haben, sondern maximal zwei mit Erdnussbutter verschmierte Pausenbrotpapiere aus der Mülltonne des Atomtestgeländes von Kim Jong-un als Skript gedient haben können, fällt dies aus. So muss also „A World Beyond“ herhalten, denn was sich Damon Lindelof und Brad Bird bei diesem Drehbuch wirklich gedacht haben, wird man wohl nie erfahren, aber vermutlich hat akute Unlust eine Rolle gespielt. Vom arg bedenklichen Subtext des grauenhaften Disney-Vehikels soll dabei gar erst nicht gesprochen werden. Platte Dialoge, unnötige dramaturgische Umwege, die ohne wirkliche Ausarbeitung des Konfliktes in einer völlig wirren Story münden, jede Menge Plot-Holes, keine adäquate Ausschöpfung des Potenzials der zugrundeliegenden Prämisse, die stattdessen so weit hinausgezögert wird wie nur irgend möglich, ein in drei Minuten abgehandeltes Ende. Ein wenig Roadmovie hier, ein wenig Science-Fiction dort, garniert mit etwas Apokalypse, aber bei weitem nicht ordentlich gekocht, sondern maximal auf kleinster Flamme noch roh von der Platte genommen.

© Universal Pictures

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Markus: „50 Shades of Grey“

„50 Pages of Gähn“ waren wahrscheinlich die Vorlage zu diesem gänzlich uninteressanten Machwerk, bei dem nix romantisch, ästhetisch oder sonst wie unterhaltsam daherkommt. Es geht nur darum, dass eine junge Frau einen Vertrag unterzeichnen soll, damit sie mit einem Milliardär SM-Sex haben kann. Bzw. dass er endlich SM-Sex mit ihr haben kann. Das war’s. Ungelogen. Das ist so romantisch, traurig und spannend wie der Abschluss eines Bausparvertrags. Nein, da kann meine innere Göttin nicht jubeln.

© Tiberius Film

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Laszlo: Ganz klar „Lost River“

Ryan Gosling müsste man meiner Meinung nach sogar verbieten, eine Einkaufsliste zu schreiben. Er sollte sich wieder auf sein Kerngeschäft beschränken, völlig ausdruckslos in die Kamera zu schauen und dabei verdammt gut auszusehen. Quasi eine Kristen Stewart der A-Schauspieler. Auch „Black Mass“ hatte wie bereits erwähnt ein ziemliches Drehbuchproblem, aber Johnny Depp und der Rest des Films retten ihn gerade so.

© Paramount Pictures

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Torsten: „Terminator: Genisys“

Das „Terminator“-Franchise hatte sicherlich schon immer Probleme mit Logiklücken, aber allein das Konzept, welches schon in den Trailern breitgetreten wirkte, ist der bekloppteste Unsinn, den sich je irgendjemand ausgedacht hat. Dabei werden dann gleich noch jegliche Nostalgiker emotional vergewaltigt, indem die unschuldigen Filme „Terminator“ und „Terminator 2″ in diese Grütze verwoben werden. Der Film ergibt nicht nur aufgrund der Zeitreise-Thematik null Sinn, sondern auch, was die Motivationen der Charaktere angeht. Dazu kommen plumpe One-Liner, pseudo-coole Sprüche und zum xten mal „I’ll be back“ und „Come with me, if you want to live“. Achja und der Kerl mit dem österreichischen Dialekt darf die technischen Details und wissenschaftlichen Konstrukte erklären. Es wäre eigentlich lustig, wenn’s nicht so traurig wäre.

© Universal Pictures

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David D.: „Blackhat“

M.I.T.-Superhacker-Neo-Style-Thor-Verschnitt-Waffenguru-Topmodel-John? Ist das eine ernsthafte Figurenzeichnung? Okay, wenn das so ist, dann sehe ich mir natürlich gerne Schauspieler an, die Codes knacken und sich sinnlos in Techtalk ergehen, während das alles überhaupt nichts mit dem Plot zu tun hat. Cool.

© Tobis Film

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Michael: „Southpaw“

Mr. Fuqua, wann drehen Sie endlich wieder einen überzeugenden Film? Nach „Training Day“, „Shooter“ und „King Arthur“ im Director’s Cut warte ich auf den nächsten Männer-Opus. An Ihrer Inszenierung krankte „Southpaw“ sicherlich nicht. Stimmig haben Sie den sozialen Abstieg des Boxers Billy Hope in Szene gesetzt. Doch das Drehbuch ist eine Abfolge von logischen Löchern und gezwungenen dramatischen Wendungen. Vielleicht bedeutet das Remake von „Die glorreichen Sieben“ Ihr glorreiches Comeback.

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