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Der Mann, der vom Himmel fiel (1976) Blu-ray-Kritik

© STUDIOCANAL Home Entertainment

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Nach „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, heute ein Klassiker des Mystery- und Thrillerkinos, kam Nicolas Roeg mit einer Romanadaption zurück, die unter Genrefans kultig gehandelt, aber im Gespräch über Meilensteine der Science-Fiction oft vergessen wird. Generell scheint Roeg des Öfteren das Schicksal des Vergessens heimzusuchen; erinnert sich doch kaum jemand an mehr als Donald Sutherland und die Frau in der roten Jacke. Ein Blick in seine Filmographie lohnt aber allemal. Schon als Kameramann für David Lean, Roger Corman und Francois Truffaut im Einsatz gewesen, schuf er 1971 seinen ersten eigenständigen Film als Regisseur; fünf Jahre später folgte sein Dritter: „Der Mann, der vom Himmel fiel“.

Die Prämisse ist simpel, der Rest überhaupt nicht: Ein reptiloid-humanoider Außerirdischer strandet auf der Erde, um Wasser für seinen verdursteten Heimatplaneten zu sammeln. Mit Hilfe weit fortgeschrittener Technologie gelingt es ihm, ein Milliardenunternehmen auf die Beine zu stellen, um seine eigene Raumfahrt-Mission zu finanzieren. Sein idealistischer Plan verfällt über die Jahre durch Sorgen, die reizvollen Gelüste unserer Erde und schließlich die Behörden, welche eine Bedrohung in ihm sehen. Dabei sollte man erwähnen, um wen es sich bei dem adretten Außerirdischen handelt, der mit blasser Haut und rotem Haar in der Wüste New Mexicos beinahe von Kleinlastern überfahren wird. Niemand anderes als Rocklegende David Bowie wurde engagiert, der so direkt mit einer titelgebenden Hauptrolle ins Filmgeschäft einstieg. Für sein Debüt erhielt er den Saturn Award als bester Schauspieler, zehn Jahre vor seiner wahrscheinlich bekanntesten Rolle in „Labyrinth“.

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Bowie passt sich nahtlos in die Stimmung des Films ein. Laut eigener Aussage zugekokst bis obenhin (wie sich das für einen Film von 1976 nun einmal gehört) wandert er melancholisch bis apathisch durch eine schnell von Alkoholsucht und tragischen Erinnerungen zersetzte Welt. In dieser Hinsicht handelt es sich bei „Der Mann, der vom Himmel fiel“ um einen 70er-Jahre-Sci-Fi-Film, wie er im Buche steht: langsam, ausgefallen, tendenziell deprimierend. Und es wäre kein Nicolas-Roeg-Film, wäre er nicht audiovisuell massiv beeindruckend. Die verlassenen Wüstenabschnitte der Südstaaten flimmern malerisch vor sich hin; in ihrer Ruhe nur durchbrochen von Bowies strahlend roter Frisur. Im Film folgt eine visuelle Idee auf die nächste: bunte Sets, kuriose Farben und Nicolas Roegs besonders markanter Schnittstil, der auch diesen Film zu einer ganz besonderen Erfahrung macht. Kurzum: der Streifen sieht (besonders auf Blu-ray) fantastisch aus. Auch die Musik untermalt das Geschehen ideal mit atmosphärisch-psychedelischen Klängen – schließlich war der Film an sich noch nicht Siebziger genug.

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Die eigenartige Machart könnte den Film für manche Zuschauer über seine 140 Minuten Laufzeit sehr befremdlich, wahrscheinlich eher langweilig wirken lassen, aber für Science-Fiction-Fans ist er ein absolutes Muss und es kann eigentlich niemandem schaden, sich noch einen Film von Nicolas Roeg anzusehen (es schadet auch nie, sich mehr Filme mit David Bowie anzusehen; schließlich war er schon mit Martin Scorsese und Nagisa Oshima unterwegs). Auf der am 18.11. (in Deutschland erstmals) erscheinenden Blu-ray sind zum Film noch eine Handvoll Interviews, Featurettes und Trailer mit beigepackt. Nicht berauschend, aber interessant genug und nette Extras sind immer begrüßenswerter als gar keine Extras.

Autor: Janosch Steinel

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