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Crimson Peak (2015) Review

© Universal Pictures

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Nach Monstern und Robotern besinnt sich der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro mit „Crimson Peak“ wieder auf einen klassischen, wenn auch schlussendlich unspektakulären Historienstoff, der in den Momenten, die entscheiden, ob ein Film nun gut oder schlecht wird, auf Mittelmaß tendiert.

„Crimson Peak“ erzählt die Geschichte einer nerdigen Früh-Feministin, die ohne großes dramaturgisches Tamtam dem Charme des schnöden Tom Hiddleston verfällt und Amerika verlässt, um in durchnässte England ihr Vermögen zu verpulvern. Bereits hier, in der Exposition des Films, klaffen große Lücken in der Nachvollziehbarkeit der Dramaturgie auf, die del Toro nur mit viel Wohlwollen geschlossen bekommt. Es wird zum einen nicht ersichtlich, warum Edith, die als selbstbewusste Einzelgängerin charakterisiert wird, so schnell ihren Traum als Autorin aufgibt und sich verliebt. Zum anderen wirkt es doch arg albern, wie schnell der Tod einer Hauptfigur als Unfall abgetan wird, damit die Handlung zur nächsten Etappe schreiten kann.

Dieser Funktionalismus im Springen von einem zum nächsten dramaturgischen Eckpfahl, egal ob die Landung gelingt oder nicht, zeigt sich auch in der übrigen Figurenzeichnung: Selbst ein Zuschauer, der im Vorfeld nicht einmal den Titel des Films wusste (Anm. d. R.: Der Autor meint sich selbst), weiß, welche weitere Rolle welche Figur spielen wird. Vielleicht ist dieser Fatalismus dem Genre oder der klassischen Horroridee geschuldet, oftmals erkranken diese Genre-Filme an den immer gleichen Problemen. Vielleicht. Doch ist das dann ein substanzielles Problem und so oder so ein Problem von „Crimson Peak“. del Toro gelingt es zwar, bitter aufstoßende Klischees zu umkurven, doch Spannung kommt selten auf, weil das Auge des Zuschauers für die einfachen Taschenspielertricks zu geschult sind. Es fehlt in jeder Hinsicht an Eleganz und Klasse, um sich von der Genre-Falle zu emanzipieren, doch ist der Film gleichwohl auch davon entfernt, wirklich Schund zu sein. „Crimson Peak“ ist also irgendwo ein ärgerlicher Film.

© Universal Pictures

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Horrorfilme oder solche, die Elemente davon verwenden, ziehen ihre Kraft oft aus dem Unklaren und Unbekannten, ob im Bild selbst oder in der Informationsweitergabe, die sich dann in der Psyche des Zuschauers individuell entfaltet und für wohliges Grauen sorgen soll. Del Toro aber erklärt zu viel, zeigt seine Geister zu plump und im schlechtem CGI, was am Ende auch dem zartbesaiteten Zuschauer auffallen mag. Es ist richtig, der Mexikaner beherrscht sein Handwerk solide, doch ist es kein Zufall, dass er gerade dann sein Publikum zu schockieren weiß, wenn er sich nicht mit Computertricks überfordert, sondern vermehrt auf Maske, Ton und Licht setzt, sozusagen das Grundrepertoire eines jeden Horrorregisseurs ausspielt. Doch dies passiert eigentlich nur ein einziges Mal. Ein wirklicher Horrorfilm wird „Crimson Peak“ dadurch also nicht, weil zudem die Übernatürlichkeit im Film nur eine handlungsdramaturgische Randnotiz spielt – oder wie del Toro es durch seine eigene Hauptfigur verlauten lässt: Geister sind nur eine Metapher für das Vergangene. Und: Geistergeschichten brauchen eine Liebesgeschichte!

Was wir hier also sehen, changiert irgendwo zwischen Historiendrama und Romanze, schafft es aber durch del Toros Sinn für Atmosphäre und Score, durch sein Auge für Raum und Blickkader, sich irgendwo im Fantasy-Mittelmaß zu stabilisieren. Das alles wirkt so wie ein altes und eingerittenes Pferd, fest im Sattel und ohne große Austritte, ein Gaul, welcher eigentlich nur nach Hause gebracht werden will. Der Ausflug war seicht, den Ausblick auf die Landschaft kannte man bereits zur Genüge: Schön, dass wir wieder da sind. Was machen wir als nächstes? Irgendwas mit Robotern und Monstern!

Autor: Lucas Curstädt

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