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Codename U.N.C.L.E. (2015) Review

© Warner Bros.

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Vier Jahre nach Guy Ritchies Versionen des Sherlock-Holmes-Stoffes (über die seit der BBC-Serie mit Cumberbatch kaum noch jemand spricht) versucht sich der häufig als „britische Antwort auf Tarantino“ betitelte Regisseur diesmal an einer Serienadaption. Das hört sich in Zeiten, in denen es die Regel zu sein scheint, Filmvorlagen nochmal als Serie aufzublasen, fast schon wieder erfrischend an. „Codename U.N.C.L.E.“ (OT: „The Man From U.N.C.L.E.“) ist eine flott inszenierte, äußerst stylische Agentenkomödie, die zwar im Endeffekt recht belanglos ist, über ihre knapp zwei Stunden Laufzeit aber angenehm unterhält.

Verortet ist das Geschehen in den frühen 1960ern, im Kalten Krieg. Der Ex-Sträfling Napoleon Solo (Henry Cavill – der aktuelle Superman), mittlerweile CIA-Agent, wird von seiner Geheimorganisation U.N.C.L.E. gezwungen, für einen Auftrag mit dem russischen KGB-Agenten Ilya Kuryakin (Armie Hammer – „The Lone Ranger“) zusammenzuarbeiten, um eine italienische Verbrecherorganisation zur Strecke zu bringen. Altbekanntes Problem im Genre: Die Organisation verfügt über Nuklearwaffen, stellt somit eine Bedrohung für die ganze Welt dar, und muss aufgehalten werden. Dabei soll ihnen Gaby Teller (Alicia Vikander – „Ex Machina“) helfen, die unauffällig Kontakt zum Inneren der Organisation herstellen kann. 

Die Geschichte liest sich sehr konventionell, und hier sollte man auch wenig Überraschungen erwarten – die kleinen Spitzen und Konventionsbrechungen finden eher in Details statt. Größtenteils bleibt Ritchie aber bei typischen Agentenklischees, die mal variiert und mal überhöht werden, den Film jedoch nie wirklich über sein Genre hinauswachsen lassen können. Da traute sich „Kingsman: The Secret Service“ nur wenige Monate zuvor doch um einiges mehr, und dekonstruierte im Minutentakt Topoi aus der James-Bond-Schublade. „Codename U.N.C.L.E.“ bleibt da sehr klassisch, und ist deswegen als Agentenkomödie schön anzusehen, liefert aber wenig Mehrwert.

© Warner Bros.

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Was Ritchie immer noch kann und in diesem Film hervorragend ausspielt ist, Style. Der Film sieht durchgehend fantastisch aus, die 60er-Jahre-Kulisse von Rom (späterer Hauptschauplatz) in Zusammenspiel mit der großartigen Ausstattung ist wunderbar anzusehen – die Sets und Bauten wirken nicht wie artifiziell glänzende Plastiken; obwohl der Film einen sehr sauberen und hochwertigen Look hat, rutschen die Kulissen nicht ins Künstliche ab. Das tun dafür leider die Figuren – mehr als Destillate von Agenten-Klischees wird man kaum bekommen – Alicia Vikanders Figur sticht noch am meisten als etwas undurchsichtiger und schwierig zu fassender Charakter heraus. Die übrigen fühlen sich in der ironisierenden Tonalität recht wohl und spielen ihre recht eindimensionalen Parts ziemlich überbetont (allen voran: Elizabeth Debicki als Chefin der italienischen Organisation) – obwohl vermutlich kaum noch jemand die Originalserie kennt, meint man sich manchmal daran erinnert zu fühlen. Die Charaktere wirken damit sehr wie in einer Agentenkomödie, wie sie eben in den 1960ern entstanden wäre, wodurch das ganze wohl seine Berechtigung erhält. Das ist dann eben auch belanglos und wenig interessant – durchaus aber unterhaltsam, erwartet man keine tiefergehende Psychologisierung der Figuren.

 Ein Highlight ist der sehr gut ausgewählte Soundtrack: Zu Beginn deutscher Schlager, später italienische 60’s-Popsongs, geadelt durch „Polizieschi“-Stücke von Stelvio Cipriani und Ennio Morricone – die Songs gehen ein fantastisches Wechselspiel mit den Schauplätzen ein, dramatisieren manchmal das Geschehen ironisch und fungieren als Unterlegung für Ritchies Musikvideo-Montagen. Wieder gilt: style over substance, ob das stört oder Spaß macht, ist Geschmackssache. Wem jedoch schon die frühen Ritchie Werke („Snatch“ und Co.) zu durchgestylt und „cool“ waren, dem wird das hier auch nicht zusagen.

Am Ende kommt es wohl auf die Erwartungshaltung an. Als fast schon eskapistischer Agentenfilm mit Fokus auf schönen Bildern, schönen Menschen und schöner Musik funktioniert „Codename U.N.C.L.E.“ wunderbar und unterhält gut – wer ein ähnlich starkes Bewusstsein um und ein Spiel mit den Konventionen des Genres erwartet, der wird wohl enttäuscht. Vermutlich war sich Guy Ritchie sehr bewusst um die erwarteten Topoi und spielt sie jetzt mit einer leicht ironischen Note doppelt so laut, damit sie auch jeder mitbekommt. Das ist nicht der innovativste Ansatz, tut aber auch keinem wirklich weh.

Autor: Roman Widera

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