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Cinestrange Filmfestival – Tag 1: „Prisoner X“ (2016) und „Fliegende Untertassen greifen an“ (1956)

© Telefilm Canada / Federgreen Entertainment Inc. / Sir Harry Films Inc.

© Telefilm Canada / Federgreen Entertainment Inc. / Sir Harry Films Inc.

Prisoner X (CAN 2016)

Ein zeitreisender Terrorist, festgehalten in einem geheimen Hochsicherheitsgefängnis, verhört und befragt von verschiedenen Agenten, welche die auf diesem Weg erhaltenen Informationen als Basis für Militäreinsätze nutzen, was mit der Zeit ganz fürchterlich schiefgeht. Moment…ein zeitreisender Terrorist? Nun ja, gab es auch noch nicht. Aus dieser Prämisse macht der kanadische Regisseur Gaurav Seth einen kammerspielartigen Thriller, der den Großteil seiner Zeit in den klaustrophobischen Gängen und Räumen des unterirdischen Gefängnisses spielt und auf diese Weise sein geringes Budget recht gut auszugleichen vermag, da entschuldigt man auch die eine oder andere Ungereimtheit beim Aufbau der Handlung. Doch „Prisoner X“ zieht sich immer mal wieder ein wenig und vermag nicht über die volle Laufzeit von 90 Minuten dauerhaft zu tragen. Warum muss Agentin Carmen Reese (Michelle Nolden), die Protagonistin, beispielsweise unbedingt noch eine tragische Backstory verpasst bekommen, die jedem Zuschauer klar sein dürfte, nachdem sie das erste Mal auf der Leinwand zu sehen war? Etwas Straffung hier, etwas Kürzung da; zwei, drei unnötig verkomplizierende Plotpoints weniger und der Film hätte als knackiger 75-Minüter vermutlich deutlich besser funktioniert. Vielleicht hätte man dabei auch gleich den etwas penetranten Einsatz von grauen Farbfiltern reduzieren können. Was wiederum im Sande verläuft, sind Carmens Halluzinationen in der Abgeschiedenheit des Gefängniskomplexes, hier wurde Potenzial verschenkt, den Film noch etwas surreal-packender zu machen. Der doppelte Twist am Ende funktioniert hingegen recht gut und zumindest der zweite vermag tatsächlich nachhaltig zu überraschen, auch wenn dadurch die Atmosphäre von „Prisoner X“ ein wenig über Bord geworfen wird. Der Film weiß somit durchaus gute Ansätze aufzuweisen, kann jedoch auch trotz einiger spitzer Zwischentöne bezüglich der US-amerikanischen Außenpolitik der letzten Jahre nicht vollumfänglich überzeugen. „Prisoner X“ hat gute Momente, kommt allerdings etwas zu langsam in Schwung und lässt seinen Spannungsaufbau manchmal etwas schleifen. Bislang gibt es kein deutsches Veröffentlichungsdatum.

Fliegende Untertassen greifen an (Earth vs. the Flying Saucers, USA 1956; Retrospektive)

Der Name Ray Harryhausen dürfte vielen eingefleischten Filmfans vermutlich ein Begriff sein, ist er doch quasi der Godfather of Special Effects, bekannt für seine bahnbrechende Arbeit an Filmen wie „The Beast from 20.000 Fathoms“ (Panik in New York, 1953), „Sindbads siebente Reise“ (1958), „Jason und die Argonauten“ (1963) oder „Kampf der Titanen“ (1981). Und eben „Earth vs. the Flying Saucers“, ein klassischer Science-Fiction-Invasionsfilm der 1950er-Jahre, in welchem die Menschheit und dabei natürlich insbesondere die Bevölkerung der USA außerirdische Angreifer bekämpfen muss. Die Effekte sind für das geringe Budget, das Harryhausen zur Verfügung stand sowie in Anbetracht der Entstehungszeit des Filmes schlicht überragend, den UFOs, die dort über Washington fliegen, sieht man ihre Trick-Herkunft nicht an. Auch wenn der Film in einigen Punkten natürlich etwas aus der Zeit gefallen wirkt, was insbesondere das Design der Außerirdischen angeht (wo der Produktion tatsächlich das Geld ausgegangen war) und auch wenn der Aufbau der Story sich häufig sehr auf praktische Zufälle als gestaltendes Moment verlässt, so ist „Earth vs. the Flying Saucers“ doch mit viel Liebe zum Detail sowie einem hohen Maß an kreativem Ausdruck gestaltet und stellt einen charmant-nostalgischen Throwback in die Ära des Classical Hollywood dar. Auf dem Cinestrange Filmfestival lief als Europapremiere die unter Aufsicht von Ray Harryhausen angefertigte, aufwändig nachkolorierte Fassung des Filmes, die in Deutschland bislang nicht erschienen ist, sich jedoch beispielsweise auf der britischen DVD-Special-Edition sowie der britischen Blu-ray befindet.

Autor: Jakob Larisch

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