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Cannes 2012: Die großen, kleinen Stars!

Cannes gilt als der unbestrittene König der Filmfestspiele. Auch wenn das Berlin und Venedig gerne nicht so sehen würden, sagt die neutrale Öffentlichkeit etwas anderes. Cannes zu dieser Jahreszeit, das ist ein Ort, an dem viele Menschen lieber ihre Zeit in dunklen Kinos verbringen, anstatt sich der strahlenden Sonne Frankreichs hinzugeben. Und nicht zuletzt ist Cannes ein Platz der kochenden Emotionen. Hier dürfen Filmkritiker noch während der Vorstellung schreien, ihrer Wut Luft machen, wenn mal wieder so ein schnöder Möchtegernstreifen ihre geschulten Sinne belästigt. Und genauso dürfen sie jubeln, feiern und ihre Lieblingswerke in den Himmel loben. Wer Cannes kennt, weiß, dass hier jeder wutentbrannte Journalist sein entsprechendes Gegenstück findet.

Aber wer will das diesen guten Menschen schon verübeln. Während sich die ersten Sommerblockbuster für den Ansturm der Massen vorbereiten, werden in Cannes schon längst die Highlights des Jahres gefeiert. Zwar ist auch hier sicherlich nicht jeder Film sein Geld wert, doch Werke, die bei diesem Festival laufen, steigern ihren Marktwert um einiges.
Und alles wollen sie nur eines: Die Palme, nein die goldene Palme, der Hauptpreis der Veranstaltung! Denn diese öffnet dem Künstler auf Umwegen Tür und Tor, ob in Hollywood oder sonst wo. Da ist es schon fast erstaunlich, dass dieses Jahr vor allem alte Herren und bekannte Preisträger zu den Ausgezeichneten gehörten, aber auch hier möchte man nicht meckern. Wir sind schließlich nicht bei den Oscars, auch wenn Brad Pitt (schneidig) da war.

Doch abseits der Gewinner und Verlierer gab es eine Entwicklung, die meine Aufmerksamkeit schon vor dem eigentlichen Beginn des Festes auf sich zog. Wer die Liste der Teilnehmerfilme durchging, musste erstaunt feststellen, dass eine unglaubliche Fülle an Hollywood- Jungdarstellern sich einen Platz in eben diesen erkämpft hatte. Das begann mit Twilight- Vampir Robert Pattinson, der im neuen Werk von David Cronenberg einen exzentrischen Millionär verkörpert und endete bei Josh Hutcherson (Die Tribute von Panem), der eine Rolle im Episodenfilm „7 Days in Havana“ übernahm. Ich könnte die Liste jetzt mit Namen wie Kristen Stewart (On the Road), Zac Efron (The Paperboy), Shia LaBeouf (Lawless) und Garrett Hedlund (On the Road) weiterführen, was ich jetzt auch einfach mal mache. Nicht vergessen darf man auch die zahlreichen Kinderschauspieler aus „Moonrise Kingdom“ und „Mud“ zum Beispiel. Aber was hat das zu bedeuten? Rüstet sich die Traumfabrik für die nächste Jahrzehnten und baut hier seine neue Armee von Charakterdarstellern auf? Wohl eher nicht, schließlich hat das Studiosystem (allen Gegenstimmen zum Trotz) seine besten Tage schon hinter sich. Also muss die Entscheidung für diese Jobs von den Darstellern selbst gekommen sein oder ihren Agenten. Doch welcher gestandene Regisseur entscheidet sich für diese verwöhnten Bälger? Ich meine, ist Rob Schneider wirklich schon so alt???

Man kann es drehen wie man will, aber die wahrscheinlichste Antwort ist auch gleichzeitig die schmeichelhafteste. Beide Parteien gingen hier eine besondere Art der Symbiose nach dem Motto „du bringst mir mehr Einnahmen und dafür darfst du zeigen, was du wirklich kannst“ ein. Uns soll das aber nicht stören, denn laut ersten Kritikerstimmen bewegten sich alle Darstellungen alle in einem annehmbaren Rahmen und das kann dem Kino insgesamt nur gut tun. Wie ich bereits einmal sagte, wird vor allem der Hollywood- Film in naher Zukunft neue Charaktere brauchen und da dürfte es nicht schaden, wenn diese nicht nur einen Gesichtsausdruck drauf haben, nämlich den, wenn es Preise zu verteilen gibt. Oder wie es der Billy Bean aus dem Streifen „Moneyball“ vielleicht ausdrücken würde: „Es gibt Robert de Niro, es gibt Robert Pattinson, dann kommt eine ganze Weile nur Müll und dann kommt Steven Seagal.“ Kleiner Scherz.

Womit ich wieder beim Thema Auszeichnungen bin, denn die gab es natürlich dieses Jahr auch:

Wettbewerb:

Goldene Palme: „Liebe“ von Michael Haneke

Großer Preis der Jury: Matteo Garrone für „Reality“

Beste Regie: Carlos Reygadas für „Post Tenebras Lux“

Bester Darsteller: Mads Mikkelsen in „The Hunt“ von Thomas Vinterberg

Beste Darstellerin: Cristina Flutur und Cosmina Stratan für „Beyond the Hills“ von Cristian Mungiu

Bestes Drehbuch: Cristian Mungiu für „Beyond the Hills“

Jury-Preis: „The Angels‘ Share“ von Ken Loach

Caméra d’Or (für den besten Erstlingsfilm – sektionenübergreifend): „Beasts of the Southern Wild“

Un Certain Regard (Nebenreihe)

Grand Prix: „Después de Lucia“ von Michel Franco

Spezialpreis der Jury: „Le Grand Soir“ von Benoît Delépine und Gustave Kervern

Bester Darsteller: Emilie Dequenne für „A perdre la raison“ von Joachim Lafosse

Beste Darstellerin: Suzanne Clément für „Laurence Anyways“ von Xavier Dolan

Besondere Erwähnung der Jury: „Djeca“ von Aida Begic

Trailer for Michael Hanekes „Amour“

Autor:Max Fischer

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