Einen Kommentar hinterlassen

Brücke nach Terabithia (2007) Review

Es waren einmal ein Junge (Josh Hutcherson) und ein Mädchen (Annasophia Robb), beides Außenseiter in ihren Leben. Er hat Probleme mit seiner Familie, sowie bösartige Klassenkameraden. Sie ist neu in der Stadt, hat keine Freunde und muss sich für ihre ungewöhnliche Lebensweise jeden Tag auf’s neue bösen Sticheleien stellen. Doch beide stecken so voller Talent und kleiner Träume, dass sie schließlich zusammenfinden und gemeinsam die Scheinwelt „Terabithia“ in ihren Köpfen erschaffen. In einem benachbarten Waldstück treffen sie sich regelmäßig, um ihre Fantasien auszuleben. In dieser Welt sind sie die Könige. Auf der einen Seite Flucht vor der unbarmherzigen Wirklichkeit, auf der anderen unerschöpflicher Topf versteckter Kreativität, bietet ihnen diese Imagination Raum zum Lernen über andere und sich selbst. Doch auch in „Terabithia“ gibt es Probleme, die es zu bewältigen gilt und schon bald verwischen die Grenzen zwischen Realität und Traum. Die kleinen Herrscher scheinen bei ihrer eigenen Kreation versagt zu haben. Doch Mut überdauert auch die stärkste Trauer und tiefer Fall bedeutet nicht gleich das Ende…

Die Größe steckt im Detail

Bei der Geschichte, basierend auf dem Jugendroman „Die Brücke ins andere Land“ von Katherine Paterson, handelt es sich zwar nicht um ein Märchen im eigentlichen Sinne, weniger märchenhaft macht das den Film aber auf keinen Fall. Verschiedene unfassbar magische Einzelmomente verbinden sich hier zu einem homogen Gesamtbild, sodass man den Blick nicht mehr abwenden kann. Die Handlung mag zwar zunächst relativ naiv wirken und vielleicht ist sie das auch, doch in diesen gut 90- Minuten steckt soviel mehr, als man zunächst vermuten mag. Die Kamera, die etwas länger als nötig auf den Eltern des Jungen ruht, die anscheinend in finanzieller Not gefangen sind, gibt einen Einblick auf die Arbeiterfamilie des kleinbürgerlichen Amerika. Die grimmige Schulleiterin, von allen gehasst, öffnet sich in einem Moment größter Trauer wie eine lange geschlossene Blume und die schlimme Schulhofschlägerin, deren Gestenrepertoire nur aus der geballten Faust zu bestehen scheint, hat es vermutlich von Haus aus nicht anders gelernt. Es ist ein Streifen voller versteckter Andeutungen und unausgesprochener Wahrheiten, die sich auch durch die zentrale Rahmenhandlung ziehen. Regisseur Gabor Csupot lässt sich Zeit, um die Entwicklung seiner beiden Hauptprotagonisten glaubhaft darzustellen, geht bei der Figurenzeichnung selbst aber nicht zu tief, um die Identifikation gerade für die kleinen Zuschauer nicht zu schwer zu gestalten. Ein Kompromiss? Mit Sicherheit! Man könnte sich auch darüber streiten, ob man nicht lieber die ganzen bereits genannten Nebenhandlungen mehr Raum eingeräumt hätte, um so der Geschichte einen festen Unterbau zu geben.

Vielleicht ist es aber auch diese Unbekümmertheit aller Beteiligten, die dem Werk dieses gewisse Etwas geben. Harmlos wird die Story dadurch keineswegs. Gerade der letzte Teil bringt noch mal einen neuen Themenkomplex ins Spiel, den man so nur in wenigen Genrebeiträgen finden wird. Am Ende bleibt es aber, ganz im Sinne des Films, der Fantasie des Publikums überlassen, wie sie einzelne Szenen gewichten.

Die Zukunft gehört den Kindern

Es gibt jedoch noch einen weiteren Punkt, der den Streifen gegenüber ähnlichen Geschichten zum glänzen bringt. Sicher Csupot inszeniert solide, ordnet beinahe alles der Haupthandlung unter. Der Soundtrack weiß zu gefallen und geht schnell ins Ohr und auch der Ideenreichtum bei den CGI- Monstern, sollte, vor allem im Vergleich mit den Äquivalenten in „Narnia“, extra gelobt werden. Am Ende sind es aber die Hauptdarsteller, die den Unterschied machen. Josh Hutcherson, der zu dieser Zeit schon etwas Hollywoodluft schnuppern durfte, spielt die Figur des unsicheren Jungen verdammt gut. Mal eingeschüchtert, mal voller Tatendrang wechselt Hutcherson gekonnt zwischen den Bühnen. Aber es geht noch besser. Annasophia Robb holt aus ihrer tragischen Heldin noch etwas mehr raus. Man müsste tatsächlich tief graben, um eine annähernd gute Leistung einer Jungdarstellerin in der Vergangenheit zu finden. Das Loch würde vielleicht bei Dakota Fanning in „Ich bin Sam“ enden, sicher bin ich mir da aber nicht. Ihr stets selbstbewusstes Mädchen, blieb mir bis zum Schluss ein wunderbares Rätsel. Immer etwas distanziert und doch berührend, erwachsen und zugleich kindlich, wirkt Robb in jeder Szene wie ein Jungbrunnen für den Film. Nie waren diese beiden besser und lauter konnte man in Richtung Hollywood nicht schreien. Während Hutcherson’s Ruf erhöht wurde ( „The Kids are all right“ oder „Die Tribute von Panem“ befinden sich in seiner Filmographie), blieb der von Robb in stummen Gefilden liegen. Dabei scheint es vor allem die mangelhafte Rollenauswahl zu sein, die ihr zu schaffen macht. Hoffen wir für die Zukunft das Beste, denn Talente gibt es nie genug.

Fazit

Zuschauer, die sich nicht von der fehlgeleiteten Marketingkampagne zu „Die Brücke nach Terabithia“ abschrecken lassen (man denke nur an den grausamen Trailer), erhalten hier eine märchenhafte Coming of Age-Story über Freundschaft und die erste Liebe. Eine wundersame Magie scheint von dem Werk Besitz ergriffen zu haben, die schlussendlich den aufgeschlossenen Betrachter in seinen Bann zieht. Emotional, schauspielerisch Top, herrlich naiv und gleichzeitig auch eine Lehrstunde für ältere Semester oder wie der Film sagen würde: „Schließ die Augen, dann siehst du noch viel mehr“!

Autor: Max Fischer

Leave a Reply