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Brennender Tod (Night of the Big Heat, 1967) Blu-ray-Kritik

© Koch Films

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Auf der britischen Insel Fara herrschen mitten im Februar ungewöhnlich hohe Temperaturen. Steckt der Eigenbrötler Godfrey Hanson (Christopher Lee) dahinter, der sich mit wissenschaftlicher Apparatur im Gästezimmer einer Bar einschließt? Oder ist er gar der Ursache des ungewöhnlichen Wetters auf der Spur und verschweigt seine Vermutungen nur, um die Inselbewohner nicht zu beunruhigen? Die Temperaturen steigen, Menschen beginnen zu sterben und Hanson ist der Mann der Stunde…

Nach dem Erfolg von „Insel des Schreckens“ („Island of Terror“, 1966) wollte die Verleih- und Produktionsfirma Planet Film schnell einen Folgefilm in die Kinos bringen und verpflichtete dazu erneut die beiden Horror-Alumni Regisseur Terence Fisher und Star Peter Cushing. Für die Hauptrolle stieß dieses Mal außerdem Christopher Lee hinzu und so war das Hammer-Horror-Dreamteam hinter „Frankensteins Fluch“ („The Curse of Frankenstein“, 1957) und „Dracula“ (1958) wieder vollständig vereint. Trotz dieser vielversprechenden Besetzung sollte „Brennender Tod“ Planets letzter Film sein; er konnte nicht an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen. Auch die US-Zweitauswertung, bei der man den Titel zu „Island of the Burning Damned“ änderte, um an „Island of Terror“ zu erinnern, konnte die Produktionskosten nicht wieder einspielen; sogar eine französische Version, für die eigens mit Doubles gedrehte Sexszenen in den Film eingefügt worden waren, scheiterte an den Kinokassen. Planet Film musste schließen. Dabei ist „Brennender Tod“ eigentlich der kompetentere und interessantere der zwei Filme, die Terence Fisher für Planet inszeniert hat, kein Meisterwerk natürlich, sogar weit davon entfernt, aber doch schaubar.

Sofort fallen die offensichtlichen Gemeinsamkeiten mit dem Vorgängerfilm auf: Erneut wird eine Inselgemeinde Opfer mysteriöser Todesfälle – diesmal sind die Täter nicht umherkriechende Tentakel-Kuhfladen, die ihren Opfern die Knochen aus dem Körper saugen, sondern (bis kurz vor Filmende) unsichtbare Wärmewellen-Aliens, die auf der Suche nach Energiequellen aufgefundene Lebewesen qualvoll zu Tode erhitzen und als Aschehaufen zurücklassen. Wieder muss ein Team (das mindestens einen Hammer-Film-Schauspieler enthält) eine Möglichkeit finden, die Dinger loszuwerden. Lee erscheint hier als ernster Wissenschaftler mit Brille ungewohnt und auch Cushing, der einen Dorfansässigen mit ironischem Understatement spielt, ist ungewöhnlich besetzt.

Wirkte „Insel des Schreckens“ eher uninspiriert und abgespult, scheint sich Fisher hier etwas mehr Mühe zu geben. Bis zu den letzten Minuten bleiben die Außerirdischen ein Mysterium und so übt die Inszenierung sich in gekonntem Spannungsaufbau. Da die Wesen über Radio- und Fernsehwellen oder Telefonleitungen auf die Erde gelangen, kündigt sich ihre Ankunft immer durch ominöses Rauschen der Endgeräte an (ein Callback zum elektronischen Sounddesign, das das Auftreten der silicates in „Insel des Schreckens“ begleitete). Die langsam näherkriechende Point-of-View-Todeskamera in Kombination mit Overacting-Meisterleistungen an Kreischtoden bleibt uns allerdings nicht erspart. Der Film verwehrt allgemein nicht eines gewissen Camp-Flairs: Die offensichtlichen Day-for-Night-Aufnahmen der Nachtszenen, ein repetitives, unfreiwillig komisches Sounddesign und eine etwas übermotivierte Orchestrierung der Filmmusik sorgen für Erheiterung. Leider kann die vorgelegte Mediabook-Edition von Koch Media nur mit mäßiger, stark variierender Bildqualität und teils zerrendem Ton aufwarten.

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Der Subplot um die ehemalige Geliebte (Jane Merrows) eines Schriftstellers (Patrick Allen), die in seinem Leben wieder auftaucht, um sich zwischen ihn und seine Frau (Sarah Lawson) zu drängen, kann sich allerdings sehen lassen und ist mit das Interessanteste an diesem Film. Die titelgebende große Hitze ist nicht nur eine wetterbedingte, wie sich zeigt, sondern auch eine innere. Alle Männer drehen den Kopf nach Merrows‘ Figur (im doppelten Wortsinn) und einer von ihnen versucht sogar, sie zu vergewaltigen. Es geht hitzig zu, für die Entstehungszeit des Films sogar drastisch. „I wanted her. I wanted her body. She was a slut and I wanted her. She’s no more than a common slut!“, ruft der Schriftsteller beschwichtigend seiner Frau zu, als sie die beiden eng umschlungen erwischt. Hitzig, in der Tat. Der geneigte Zuschauer hingegen, obwohl durchaus eingenommen von Merrows Bikiniauftritt, will einen ganz anderen Körper sehen: den der Aliens. Er muss bis zum Schluss des Films warten und wird bitter enttäuscht.

Der enthaltene Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Volker Kronz ist, wie schon bei der Mediabook-Ausgabe von „Island of Terror“, beinahe unterhaltsamer als der Film selbst. Erneut präsentiert Dr. Giesen zu Beginn eine steile These („Es ist ein glänzend besetzter Film mit einem ganz, ganz großen Thema – es geht um das Thema Klimawandel. Dieser Film ist seiner Zeit 50 Jahre voraus“), und erneut weiß man nicht, ob man das ernst nehmen darf. Aber egal: Die These ist schnell vergessen und das Kommentatoren-Team wendet sich allerlei interessanten Filmfakten zu, die mit „Night of the Big Heat“ nur peripher in Verbindung stehen. Es dauert ganze 15 Minuten, bis Giesen zu einer ausladenden Interpretation von „2001: Odyssee im Weltraum“ („2001: A Space Odyssey“, 1968) ansetzt, in der er das space child am Ende des Films mit dem indischen Gott Shiva gleichsetzt. Giesen übersetzt impromptu mehrere englische Filmkritiken, regt sich über modernes Kinoprogramm auf („die Marvel-Kacke rauf und runter“) und lässt dabei seine Gesprächspartner überhaupt kaum zu Wort kommen.

Der zweite Audiokommentar wurde 2003 mit Christopher Lee und den Autoren Pip und Jane Baker sowie Moderator Marcus Hearn aufgezeichnet und lohnt sich vor allem wegen ersterem: Lee erzählt von seiner Freundschaft zu Peter Cushing, er spekuliert über den noch zu erscheinenden Mel-Gibson-Film über Jesus („Die Passion Christi“/„The Passion of the Christ“, 2004) und gibt ein gutes, zusammenfassendes Schlusswort angesichts des enttäuschenden Endes von „Brennender Tod“: „It doesn’t, unfortunately, work. How many films do?”

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Die Edition: Das Mediabook von Koch Media enthält eine Blu-ray- und eine DVD-Fassung des Films mit den zwei Regiekommentaren, einer Bildergalerie sowie einem Interview mit Lee, in dem er auf seine Filmkarriere zurückblickt. Außerdem enthalten ist ein 20-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph Huber. Die Edition ist seit dem 13. Juni 2019 erhältlich.

Autor: Paul Quast

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