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Bohemian Rhapsody (2018) Review

© 20th Century Fox

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Der junge Modestudent Farrokh Bulsara (Rami Malek) verfolgt als Roadie die Auftritte der lokalen Studentenband „Smile“. Nach einem Auftritt in einem Pub spricht Bulsara die beiden Bandmitglieder Brian May (Gwilym Lee) und Roger Taylor (Ben Hardy) an und übergibt ihnen einige Vorschläge zu neuen Songs. Doch die beiden blasen gerade Trübsal: Ihr Leadsänger hat soeben die Band verlassen.

Mit dem Release von „Bohemian Rhapsody“ geht ein fast zwölfjähriger kreativer Prozess zu Ende. Ein Prozess, der so viele Hauptdarsteller, Produzenten und Regisseure verschlissen hat, dass man fast meinen könnte, eine neue DC-Comics-Verfilmung zu erwarten. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass die beiden Hauptverantwortlichen des Mammutprojekts, die Bandmitglieder Roger Taylor und Brian May, eigentlich überhaupt keine Lust auf die Verfilmung der Erfolgsgeschichte ihrer Band, gar der ihres Freundes hatten, der irgendwann damit anfing, auf den Namen Freddie Mercury zu hören, kann man schon das schlimmste befürchten.

Der Film beginnt mit den unmittelbar letzten Vorbereitungen Freddie Mercurys zu dem wohl legendärsten Auftritt von Queen: dem „Live Aid“-Konzert 1985 im Londoner Wembley-Stadion. In einer langen und das schillernde Leben Mercurys zelebrierenden Sequenz betritt der Zuschauer beinahe mit diesem als letztes Bandmitglied die famose Bühne von „Live Aid“, während auf der anderen Seite des Vorhangs die Menge nach ihrer Legende lechzt. Doch gerade als Mercury die Menge für sich vereinnahmen möchte, springt die Erzählung in die Vergangenheit und der Zuschauer lernt den jungen Farrokh Bulsara kennen, der mit scheinbar jeder Aktion seinen Vater zur Weißglut treiben kann.

Nachdem Mercury und die anderen die Band Queen gegründet haben, lässt der Erfolg der Band nicht lange auf sich warten. Die Konzerthallen werden größer, das Equipment professioneller und die Band experimentierfreudiger. Kurz darauf wird die Band von John Reid (Aidan Gillen) entdeckt, der ihnen ihren ersten Plattenvertrag bei EMI Records verschafft. Die Erfolge werden dabei hauptsächlich mit der Entstehung und Komposition ihrer wohl bekanntesten Hits visualisiert. So bekommt der Zuschauer einen Einblick, wie die Songs entstanden sind und dass die Gründe für den Erfolg der Band tatsächlich in den Reibereien, Meinungsverschiedenheiten und teilweise handgreiflichen Auseinandersetzungen lagen. Denn egal, wie sehr der Konflikt hochkochte, am Ende entstand daraus ein Hit. Man kann hier die nostalgische rosarote Brille der am Drehbuch involvierten Bandmitglieder vermuten, deren Wunden von der Zeit geheilt wurden oder ihnen die Geschichte genauso abnehmen. Einige Ereignisse wurden aus dramaturgischen Gründen umgeschrieben, was für ein Biopic jedoch nichts Ungewöhnliches darstellt. Dem Auftritt bei „Live Aid“ ging beispielsweise keine mehrjährige Trennung der Band voraus. Doch diese kleinen Freiheiten von der Wahrheit verzeiht man dem Film problemlos, weil er eine in sich geschlossene, harmonische Geschichte von einem besonderen Mann erzählt, der viele Freunde und Bewunderer auf der Welt hinterlassen hat.

© 20th Century Fox

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Taylor und May war bewusst, dass es früher oder später einen Film über das Leben von Freddie Mercury geben würde. Der extravagante und über alle Maßen charismatische Leadsänger war eine Ikone seiner Zeit, der die Massen auch noch heute verzaubern kann, man denke nur an seinen posthumen Auftritt bei der Abschlussveranstaltung von Olympia 2012 in London. Beide wussten also, dass eine Verfilmung unausweichlich war. Also erklärten sie sich bereit, die Rechte hierzu freizugeben, unter der Bedingung, dass sie bei Fragen zum Drehbuch das letzte Wort haben. So kam es dann auch, dass beispielsweise Bryan Singer als Regisseur und Sacha Baron Cohen als Hauptdarsteller das Projekt „Bohemian Rhapsody“ nach mehreren Jahren wieder verlassen mussten, Singer sogar kurz vor der Fertigstellung des Films. Cohen, der physikalisch wie für die Rolle gemacht schien, wollte sich eher auf das extravagante und exzessive Partyleben Mercurys konzentrieren und dem kometenhaften Aufstieg der Band nicht allzu viel Beachtung schenken.

Ob uns durch die strikten Vorgaben der Band ein vielleicht besserer Film verwehrt geblieben ist, wird sich wohl nie beantworten lassen. Jedoch kann man einen Eindruck davon gewinnen, wie eng die Freundschaft der vier Bandmitglieder gewesen sein muss. Auch Jahre nach seinem Tod beschützen sie Mercurys musikalisches Erbe und lassen die Erinnerung daran wiederaufleben, statt uns ein weiteres Kapitel aus dessen Leben zu präsentieren. Was genau möchten wir als Zuschauer sehen? Den genialen Musiker oder doch den wilden partyliebenden Exzentriker? Eine Mischung aus beidem? Müssen wir Mercury inmitten einer wilden Drogen- und Sexorgie erleben, um seine musikalischen Werke besser zu verstehen? Der Film schneidet das Thema um seine Sexualität zwar mehrmals an, entscheidet sich dann jedoch, nicht explizit darauf einzugehen. Es wird gerade so viel darüber erzählt, wie es für die Handlung der filmischen Geschichte förderlich ist.

„Bohemian Rhapsody“ ist ein gefühlvolles und respektvolles Biopic über eine der schillerndsten Figuren seiner Zeit. Recht unterhaltsam wird der Aufstieg der Band Queen und ihres Leadsängers präsentiert und keine der 135 Minuten wirken verschwendet. Vor allem das Ende des Films weiß zu überzeugen, wenn der legendäre Auftritt bei „Live Aid“ 1985 nachgestellt wird, wobei mehrere Lieder von Rami Malek und den anderen Schauspielern in voller Länge performt werden, womit man tatsächlich das Gefühl erhält, sich einen alten Auftritt von Queen anzuschauen. Empfehlung!

Autor: Mamon Hassani

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