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Blackhat (2015) Review

© Universal Pictures

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Michael Mann ist einer der Regisseure, bei dem es sich sicherlich lohnt, am Anfang einer Review etwas zu seinem bisherigen Schaffen zu sagen, denn er hat mit „Der Letzte Mohikaner“ (1992), „Heat“ (1995), „The Insider“ (2000) und „Collateral“ (2003) schon den einen oder anderen Kracher auf die Leinwand gebracht. In genannten Filmen schaffte es Mann stets, einen guten Cast und ein gleichermaßen gutes Drehbuch visuell sehr atmosphärisch umzusetzen, die Spannungsmomente gekonnt aufzubauen und den Zuschauer vor Anspannung an den Nägeln kauen zu lassen. Seine letzten Machwerke „Miami Vice“ (2006) und „Public Enemies“ (2009) waren dagegen eher dem Mittelmaß zuzuordnen. Bei ihnen war zwar die Handschrift Manns erkennbar, aber das Gesamtergebnis wirkte einfach nicht rund, obwohl Einzelkomponenten vorhanden waren. Deswegen war ich persönlich auch sehr gespannt, ob Mann noch mal „einen raushauen“ kann, denn gerade was Kinofilme angeht, hat er ja schon eine Weile nichts mehr von sich hören lassen.

In „Blackhat“ bleibt Mann dem Genre des Thrillers treu und beschäftigt sich dem Zeitgeist folgend mit dem Thema Computer-Kriminalität und dem „Berufszweig“ der Computer-Hacker. Einer der besten unter ihnen ist Nicholas Hathaway (Chris Hemsworth), der aber wegen Kreditkartenbetrugs für 15 Jahre im Gefängnis sitzt und daher gerade unpässlich ist. Das ändert sich, als ein Nuklearkraftwerk durch ein Programm, das Hathaway mitgeschrieben hat, zur Kernschmelze gebracht wird. Dadurch sieht sich sein alter Kommilitone vom MIT, Chen Dawai (Wang Leehom), der mittlerweile beim chinesischen Geheimdienst für die Bekämpfung von Computer-Kriminalität zuständig ist, gezwungen, Hathaway um Hilfe zu bitten. Dieser handelt natürlich einen Deal aus und macht unter der Bedingung mit, vollen Straferlass bei erfolgreichem Abschluss der Mission zu bekommen. Da der Übeltäter sich auch gleichzeitig in den amerikanischen Börsenmarkt eingehackt hat, wird das Ganze schließlich eine multinationale Operation des FBI und des chinesischen Geheimdienstes, deren Bindeglied Hathaway ist.

Mit Plotholes, Logikfehlern und konstruierten Stories ist das immer so eine Sache, treten sie vereinzelt auf, ist man als Zuschauer gewillt, über diese hinwegzusehen, gerade wenn man darüber hinaus auch gut unterhalten wird. Auch bei „Blackhat“ hätte man mit Sicherheit eine glaubwürdigere Story schreiben und damit legitimieren können, warum jetzt nur Hathaway diesen Job machen kann und warum man ausgerechnet ihn aus dem Knast holen muss. Aber das passiert alles zu Beginn des Filmes und diese Art von Ausgangssituation hab ich auch schon tausend Mal gesehen, sodass man mir das nicht genau erklären muss. Ich will auch nicht sehen, wie Hathaway da mühselig seinen Deal verhandelt. Ich sag‘: „Alles klar, der Typ ist der Shit und die brauchen den und geben dem alles, was der will.“ Das reicht mir. Das Problem bei „Blackhat“ ist, dass sich diese Fehler, Ungereimtheiten, Konstruktionen und generellen Fragezeichen durch den kompletten Film ziehen und somit das ganze Erlebnis ziemlich kaputt machen.

© Universal Pictures

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In feinster Michael-Mann-Manier sieht der Film natürlich fantastisch aus, bis auf den etwas übertriebenen Einsatz der Wackelkamera, der einem nach einer Weile schon etwas auf den Zeiger geht. Auch schauspielerisch ist „Blackhat“ ganz solide: Hemsworth kann den Film alleine ganz gut tragen, auch wenn ihm vielleicht auch die Fähigkeiten fehlen, „Blackhat“ auf eine höhere Ebene zu hieven. Chris Hemsworth geht in der Rolle des physischen Actionstars dann doch etwas besser auf, als in der Rolle des ermittelnden Computer-Hackers. Der restliche Cast weiß zu überzeugen, allen voran Viola Davies in ihrer Rolle als FBI-Agentin Carol Barrett. Ansonsten fehlt ein starker Gegenspieler sowie Spannung, die in „Blackhat“ einfach nicht umgreifen will.

Im Endeffekt scheitert Mann an der Hürde, einen Thriller spannend umzusetzen, der im rechtsfreien Raum der Moderne – dem Internet – angesiedelt ist. Visuell funktioniert das gerade zu Beginn des Filmes zwar ganz gut, jedoch bleibt dabei die Handlung auf der Strecke, so dass die Inszenierung keinen Zweck hat, außer blinkende Kabel zu zeigen. In der zweiten Hälfte wechselt Mann dann in bekannte Gefilde und zeigt einen ganz normalen Actionthriller, was dann aber bei einem Hackerfilm doch irgendwie das Ziel verfehlt. Gerade auch wegen dieses Bruchs fühlt sich das Ende konstruiert an.

Letztlich ist dann „Blackhat“ doch nicht die Renaissance des Michael Mann, sondern eine weitere Enttäuschung in seinem Gesamtwerk, wobei er sich inszenatorisch eigentlich auszeichnen kann. Der schwache Plot, die Logiklücken, die soliden, aber nicht überragenden Schauspielerleistungen und der fehlende Spannungsaufbau sind dafür als negative Kritik einfach zu schwerwiegend und lassen eine Wertung, die über dem Mittelmaß liegt, einfach nicht zu. 5/10

Autor: Torsten Stenske

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