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Beyond Re-Animator (2003) Blu-ray-Kritik

© capelight pictures

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Ganze dreizehn Jahre sollte es dauern, bis sich Regisseur Brian Yuzna und sein Hauptdarsteller Jeffrey Combs zusammenfanden, um einen dritten Teil der Mad-Scientist-Fun-Splatter-Exzess-“Re-Animator“-Reihe zu drehen. Waren zwischen „Re-Animator“ (1985, bei welchem noch Stuart Gordon unter der Produzenten-Ägide von Yuzna Regie führte) und „Bride of Re-.Animator“ (1990) lediglich fünf Jahre vergangen, hatte man es nun mit einem deutlich größeren Zeitraum zu tun und natürlich auch mit der Frage, wie sich dies auf die Ebene der Figuren und der Story auswirkt. Was ist also mit Herbert West in der Zwischenzeit passiert?

Diese Frage beantwortet „Beyond Re-Animator“ (nach einer dreizehn Jahre vorher spielenden Exposition) in den ersten paar Minuten: Er sitzt im Gefängnis für seine Versuche, Tote mit Hilfe eher obskurer Wissenschaft zurück zu den Lebenden zu holen. Dies war bereits in den ersten beiden Teilen meist wenig erfolgreich geglückt und hatte in der Folge zu jeweils einem sehr selbstironischen und dabei saumäßig unterhaltsamen Splatter-Fest geführt. Nun jedoch, mit der Hilfe des Gefängnisarztes Dr. Howard Phillips (Jason Barry) sowie einem neuen, aus Ratten extrahierten Serum, will West, der von seinem durchgeknallten Wesen nicht wirklich etwas verloren hat, einen weiteren Versuch wagen. Verkompliziert wird das Ganze durch den sadistischen Gefängnisdirektor (Simón Andreu) und die amourösen Einlassungen von Dr. Phillips mit der Journalistin Laura (Elsa Pataky). So viel sei gesagt: Dr. West ist in seinen Forschungen tatsächlich den zentralen Schritt weitergekommen, aber natürlich bleibt das Ganze auch dieses Mal nicht komplikationsfrei.

Gerade wenn man den Film im Originalton schaut, darf man sich nicht wundern, dass viele Charaktere spanische Namen tragen, von spanischsprachigen Schauspielern gespielt werden und auch teils Spanisch sprechen. Der Film wurde (wer hätte das gedacht) in Spanien gedreht, dies hatte finanzielle und produktionstechnische Gründe. Interessanterweise gibt dieser eigentlich ökonomische Impetus dem Film eine ganze eigene Form der geografischen Entrücktheit, da nie darüber gesprochen wird, ob man denn nun de facto in Spanien oder in einer südamerikanischen Bananenrepublik situiert sei. Somit befindet sich Herbert West sprichwörtlich in einem Limbus, in einer Vorhölle und ebenso wird auch der Gefängnisalltag inszeniert, in dessen Zuge sich der hochintelligente West mit den (vermutlich bewusst) sehr klischeehaften Insassen der Marke Schlägertypus sowie dem ihn permanent finsterer Machenschaften verdächtigenden Direktor auseinandersetzen muss. Mit Ausnahme der Exposition und einiger weniger Szenen, die sich auf die Beziehung von Laura und Phillips fokussieren, spielt folglich der nahezu gesamte Film in ebendiesem Gefängnis. Regisseur Brian Yuzna steigert dabei den Mad-Scientist-Topos konsequent, dreht immer weiter an der Spannungsschraube und tut nach gar nicht so langer Zeit das, was er vermutlich am besten kann: Mit Hilfe fantastischer Effekte ein wahres Splatter-Inferno auf das Publikum loslassen. Dies ist gerade im Kontext seiner Entstehungszeit interessant, da die Hochzeit des so genannten „Fun-Splatter“ bereits Mitte der 1990er-Jahre eigentlich (zunächst) vorbei war. Neben den ersten beiden „Re-Animator“-Teilen, die ihren Teil dazu beigetragen hatten, sind hierbei insbesondere Filme wie die „Tanz der Teufel“-Reihe (1981, 1987, 1992) oder die beiden Peter-Jackson-Frühwerke „Bad Taste“ (1987) und „Braindead“ (1992) zu nennen. So wirkt „Beyond Re-Animator“ ein wenig wie ein zumindest partiell nostalgischer Blick auf das Horrorkino der 1980er-Jahre, dem dennoch irgendwie der Sprung ins 21. Jahrhundert gelingt, wobei es aufgrund des hohen Tempos kaum ins Gewicht fällt, dass er nicht immer zu hundert Prozent das Niveau der beiden großartig-launigen Vorgänger halten kann. Wie angedeutet und wie immer in der Reihe sowie zumeist in den Werken von Brian Yuzna kommt auch der Humor nicht zu kurz, die teils enorm drastische Gewaltdarstellung wird dauerhaft ironisch gebrochen. Auch sonst ist das dramaturgische Setup und dessen narrative Entfaltung derart abgedreht, dass der humorige Impetus von vornherein deutlich wird.

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Jeffrey Combs kehrt mit diesem Film ein weiteres Mal in seine Paraderolle zurück, nachdem er sich Ende der 1980er- sowie insbesondere im Zuge der 1990er-Jahre zu einer festen Genrefilm-Größe entwickelt hatte. Interessanterweise kam er dabei mehr als einmal mit dem legendären Horror-Autor H.P. Lovecraft in Berührung (auch die „Re-Animator“-Filme basieren auf dessen Schriften), so spielte er Rollen unter anderem in „Lurking Fear“ (1994) sowie „Castle Freak“ (1995) und verkörperte Lovecraft himself im Biopic „Necronomicon: Book of the Dead“ (1993). Auch war er in weiteren Kult-B-Filmen wie „Fortress – Die Festung“ (1993) und „Love and a .45“ (1994) zu sehen, doch bleibt die Figur des Dr. Herbert West mit Abstand seine bekannteste. „Beyond Re-Animator“ ist ein würdiger Abschluss der Trilogie, ein völlig durchgeknallter, spaßiger und absurd-überdrehter Streifen, der zeigt, dass man auch nach dreizehn Jahren Pause eine Filmreihe äußerst unterhaltsam wiederbeleben kann.

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Die Edition: Nach „Re-Animator“ und „Bride of Re-Animator“ veröffentlicht capelight pictures final auch „Beyond Re-Animator“ in der altbewährten Mediabook-Reihe, so dass Sammler die Filme nun einheitlich im Regal stehen haben. Wie immer liegt der Edition eine DVD bei, die auch einzeln in den Handel gebracht wird. Das Booklet im Mediabook stammt von Christoph N. Kellerbach, zudem wird einiges an Bonusmaterial aufgefahren. Neben dem obligatorischen Audiokommentar mit Regisseur Brian Yuzna und jeder Menge unterhaltsamer Interviews gibt es ein interessantes Making-Of, den Trailer und das absolute Highlight: Das Musikvideo des (anscheinend) offiziellen Songs zum Film, „Move Your Dead Bones“ von niemand geringerem als Dr. Re-Animator (who the f**k?), ein Eurodance-Song, der mit cheesy noch euphemistisch betitelt ist und von seinem Genre mal so gar nicht zum Film passt. Dieses absolute Klischee an 90er-Jahre-Musik (das fand man auch 2003 offensichtlich noch modern) wird im Video durch den Interpreten zum Leben erweckt (pun intended), der weder richtig singen noch tanzen kann, teils sehr merkwürdige Kleidung trägt und so aussieht, als käme er direkt von einer Backstreet-Boys-Cosplay-Convention. Es ist derart trashig-großartig, dass man es gesehen haben muss, um es glauben zu können!

„Move your dead bones, bones, bones
Move your dead bones, bones, bones
The secret will keep you alive
Move your dead bones, bones, bones
Move your dead bones, bones ,bones
You’ll dance for the rest of your life!“

Na denn!

Autor: Jakob Larisch

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