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Berlinale 2019, Tag 2: „Das Mädchen aus dem Fahrstuhl“, „Light of My Life“ & „Monos“

Das Mädchen aus dem Fahrstuhl (Herrmann Zschoche, D 1991)
Berlinale Special

Ein großartiger DEFA-Film, der leider nie im deutschen Fernsehen gezeigt wurde, ein Stück (ost-)deutscher Filmkunst, mitten aus dem Leben, aus dem Alltag. Die letzten Monate der DDR werden hier bebildert, in denen ein Schüler zwischen Hochbegabung und erster großer Liebe beginnt, das noch von Fahnenappellen und FDJ geprägte System in Frage zu stellen, da Schulnoten seiner Meinung nach nicht den Werdegang des oder der Einzelnen bestimmen sollten. Dafür soll er aus der FDJ ausgeschlossen werden, was ihm ein Studium verwehren würde; mehrere Mitschüler, zwei Lehrer und auch seine Eltern solidarisieren sich jedoch mit ihm gegen die hartherzig agierende Schulleiterin. „Das Mädchen aus dem Fahrstuhl“ ist geprägt von einem trocken-poetischen Humor und einer berührenden Liebesgeschichte, doch die tragische Note des Ganzen lässt sich nicht übertünchen, was dem Film bei aller zurückhaltenden Ruhe eine gewisse Wucht verleiht.

Light of My Life (Casey Affleck, USA 2019)
Panorama

Vater (Casey Affleck) und Tochter (Anna Pniowksy) ziehen durch eine post-apokalyptische Zukunft, in der durch ein mysteriöses Virus nahezu alle Frauen ausgelöscht wurden. In entsprechender Gefahr lebt die etwa zehnjährige Tochter, die der Vater aus diesem Grund als Sohn tarnt. Der Film spielt seine Prämisse konsequent durch, den Bildern meist verregneter oder verschneiter Landschaften, durch welche die beiden Hauptfiguren ziehen, um möglichst viel Abstand zum Rest der Zivilisation zu halten, werden auf den Punkt geschriebene Dialoge über Fragen der Moral, über Fragen der Erziehung und über die stets drohende Gefahr gegenüber gestellt, welche die Tochter noch nicht vollumfänglich zu erfassen in der Lage ist sowie der Vater ihr gleichermaßen teils auch nicht zutraut, akkurat erfassen zu können. Doch die Gefahr ist omnipräsent, manchmal wird sie auch akut. Der Film weist zwar ab und an sehr offenkundige messianische Untertöne auf, ist aber trotz oder gerade wegen seiner Reduziertheit äußerst spannend und gleichermaßen sehr nachdenklich.

Monos (Alejandro Landes, COL/ARG/NL/D/S/ROU 2019)
Panorama

Eine Präsentation kolumbianischer Filme sowohl im Kino als auch im Heimkino ist hierzulande eher rar gesät, umso interessanter ist es, mal einen sehen zu können. Denkt man. Denn interessant? Nein, „Monos“ ist schlicht unfassbar langweilig und wirkt streckenweise, als hätte der Regisseur versucht, im Stile von Alejandro Jodorowsky eine Pseudo-Arthouse-Version von „Auslöschung“ (2018) zu drehen, nur eben noch viel schlechter, und daran dann auch noch zu scheitern. Ein paar Jugendliche, die für eine ominöse „Organisation“ militärische Dienste verrichten, sind in den Bergen und später im Dschungel stationiert, sie bewachen eine Kriegsgefangene und als der Kommandant zeitweise abreist, eskaliert die Situation. Grabenkämpfe, das Bedürfnis, unbedingt einen auf dicke Hose zu machen und schlichte Dummheit führen zu einem dauerhaften Konflikt, der irgendwann nur noch nervt. Zum einen taugt keiner, absolut keiner der beschränkten Jugendlichen als Identifikationsfigur, so dass man sich fragt, warum zum Teufel man hier eigentlich mitfühlen oder warum einen das Ganze überhaupt interessieren soll. Zum anderen ist der Sound derart aufdringlich und scheint permament dem Publikum ins Gesicht zu schreien, wie unglaublich DRAMATISCH oder WICHTIG das Gezeigte ist, dass ab einem gewissen Zeitpunkt das Bedürfnis ins Unermessliche wächst, den Lautstärkeregler zu kapern, um die Ohren der Zuschauer zu schonen. Filme müssen nicht immer subtil sein, aber „Monos“ übertreibt es einfach nur maßlos. Dieser Film wird wie seine Landeskollegen voraussichtlich ebenfalls keinen deutschen Kino- oder Heimkinostart erfahren, doch in diesem Fall ist es absolut nicht schade darum.

Autor: Jakob Larisch

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