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Berlinale 2019, Tag 1: „Out Stealing Horses“ & „Der Goldene Handschuh“

Ud og stjæle hester / Out Stealing Horses (Hans Petter Molland, N/S/DK 2019)
Wettbewerb

Die Natur Skandinaviens eignet sich hervorragend für malerische Bilder, dies stellt auch „Out Stealing Horses“ unter Beweis. Stellan Skarsgård spielt einen älteren Einsiedler im Schnee Schwedens, der vor seiner Vergangenheit in die Einsamkeit geflohen ist, wobei der Film einen Großteil seiner Geschichte per Flashback in den Sommer des Jahres 1948 und die damaligen schicksalhaften Erlebnisse des zu jener Zeit fünfzehnjährigen Protagonisten erzählt. Das Handeln der Figuren wird dabei immer wieder mit grandiosen Naturaufnahmen parallelisiert, teils hervorgehoben durch exakt gesetzte Zeitlupen, zudem ist insbesondere das Sounddesign fantastisch geraten. Dies kulminiert in der wohl besten Szene von „Out Stealing Horses“, in welcher zwei Männer Baumstämme auf ein Floß verladen, was in einer rhythmischen Klang-Bild-Montage dargestellt wird. In der zweiten Hälfte des knapp zweistündigen Films schleichen sich allerdings einige Längen ein, so dass die Handlung immer wieder auf der Stelle tritt. Warum schließlich noch historische Bezüge eingebunden werden müssen und auf einmal die Zeit des Nationalsozialismus thematisiert wird, bleibt schlussendlich ein Rätsel, zumal dieses Sujet nach knapp 15 Minuten keine Rolle mehr spielt. Etwas unausgegoren.

Der Goldene Handschuh (Fatih Akin, D 2019)
Wettbewerb

Die Verfilmung des Romans von Heinz Strunk, der auf wahren Begebenheiten beruht und die Taten des Serienmörders Fritz Honka im Hamburg der 1970er-Jahre thematisiert, wird von Fatih Akin förmlich auf die Leinwand geprügelt. Der für Filme wie „Gegen die Wand“, „Soul Kitchen“, „Tschick“ und jüngst „Aus dem Nichts“ bekannte Regisseur legt einen enorm brutalen Thriller vor, der allerdings auf ganzer Linie scheitert. Akin inszeniert die Morde des von Jonas Dassler beängstigend eindringlich verkörperten Honka äußerst drastisch, doch verweist die Darstellung der Gewaltakte immer nur auf sich selbst und erschöpft sich in reiner Provokation. Akin gruppiert den Rest der Story, soweit vorhanden, quasi um die ausgedehnt dargestellten und mit der Zeit zynischerweise redundanten Mordsequenzen herum, so auch einen eher lose angebundenen Handlungsstrang um den Schüler Willi (Tristan Göbel), der versucht, mit seiner Klassenkameradin Petra (Greta Sophie Schmidt) anzubandeln und sie dafür in die titelgebende Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ einlädt. Zwei Mal kreuzen sich die beiden Stränge, doch wirkt die Einbindung dieses Subplots vollkommen unmotiviert, zumal er nur derart rudimentär angerissen wird, dass die beiden Jugendlichen de facto kaum vorkommen. Auch als Psychogramm eines Mörders taugt „Der Goldene Handschuh“ nicht: Der Film ist in keiner Weise an psychologischen, geschweige denn gesellschaftlichen Hintergründen interessiert und gestaltet sich, anders als beispielsweise ein thematisch ähnlich gelagertes Werk wie „Henry: Portrait of a Serial Killer“ (1986), vollkommen oberflächlich. So bleiben einige schräge Charaktere, die für ein paar unpassend humorige Momente sorgen und die zweifelhafte Erkenntnis, dass eigentlich ja nur der Alkohol Schuld ist. Diesen filmischen Quatsch hat Akin, pun intended, komplett an die Wand gefahren.

Autor: Jakob Larisch

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