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Assassin’s Creed (2016) Review

© 2016 Twentieth Century Fox and Ubisoft Motion Pictures. All Rights Reserved

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Videospiel-Verfilmungen haben sich mittlerweile seit “Super Mario Bros.“ (1993) eine recht lange Historie erarbeitet, die allerdings eher von Misserfolgen an der Kinokasse und bei der Kritikergemeinde geprägt ist. Sicherlich gibt es beispielsweise die „Resident Evil“-Reihe, die mittlerweile auf Teil Nummer sechs zusteuert und augenscheinlich genug Kinogänger vor die Leinwand zieht, so dass immer ein neues Sequel produziert werden kann, was aber sicherlich nicht daran liegt, dass diese Filme Meisterwerke wären. Auch ansonsten sieht es eher finster aus und Videospiel-Verfilmungen sind noch meilenweit davon entfernt, den qualitativen und kommerziellen Status zu erreichen, den momentan Comic-Verfilmungen haben.

Nach „Warcraft“ und dem „Angry Birds“-Film macht sich mit „Assassin’s Creed“ nunmehr die dritte große Produktion im Jahre 2016 ans Werk, diesen Trend zu beenden und vielleicht den ersten richtigen Meilenstein in diesem Sub-Genre zu setzen. Regisseur Justin Kurzel bekam von Spiele-Entwickler Ubisoft den Auftrag, ihre Spieleserie adäquat umzusetzen. Dabei besetzte Kurzel bereits zum zweiten Mal nach „Macbeth“ (2015) seine Hauptrollen mit Michael Fassbender, der die Figur des Cal Lynch verkörpert sowie Marion Cotillard, die in die Rolle der Sofia schlüpft. Darüber hinaus ist „Assassin’s Creed“ mit Jeremy Irons, Brendan Gleeson, Charlotte Rampling und Michael K. Williams wirklich hervorragend besetzt und wenn schon der Spiele-Entwickler selbst involviert ist, was kann da groß schief gehen?

Leider im Endeffekt doch recht viel. „Assassin’s Creed“ ist bei weitem kein so grausiger Film, wie es viele seine Vorgänger in diesem Sub-Genre waren, trotzdem bleibt die Ausbeute bei den Voraussetzungen doch mehr als bescheiden. Dabei fällt auf, dass sich zunächst an einer Art Videospiel-Dramaturgie orientiert wurde: So erfahren wir zu Beginn in einer „Introsequenz“ von der Kindheit Cals und seinem traurigen Schicksal. Nach dem Titel sehen wir, wie Cal zum Tode verurteilt wird, vor seiner Hinrichtung rettet ihn aber Sofia und nimmt ihn in ihre geheime Organisation auf. Es beginnt das „Tutorial“: In einigen – mehr oder weniger – bedeutungsschwangeren Sätzen, die erst im Laufe der Handlung einigermaßen klar werden, erklärt Sofia Cal, warum er eigentlich dort ist. Daraufhin wird er ins kalte Wasser geworfen und betritt zum ersten Mal den „Animus“, um sich mit der Steuerung vertraut zu machen. Es beginnen dann die ersten von zahlreichen Kämpfen, die Cal in den Erinnerungen seines Vorfahrens – des Assassinen Aguilar –  zu Zeiten der spanischen Inquisition miterlebt. Cal soll für Sofia aufspüren, wo sich das geheime und vermutlich magische Artefakt „Edenapfel“ befindet, der Frieden zwischen allen Menschen herstellen und dessen letzter Besitzer Aguilar gewesen sein soll.

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So geht die Handlung dann immer weiter, Cal bekommt außerhalb des Animus weitere Informationen, was es mit der Organisation und seinem Vorfahren auf sich hat, kehrt in den Animus zurück und kämpft dort oder erinnert sich viel mehr daran, wie sein Vorfahr gekämpft hat. Das wäre halb so dramatisch, wenn sich die Szenen nicht alle so ähneln würden. Prinzipiell passiert nämlich immer das Gleiche – Martial-Arts-Sequenzen mit anschließenden Verfolgungsjagden zu Fuß durch das mittelalterliche Spanien. Dabei werden auch nie die Einsätze erhöht oder – um in der Videospielsprache zu bleiben – der Schwierigkeitsgrad angezogen. So plätschert „Assassin’s Creed“ letztendlich vor sich hin, bis es zum Showdown kommt, der es allerdings auch nicht mehr schafft, noch einen drauf zu setzen.

Schade, denn gerade am Anfang können einen die Bilder und die etwas mysteriöse Stimmung noch fesseln, bis sich schließlich alles nur monoton wiederholt – sowohl was den Look, die Handlung als auch die Actionszenen angeht – und sich hinter dem Mysterium letztendlich nur ein recht simpler Plot-Twist befindet. Am Ende bleibt man dann recht ratlos sitzen und fragt sich, was das Ganze eigentlich sollte. Auch der prinzipiell fantastische Cast kann den Film dabei nicht retten. Während Irons und Cotillard gelangweilt scheinen, wirkt Fassbender im Film fast schon deplatziert in seinem Bemühen, die Tragik seiner Figur schauspielerisch rüberzubringen, weil der restliche Film so leidenschaftslos daher kommt.

Am Ende ist „Assassin’s Creed“ ein Film, der hier und da aufblitzen lässt, was erreichbar gewesen wäre, aber hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt und somit enttäuscht. Somit wird „Assassin’s Creed“ wohl eher als ein weiterer Videospiel-Film-Flop in die Filmgeschichte eingehen und nicht als der Film, der den ersten richtig großen Coup in dem Genre gelandet hat.

Autor: Torsten Stenske

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