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Adel verpflichtet (1949) Blu-ray-Kritik

© STUDIOCANAL

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Produzent Michael Balcon übernimmt 1938 die englischen Ealing Studios und holt ein Team von Regisseuren heran, das bis zur Studioschließung 1955 dessen meiste Filme inszenieren soll: Alberto Cavalcanti, Charles Crichton, Basil Dearden und Robert Hamer. Diese vier inszenieren auch „Dead of Night“ (dt. „Traum ohne Ende“), ein fantastisches Horror-Kleinod mit expressionistischem Finale, der Teil einer Reihe von Versuchen ist, an deren Ende Ealing 1949 mit „Hue and Cry“ (dt. „Auf ihn mit Gebrüll“) wieder zur Komödie zurückfindet. Bis zur Schließung der Studios Mitte der 1950er-Jahre folgen dann auf diesem Erfolg aufbauend zahlreiche Komödien mit dem jungen Alec Guinness, der dort seinen Durchbruch erlebt. Die erste und vermutlich bekannteste der Guinness-Ealing-Komödien ist Robert Hamers „Adel verpflichtet“ (im Original: „Kind Hearts and Coronets“) von 1949, der nun durch Studiocanal eine deutsche Blu-ray-Veröffentlichung erfährt.

Die Mutter des Protagonisten Louis (Dennis Price) ist Erbin der gräflichen D’Ascoyne-Familie. Doch nach ihrer ungebührlichen Heirat mit einem Opernsänger (mit Schnurrbart: Dennis Price) wird sie aus der Familie verbannt und aus der gräflichen Linie der Nachfolge ausgeschlossen. Louis, ursprünglich nach seiner Mutter nächster in der Linie, setzt sich nach ihrem Tod, motiviert, dem ärmlichen Exil zu entkommen und seine Jugendliebe Sibella (Joan Greenwood) zu beeindrucken, in den Kopf, alle D’Ascoynes, die zwischen ihm und der Grafschaft stehen, ausfindig zu machen und umzubringen. Die mit schwarzem britischem Humor durchsetzte Komödie geht von einer Rahmenhandlung aus, in der Louis vor seiner Hinrichtung, in der Gefängniszelle sitzend, ein Geständnis verfasst. Rückblickend schildert er mit lakonischer Wortgewandtheit die Morde an den acht verbleibenden D’Ascoynes (Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness und, überraschend in einer Frauenrolle, Alec Guinness).

Neben dem vielgepriesenen Guinness in mehrfacher Verkleidung glänzen hier vor allem Joan Greenwood als naiv-verführerische Jugendfreundin und Price in der Hauptrolle. Sein Voice-Over, das uns durch die Handlung begleitet, gibt dem Film zusammen mit der eleganten Kameraarbeit (von Douglas Slocombe, der sich später für die Bildgestaltung der „Indiana Jones“-Filme verantwortlich zeigen würde) und den üppigen Kostümen einen lakonisch untergrabenen aristokratischen Charme. Humor funktioniert hier vor allem über exzellent austarierte Sprache, durch deren wohlgesitteten Duktus immer wieder abgrundtiefe Schwärze blitzt. An diesen präzisen Stil konnte Ealing mit den kommenden Komödien zwar nie wirklich anknüpfen, er steht aber dennoch als ein eigenständiger britischer Gegenentwurf zum amerikanischen Slapstick-Humor von beispielsweise Howard Hawks‘ Cary-Grant-Komödien und beeinflusste maßgeblich die britische Film- und Theaterszene der kommenden Jahre.

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Die Edition: Die Blu-ray-Veröffentlichung von Studiocanal enthält ein alternatives Ende, einen filmhistorischen Audiokommentar, eine Einführung von John Landis, Trailer, Bildergalerie sowie mehrere Dokumentationen zum Film, den Ealing Studios und Dennis Price, welche 2012 für die englischsprachige Blu-ray produziert wurden.

Autor: Paul Quast

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