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68 Kill (2017) Blu-ray-Kritik

© 2016 Chip Thrills, LLC  

© 2016 Chip Thrills, LLC

Was soll man zu diesem Film schreiben? „68 Kill“ ist eines jener Werke, das man sich anschaut und dann schnell wieder gedanklich ad acta legt. Ein absoluter Durchschnittsfilm. Nicht wirklich gut, nicht wirklich schlecht. Man rezipiert ihn, schmunzelt ein paar Mal, dann ist er zu Ende und man wendet sich wieder wichtigeren Dingen zu. Wäre „68 Kill“ in einigen Momenten nicht sehr brutal, wäre er eigentlich der perfekte Film für das Abendprogramm von Tele 5. Nichts für die SchleFaZ-Spezialisten Oliver Kalkofe und Peter Rütten, dafür ist der Film zu professionell produziert. Aber da der Rest des Privatfernsehens dann doch eher populärer unterwegs ist, wäre dieser Sender die ideale Plattform. Man merkt, dass es zu dem Film nicht viel zu sagen gibt, wenn sich der Kritiker schon im einleitenden Absatz Gedanken über eine mögliche und vermutlich niemals stattfindende TV-Verwertung macht.

In „68 Kill“ geht es um einen Mann zwischen drei Frauen. Eine ist durchgeknallt, die zweite ist charmant und die dritte ist durchgeknallt und sadistisch. Der Mann, das ist Chip (Matthew Gray Gubler, bekannt aus „Criminal Minds“), ein voll netter und etwas zurückhaltender „Boy Next Door“. Die erste durchgeknallte Frau ist seine Freundin Liza (AnnaLynne McCord, bekannt aus „Excision“). Gemeinsam stehlen sie 68.000 Dollar (daher der Filmtitel, falls dieser ab hier noch irgendeiner Erklärung bedurft hätte) von Lizas „Sugar Daddy“ (der Begriff steht exakt so auf dem Backcover der Blu-ray-Hülle), der dabei versehentlich ums Leben kommt. Chip macht das völlig fertig, Liza nimmt’s gelassen. Nun gut. Auftritt zweite Frau (die Charmante): Violet (Alisha Boe, bekannt aus der Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“), die irgendetwas mit dem „Sugar Daddy“ zu tun hatte und von Liza und Chip prompt in den Kofferraum ihres Autos gesperrt wird. Also eher von Liza, denn Chip ist auch davon nicht wahnsinnig begeistert, da er sich sofort ein wenig in sie zu verknallen scheint. Bei Lizas Bruder Dwayne (Sam Eidson, nicht wirklich bekannt für etwas, hat aber immerhin den Kurzfilm „Mitt Romney’s Brain Gets Hacked“ in der Vita stehen) machen sie eine kurze Pause, aber Dwayne ist noch viel durchgeknallter als alle anderen Charaktere zusammen, er ist eine Art Leichenpräparator, aber halt just for fun. Chip klaut Lizas Auto, lässt Violet frei, die aber gleich was mit ihm anfängt. Gemeinsam gehen sie in ein Motel, treffen allerdings beim Tanken vorher auf die durchgeknallte und sadistische Frau (Sheila Vand, bekannt aus „A Girl Walks Home Alone At Night“). Die ist hier aber noch nicht sadistisch, sondern erst einmal nur unfreundlich. Sadistisch wird sie später, aber wie und warum, das würde bereits in den Spoiler-Bereich fallen.

© 2016 Chip Thrills, LLC  

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So oder so ähnlich. Regie geführt hat Trent Haaga, Drehbuchautor von Horrorfilmen wie „Deadgirl“ und „Cheap Thrills“ sowie des Videospiels „The Evil Within 2“. Natürlich ist das Ganze als Geschlechter-Rollentausch angelegt, da es dieses Mal die Frauen sind, welche die Handlung vorantreiben, während der zurückhaltend-schüchterne Mann eigentlich nur als Spielball fungiert. Wem oberflächliche Frauenpower reicht, wem schlicht weibliche Charaktere reichen, die mal das Heft in die Hand nehmen, der findet im vorliegenden Film vielleicht auch einen feministischen Subtext. Ansonsten sei allen Interessierten in dieser Hinsicht definitiv eher „Scouts vs. Zombies“ (2015) ans Herz gelegt, der verstand im Kontext seiner Figuren, ihrem Verhältnis zueinander, ihren Handlungen und deren Implikationen deutlich mehr von Feminismus. Vielleicht ist in „68 Kill“ aber auch einfach alles voll ironisch gemeint, so dass man sich am Ende für nichts rechtfertigen muss. Der Film hat dabei durchaus satirisches Potenzial, spielt das aber nicht vollkommen aus. Einige Szenen sind in der Tat vergleichsweise witzig, teils auf Dialogebene, teils auf visueller Ebene; anderes ist nur plakativ, wieder anderes verpufft einfach. Ansonsten sticht der Film am ehesten hinsichtlich Gewaltdarstellung heraus, die FSK-18-Freigabe ist vollkommen gerechtfertigt. Für die Kategorie des völlig überdrehten „Fun-Splatter“ à la „Braindead“ (1992) reicht es allerdings auch wieder nicht. Die Darsteller machen ihre Sache immerhin gut, allen voran Matthew Gray Gubler und AnnaLynne McCord, die ihr Talent für psychotische Charaktere ja schon in „Excision“ formidabel unter Beweis gestellt hat (ein Film, der übrigens zehn Mal besser ist als „68 Kill“).

© MFA

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Was also bleibt als Fazit? Kann man schauen, muss man aber nicht. Definitiv nicht für einen zweistelligen Betrag käuflich erwerben, eher mal darauf warten, dass der Film entweder in der Amazon-6-für-30-Aktion (für Sammler physischer Datenträger) oder im Prime-Abo enthalten ist. Wenn man echt nichts besseres zu tun hat, dann kann „68 Kill“ tatsächlich leidlich unterhaltsam sein. Passt schon. Wie gesagt, der Film ist an sich nicht wirklich schlecht im Sinne von mies, also wird an dieser Stelle auch nicht dezidiert davon abgeraten. Es gibt jedoch deutlich bessere Streifen, die ein Heimkino-Release definitiv mehr verdient hätten, denen es aber verwehrt bleibt. Auf der hier besprochenen Blu-ray findet sich zudem zwar ein ganz schickes alternatives Wendecover im gezeichneten Retro-Stil, allerdings konsequenterweise keinerlei Bonusmaterial.

Autor: Jakob Larisch

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