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300: Rise of an Empire (2014) Review

Nach einigem Release-Hickhack ist sie nun endlich da, die Fortsetzung zu Zack Snyders Instant Classic „300“ aus dem Jahre 2007. Ob irgendein Mensch diese Melange aus Prequel, Sequel und paralleler Handlung zum Originalfilm tatsächlich gebraucht hat, sei nun einfach mal dahingestellt. Natürlich existiert dieser erneute Ausflug ins antike Griechenland primär aus rein finanziellem Kalkül, doch ist es den Machern gelungen, eine weitgehend eigenständige Schlachtplatte auf die Beine zu stellen, die zumindest das Zielpublikum, bestehend aus Fans des Vorgängers und Action-Aficionados im Allgemeinen, goutieren wird. Eine durchgestylte Metzelorgie ohne Sinn und Verstand, mit einer Handlung, die niemanden so richtig interessieren dürfte, dafür aber mit umso bombastischeren Schauwerten. Liest sich fast so wie Teil 1? Das ist es im weitesten Sinne auch, allerdings ohne den Funken Esprit oder die optische Innovation, die Snyders Film zum modernen Klassiker gemacht haben.

General Themistocles (Sullivan Stapleton) hat bei der Verteidigung seiner griechischen Heimat einen folgenschweren Fehler begangen: er hat den persischen König Darius (Yigal Naor) vor den Augen von dessen Sohn Xerxes (Rodrigo Santoro) mit einem Pfeil niedergestreckt. Dieser sinnt nach dem Tod des Vaters natürlich auf Rache und wird dank der intriganten griechischen Überläuferin Artemisia (Eva Green) zum selbsternannten Gottkönig des Persischen Reiches. Wie schon beim Vorgänger ist auch nun bei „300: Rise of an Empire“ die Invasion von Xerxes‘ Streitmächten in Griechenland der zentrale Punkt der Handlung. Nur eben diesmal aus Sicht von Themistocles und mit Verlagerung der Schlachten aufs Meer. Und da Sullivan Stapletons Charakter eben im Vergleich zu Gerard Butlers Leonidas nicht unbedingt die allercharismatischste Identifikationsfigur abgibt, bekommt er in Form von Eva Green eine Antagonistin präsentiert, die es in sich hat: inklusive Motivation und Backgroundstory für ihre Vendetta gegen das von ihr so verhasste Volk der Griechen.

Den Regiestuhl hat Snyder für Noam Murro geräumt, als Produzent und Drehbuchautor hatte er allerdings immer noch ein gehöriges Wörtchen mitzureden. „Rise of an Empire“ sieht zwar, wie zu erwarten, im direkten Vergleich mit „300“ etwas anders, aber dennoch ähnlich aus, lockt die Fortsetzung das Publikum doch eben gerade mit dieser Prämisse in die Lichtspielhäuser. Und was soll ich sagen? Murros Film zieht in puncto monumentaler (Digital-) Optik sämtliche Register, was durch die Dreidimensionalität noch ergänzend unterstützt wird. Vielleicht ist ihm das Ganze im Endeffekt etwas zu dunkel geraten (auch die 3D-Brillen haben daran natürlich einen gewissen Anteil) und auch die Überbelichtung und der inflationär hohe Einsatz des Weichzeichners können der visuellen Umsetzung negativ angelastet werden, aber im Endeffekt stört dies nur marginal. Bei aller CGI-Lastigkeit muss man dem Film dennoch zu Gute halten, dass er die realen Personen und Gegenstände weitgehend sehr harmonisch ins Gesamtbild eingebettet hat. Die Art und Weise der Actioninszenierung hat sich im Vergleich zum Vorgänger kaum geändert, es dominieren Zeitlupen, Superzeitlupen und Plansequenzen, allerdings fällt das Ganze hier nun etwas blutiger aus. Wenn man aber bedenkt, dass vergleichbare Filme wie Tarsems „Krieg der Götter“ von der FSK die Freigabe ab 16 Jahren erhalten haben, darf man sich getrost fragen, ob die 18er-Freigabe bei Murros Werk nun voll und ganz gerechtfertigt ist, da sich beide Filme in Sachen Gewaltdarstellung eigentlich in nichts nachstehen und diese in beiden Fällen comichaft so sehr überzeichnen, dass es ohnehin niemand wirklich ernst nehmen kann.

„Rise of an Empire“ lebt von seinen enorm stylisch choreographierten und gefilmten Kämpfen und auch die taktischen Seegefechte ergänzen den Film um eine optisch beeindruckende weitere Komponente. Eva Green als Badass-Amazone reißt jede Szene an sich und darf getrost als Highlight des Films angesehen werden. Die Story hat prinzipiell enormes Potenzial, was anhand der Hintergrundgeschichten von Xerxes und Artemisia wunderbar zum Vorschein kommt, aber im Endeffekt natürlich nicht vollends ausgereizt wird. Die Charaktere bleiben bis auf wenige Ausnahmen trotzdem immer noch verhältnismäßig beliebig und austauschbar und der grundsätzlich bierernste Plot ist natürlich wie bereits in „300“ als Hauptkritikpunkt auszumachen: nicht nur, dass es schwer fällt, irgendeinen emotionalen Bezug zu den Charakteren herzustellen, nein auch das dümmliche Geschwafel von geradezu barbarischen Kampfmaschinen über Werte wie Demokratie und Freiheit grenzt in seiner konsequenten Nutzung und Betonung fast schon ans Lächerliche. Zudem sind auch oftmals die Beweggründe einiger Charaktere so schwammig ausformuliert, dass man nur noch ungläubig den Kopf schütteln kann. Sowohl optisch als auch inhaltlich bewegt sich Murros Film an einigen Stellen sogar so hart an der Schmerzgrenze, dass man schon fast geneigt ist, sein Werk als kompletten Blödsinn abzustempeln.

Aber ganz so schlimm kommt’s dann alles in allem glücklicherweise doch nicht. Auch wenn es keine wirklichen optischen Innovationen zu bestaunen gibt und der Film daher nicht mehr so beeindruckend ausfällt wie Snyders bahnbrechendes Original, was seinen Film innerhalb kürzester Zeit trotz enormer inhaltlicher Schwächen verdientermaßen zum Kult-Action-Klassiker avancieren ließ, so ist „Rise of an Empire“ doch überaus launiges Popcornkino geworden, das vor allem im Kino so richtig knallt. Maßgeblichen Anteil daran hat auch der fantastische Score von Junkie XL, der die martialische Handlung musikalisch kongenial begleitet. Murros Werk ist insgesamt natürlich völlig over the top, sinnbefreit und damit auch „style over substance“ in Reinkultur. In Erinnerung bleiben wird davon womöglich eher wenig, es sei euch an dieser Stelle aber gesagt, dass es zumindest die vielleicht ruppigste Sexszene der Filmgeschichte und Eva Greens absurder One-Liner gegen Ende der Handlung absolut in sich haben und demnach auch im Gedächtnis bleiben werden. Für Fans von Teil 1 und monumentalem Actionkino ist die visuell beeindruckende Barbarei ohnehin bedenkenlos zu empfehlen, alle anderen lassen besser die Finger vom hanebüchenen Blut- und Ehre-Gelaber. Wenn am Ende sogar die spartanische Königin Gorgo (Lena Headey) ins Schlachtgetümmel eingreift, dann ist die Grenze zum Absurden eigentlich schon längst überschritten, aber das ist ja eigentlich auch die 90 Minuten davor schon ziemlich egal. Denn: Spaß macht der Unfug nämlich allemal.

Dümmlich, aber durchgestylt, handwerklich geradezu meisterlich, inhaltlich genau so blöd wie der Vorgänger: „300: Rise of an Empire“ ist ein launiges und Zeitlupen-lastiges, in Blut getränktes Inferno aus Feuer und Pathos, mit komplett übertriebenem und nicht minder unnötigem Macho-Getue. Epischer Schwachsinn, dem allerdings die denkwürdigen Zitate, die den ersten Teil noch ausmachten, weitestgehend abgehen. Nichtsdestoweniger ein Film, der wie gemacht ist für die große Leinwand und ein ordentliches Surroundsystem. Ein Guilty Pleasure wie es im Buche steht. Stumpf ist Trumpf. Ahu, ahu!

Autor: Markus Schu

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