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13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi (2016) Review

© Paramount Pictures

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Michael Bays Beziehung zu seinem zahlenden Publikum beruht auf einer einfachen Formel: Ich gebe euch, was ihr wollt. So auch in seinem zweiten Kriegsfilm „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“, der patriotisches Spektakel in Perfektion abliefert. Das ist furchtbar und eiskalt kalkuliert.

Auch nach acht Jahren Obama-Administration kämpft die US-Außenpolitik mit dem Erbe der Bush-Ära, mit dem zweiten Irak-Krieg, Guantanamo und Waterboarding. Noch mehr steht im Argen. Der Drohnenkrieg erhitzt die Gemüter, der Kampf gegen den so genannten „Islamischen Staat“ beherrscht die politische Diskussion, ein Ausweg oder eine Lösung hat niemand parat. Um diesen Ballast macht Bays „13 Hours“ eine große Kurve, sein Film emanzipiert sich quasi von all dieser Negativität. Bays Drohnen sind keine unbemannten Killermaschinen, sondern unschuldige Aufklärungsflugzeuge, Intervention betreibt nur der islamistische Feind, nicht der einzelne Kämpfer, der lediglich sein Leben verteidigt. Bay individualisiert den Krieg und serviert reines Actionspektakel im scheinbar unpolitischen Mantel. Wer sich gehen lässt, kann das ziemlich geil finden. Wer den republikanischen US-Vorwahlkampf beobachtet, weiß: Der lässt sich auch ziemlich gehen.

Die wahre Begebenheit um die versuchte Rettung einer geheimen CIA-Anlage in Libyen im Jahr 2012 dient dem Regisseur zur Etablierung zweier entscheidender Grundpfeiler. Zum einen kann Bay die CIA-Mission um eine Söldnerboygroup als gerechte Sache verkaufen, schließlich verteidigen die tapferen Männer nur ihr und jedes andere amerikanische Leben. Niemand, der bei klarem Verstand ist, kann dagegen etwas einwenden. Zum anderen erzeugt dieses Szenario eine emotionale Bindung zum leidgeprüften amerikanischen Zuschauer, die darin erstarkt, dass die Kontextualisierung der politischen Geschehnisse über die Bilder des 11. Septembers 2001 evoziert werden, gezeigt auf einem Fernsehbildschirm, da also, wo sie jeder Mensch auf der Welt bereits unzählige Male gesehen hat. Was Bay also vorhat, ist eine inhaltliche Reduktion auf eine binäre Weltordnung von „Wir gegen die“, also die USA gegen die Islamisten. Zugleich baut er mit dem Authentizitätsanspruch eine argumentative Mauer gegen alle Nörgler und Kritiker. Selbst die längst verpönte Formel vom Kampf gegen die Achse des Bösen wird so wieder salonfähig. Wie Bay das macht, ist einfach: Wie seine Söldner interessiert er sich kein bisschen für die Hintergründe. It’s all about the motherfucking money!

© Paramount Pictures

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Das Ergebnis ist hoher Symbolismus: Wenn inmitten einer betenden Menge von Muslimen zahlreichen Kalaschnikows gezeigt werden, erzeugt Bay in nur einer Kamerabewegung zwischen dem Islam und der akuten Gewalt eine feste Kausalität. Dass dabei der Feind in der Anonymität der Gesichtslosigkeit verloren geht, ist nur ein kleiner Teil des ideologischen Räderwerks. Libyen ist eine gänzlich fremde Welt, in der der Schafhirte Fußball schaut, während der blutige Krieg herrscht, Kinder zwischen Panzerruinen spielen und Waffen neben Gemüse verkauft werden. Der Bürgerkrieg wird durch einen der Soldaten so zusammengefasst: „Ihr müsst mal eine Lösung für die Scheiße hier finden.“ Diese Simplifizierung also, die in all dem dramaturgischen Trammtramm in den letzten Minuten ihren Höhepunkt findet, wird heimlich torpediert, indem sie verharmlost wird. Am Ende stimmen die Soldaten überein: Eigentlich habe das alles doch viel Spaß gemacht. Ja, okay, ein paar Kollegen sind tot, eine amerikanische Flagge wurde von AKs durchlöchert, aber Alter, habt ihr den krassen Headshot gesehen? America, fuck yeah!

Diese binäre und simple Struktur erscheint noch in anderer Form, nämlich in jener des im Stich gelassenen Individuums gegen das System. Bay stellt seinen Soldaten als einen im aristotelischen Sinne geborenen Krieger dar, dessen Existenz in der zivilen Heimat keinen Sinn findet. Was will er auch als Versicherungsvertreter Geld verdienen, wenn sein Waffenschrank die beste Versicherung ist? Erst im Einsatz schafft er es, über seine Gefühle und sein Dasein zu sinnieren, bevor er sein Gewehr wieder nachlädt und dem Feind ordentlich einheizt. Dieser Krieger, der vom Diplomaten und Harvard-Absolventen abschätzig behandelt und auf fünf Mahlzeiten am Tag reduziert wird, ist der, der schreit und laut wird, der nicht viel überlegt, sondern handelt, wenn es denn die verdammten Umstände so erfordern. Der weiß, für was er kämpft und nicht zögert, für Land und Familie sein Leben zu geben. Dieser Heroismus an sich ist nicht sonderlich neu, die Kombination mit inkompetenten Befehlshabern als heimliche Antagonisten, die entweder zu spät oder gar nicht reagieren, auch nicht, schließlich war das schon das Thema in „Rambo II“. Doch in Anbetracht der aktuellen politischen Lage des Vorwahlkampfs in den USA ist der von der Elite im Stich gelassene, rebellische Soldat, der endlich das tut, was getan werden muss – nämlich den Terroristen ordentlich in den Arsch zu treten – ein potenzieller Trump-Wähler. Am Ende des Films entschuldigt sich der CIA-Diplomat kleinlaut für seine Schwäche. Der starke, weiße, bärtige Amerikaner hat schließlich immer Recht. Das wird sich der Zuschauer vielleicht auch denken und es dem Soldaten gleich tun. Also an der Wahlurne.

Autor: Lucas Curstädt

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